Chronologie Der endlose Streit um Nordkoreas Atomprogramm

Der unterirdische Nukleartest ist die jüngste Eskalation im Disput um die nordkoreanischen Atompläne. Schon 2006 und 2009 zündete Machthaber Kim Jong Il nukleare Sprengsätze - nun zieht Sohn Kim Jong Un nach. Eine Chronologie des Strebens nach der Bombe.


1994: Nordkorea erklärt seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), bleibt aber seinen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag unterworfen. Im Oktober verspricht das Land in einem Abkommen mit den USA, sein Atomprogramm zu stoppen.

1998: Nordkorea startet eine mehrstufige Rakete, angeblich mit einem Satelliten an Bord. Die USA warfen Pjöngjang vor, es habe sich um den Test einer Mittelstreckenrakete gehandelt.

2003: Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland enden ohne Ergebnis.

2005: Das Regime bekennt sich erstmals zum Besitz von Atomwaffen. Es verpflichtet sich im September zwar zur Aufgabe seines Atomprogramms, stellt die Vereinbarung aber wenig später wieder in Frage.

2006: Nordkorea löst mit einer Serie von Raketenversuchen über dem Japanischen Meer weltweit Empörung aus. Im Oktober folgt der erste unterirdische Atomtest.

2007: Im Februar sagt Nordkorea die Schließung der Atomanlage in Yongbyon zu. Im Gegenzug soll es Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten. Im Juli wird der Reaktor abgeschaltet.

2008: Das Regime demonstriert mit dem Abschuss mehrerer Testraketen Stärke und droht, die Stilllegung von Atomanlagen hinauszuzögern.

2009: Der Weltsicherheitsrat verurteilt den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete. Aus Protest gegen die Kritik steigt Pjöngjang aus den internationalen Atomgesprächen aus. Nach einem zweiten Atomtest Nordkoreas verschärfen die UN ihre Sanktionen.

2011: Eine Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass Nordkorea weiterentwickeltere Atomanlagen haben muss, als bisher bekannt. Nach UN-Angaben exportiert das Regime für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen nach Iran und in andere Krisengebiete. Im Juli und im Oktober treffen sich Vertreter der USA und Nordkoreas wieder zu Gesprächen über das Atomprogramm.

2012: Zum ersten Mal seit dem Tod des Diktators Kim Jong Il im Dezember 2011 führen Washington und Pjöngjang wieder direkte Atomgespräche. Washington verkündet, Nordkorea sei im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen zu einem Moratorium bei der Urananreicherung, Atom- und Raketentests bereit. Ein weiterer Raketentest scheitert im April. Nach massiver Kritik daran hebt Nordkorea das Moratorium wieder auf. Im Dezember schießt das Regime eine weitere Rakete mit einem Satelliten ins All.

Januar 2013: Der Weltsicherheitsrat weitet die Sanktionen aus. Der Rat hatte den Raketenstart zuvor scharf verurteilt. Das Regime in Pjöngjang droht, sein Atomwaffenarsenal auszubauen und kündigt einen dritten Atomtest sowie weitere Raketenstarts an. Gespräche über das Atomprogramm werde es nicht mehr geben.

12. Februar 2013: Nordkorea unternimmt einen neuen Atomtest und löst damit bei der internationalen Gemeinschaft scharfe Kritik aus.

jok/dpa



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ratxi 12.02.2013
1. Geschwafel vom Weltfrieden
Zitat von sysopAPDer unterirdische Nukleartest ist die jüngste Eskalation im Disput um die nordkoreanischen Atompläne. Schon 2006 und 2009 zündete Machthaber Kim Jong Il das Regime nukleare Sprengsätze - nun zieht Sohn Kim Jong Un nach. Eine Chronologie des Strebens nach der Bombe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chronologie-von-nordkoreas-atomprogramm-a-882785.html
Sicher, auch in mir löst das reichlich Unbehagen aus. Aber andersherum gefragt, warum soll Nordkorea nicht das tun, was so viele andere Länder auch tun, völlig "legal"? Es sind Atommächte, die den Kim´s verbieten wollen, Atomwaffen zu besitzen. Wo ist da die plausible Begründung? Und mal in die Lage von Nordkorea versetzt, ist es doch aus seiner Sicht sehr verständlich, dass das Land sich bedroht fühlt. Es ist doch nun wirklich nicht so weit hergeholt, wenn es dem Geschwafel vom Weltfrieden vieler anderer kriegerischer Nationen unter Führung der USA absolut mißtraut.
Kabuto 13.02.2013
2. Nein, keine Sympathie für Nordkorea,
aber wenn sie keine Einmischung von UN, USA und EU wollen, dann brauchen sie die Bombe. Es ist die einzige Garantie ihrer Unabhängigkeit. Ihr Schutz vor unserer Art von Menschlichkeit.
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