Chronologie Stationen der Karriere von Präsident Boris Jelzin


Boris Jelzin wurde am 1. Februar 1931 im Dorf Butka im Ural geboren. Nach einem Studium als Bauingenieur beginnt Jelzin eine steile Karriere in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und wird schließlich 1976 Parteichef der wichtigen Region Swerdlowsk (heute Jekaterinburg) im industriestarken Ural:

April 1985: Auf Vorschlag des damaligen KP-Generalsekretärs Michail Gorbatschow wird Jelzin zum Parteichef von Moskau und Kandidaten des Politbüros, der höchsten kommunistischen Gremiums, ernannt.

Oktober 1987: Jelzin kritisiert bei einem Partei-Plenum Gorbatschows Reformen als zu langsam und wird abgesetzt.

März 1990: Jelzin wird ins Parlament der sowjetischen Teilrepublik Russland gewählt. Anschließend ernennen ihn die Abgeordneten zum Parlamentsvorsitzenden und damit zur höchsten russischen Amtsperson.

Juni 1991: In allgemeiner und freier Wahl wird Jelzin zum ersten Präsidenten Russlands gewählt.

August 1991: Am entschlossenen Widerstand Jelzins scheitert der Putsch kommunistischer Hardliner gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow.

Dezember 1991: Gemeinsam mit den Staatschefs Weißrusslands und der Ukraine erklärt Jelzin die Auflösung der Sowjetunion und die Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Jelzin zieht in den Kreml ein.

Januar 1992: Jelzins Regierung beginnt die Wirtschaftsreformen mit der Freigabe der Preise. Die Reformen stoßen wegen der Verarmung zahlreicher Bürger auf Ablehnung. Es beginnt ein zäher Machtkampf mit dem von Kommunisten und Reform-Gegnern beherrschten Parlament. Die Abgeordneten scheitern mehrfach knapp mit der Entmachtung Jelzins.

September 1993: Im Bruch mit der aus Sowjet-Zeiten stammenden Verfassung löst Jelzin das Parlament auf. Die Abgeordneten verschanzen sich im Parlament und starten einen gewaltsamen Umsturzversuch. Nach blutigen Angriffen von Putschisten-Einheiten befiehlt Jelzin die Erstürmung des Parlamentsgebäudes durch Spezialeinheiten und Panzer. Insgesamt kommen bei dem Putsch mehr als 100 Menschen ums Leben.

Dezember 1993: Eine per Referendum angenommene neue Verfassung sichert die Vormachtstellung des Präsidenten. Das neu gewählte Parlament, die Duma, wird jedoch entgegen den Hoffnungen Jelzins erneut von Kommunisten dominiert.

Dezember 1994:Jelzin ordnet den Einmarsch russischer Truppen in die abtrünnige Kaukasus-Republik Tschetschenien an.

Dezember 1995:Die Russen wählen erneut ein von Kommunisten beherrschtes Parlament.

Januar 1996: Der von Gesundheitsproblemen geplagte Jelzin erreicht mit nur vier Prozent Zuspruch ein Popularitätstief. Er kandidiert trotzdem für eine zweite Amtszeit.

Juli 1996: Nach einem eindrucksvollen Wahlkampf wird Jelzin als russischer Präsident wiedergewählt. Am Tag der Stichwahl erleidet er einen schweren Herzanfall.

August 1996: Der Kreml gesteht faktisch das militärische Scheitern in Tschetschenien ein. Die Truppen ziehen sich zurück. Während des Krieges werden nach Schätzungen etwa 80 000 Menschen getötet, vor allem Zivilisten.

November 1996:Jelzin lässt sich am Herzen operieren. Ihm werden fünf Bypässe gelegt. Ohne diese Operation hätte er nur noch wenige Monate zu leben gehabt, sagen Ärzte.

Juni 1997:In der amerikanischen Stadt Denver wird die von Jelzin seit langem angestrebte Erweiterung der G-7 durch Russland zur G-8 beschlossen.

März 1998:Jelzin entlässt den langjährigen Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin und startet damit eine Serie von Regierungswechseln: Er feuert vier Regierungschefs in 18 Monaten.

August 1998: Der Zusammenbruch der russischen Staatsfinanzen droht Jelzins Reformen zu kippen.

Mai 1999:Das Parlament scheitert mit einem Amtsenthebungsverfahren gegen Jelzin.

August 1999: Gegen Jelzin werden in der internationalen Presse Korruptionsvorwürfe erhoben. Er soll angeblich Schmiergelder von einem Schweizer Bauunternehmer erhalten haben. Der Kreml weist dies zurück.

August 1999: Jelzin ernennt Geheimdienstchef Wladimir Putin zum Ministerpräsidenten und bezeichnet ihn als seinen Wunschnachfolger im Kreml.

September 1999: Mit Zuspruch Jelzins startet Putin einen neuen Einmarsch in Tschetschenien.

Dezember 1999: Bei der Parlamentswahl bricht die von Jelzin und Putin unterstützte Partei Einheit die Vormachtstellung der Kommunisten in der Duma.

Dezember 1999: Jelzin tritt knapp ein halbes Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit zurück.



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