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CIA-Affäre: Das Weiße Haus wird "Jane Bond" nicht los

Von Georg Mascolo, Washington

Kaum ist Cheneys Ex-Stabschef "Scooter" Libby verurteilt, zieht für das Weiße Haus das nächste Gewitter auf: Hollywood und Verlage wollen Valerie Plame, eine Hauptdarstellerin der CIA-Affäre. Doch der Geheimdienst gibt ihr Buchmanuskript nicht frei.

Washington - Es gibt Zeiten, da empfindet selbst die liberale "Washington Post" Mitleid mit der Bush-Truppe. Irak, Afghanistan, der Skandal um die mangelhafte Versorgung von Kriegsveteranen und dann auch noch die Verurteilung von Lewis Libby, Vizepräsident Dick Cheneys früherem Stabschef. Im Weißen Haus, befand das Blatt diese Woche mitfühlend, "müsse ein Gefühl wie in einer überarbeiteten Notfallambulanz herrschen".

Valerie Plame: Ihr Manuskript zur CIA-Affäre ist lange fertig
AP

Valerie Plame: Ihr Manuskript zur CIA-Affäre ist lange fertig

Libbys Verurteilung wegen Behinderung der Justiz und Falschaussage hat zu einem wahren Strom köstlicher Spekulationen geführt: Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Präsident George W. Bush den einstigen Spitzenbeamten begnadigen wird. Fingerabdrücke und Foto Libbys lagern bereits in der Verbrecherkartei, im Juni soll das Strafmaß verkündet werden. Bis zu drei Jahren Haft in einem Bundesgefängnis prognostizieren Experten. Während die Demokraten nach einer Garantie verlangen, dass Bush auf ein präsidiales Pardon verzichtet, fordern konservative Blätter wie das "Wall Street Journal" lautstark Begnadigung des Verurteilten. Weitere Schlagzeilen scheinen garantiert, sehr zur Beruhigung des Filmriesen "Warner Brothers" und des Verlagshauses "Simon & Schuster."

Zwei Millionen soll allein der Verlag für das begehrteste Manuskript zur Affäre garantiert haben, die Memoiren der einstigen CIA-Agentin Valerie Plame. Der Verrat ihres Namens löste die umfangreichen Ermittlungen eines Sonderermittlers aus, die letztlich zu Libbys Verurteilung führten. Warner Brothers hat die Filmrechte erworben. In Hollywood schwirren schon Gerüchte, dass Nicole Kidman die attraktive Blondine und Zwillingsmutter spielen soll, deren Foto inzwischen ganz Amerika kennt.

Das Timing wäre jetzt ideal, aber ob und wann Valerie Plame ihre persönliche Geschichte der Affäre veröffentlichen darf, ist völlig ungewiss. Das Manuskript ist lange fertig, aber erscheinen darf es nicht. Seit Monaten verweigert der Geheimdienst die Freigabe, es drohe "operativer Schaden", behauptete CIA-Sprecher Mark Mansfield gegenüber der "New York Times."

Valerie Plame, die ebenso kluge wie hübsche Ex-Agentin, ist die Ehefrau des Ex-Diplomaten Joe Wilson. Wilson war vor dem Irak-Krieg nach Niger gereist, um Geheimdienstinformationen zu überprüfen, nach denen Saddam Hussein in Afrika Uran für sein Atomprogramm kaufe. Er fand heraus, dass alles frei erfunden war. Bush und Cheney aber nutzten die Behauptung trotzdem munter weiter. Wilson veröffentlichte seine Erkenntnisse, das Weiße Haus war blamiert. In der folgenden von Cheney und Libby angeführten Schlammschlacht wurde auch der Name seiner Ehefrau durchgestochen.

Es ist eine elend komplizierte Geschichte mit vielen Wendungen, ein winziger Ausschnitt aus der Propagandaschlacht, mit der das Weiße Haus die Invasion rechtfertigte. Valerie Plame, die ihr Ehemann gern "Jane Bond" nennt, wird zugetraut, das alles noch einmal spannend zu erzählen. Die CIA bestreitet kategorisch, dass die Verweigerung der Freigabe auch nur irgendetwas damit zu tun haben könnte, den ohnehin beträchtlichen Schaden für das Weiße Haus zu begrenzen. Valerie Plame, so befand ein für die Begutachtung von Manuskripten zuständiges Panel, habe einfach viel zu viel aus ihrem Agentenleben preisgegeben.

Besonders umstritten sind offenbar die Stellen, in denen Plame über ihre Zeit als sogenannter NOC in Europa erzählt. Die "Non Offical Cover" sind ein besonders gut gehütetes Geheimnis der CIA, die im Ausland stationierten Agenten geben sich meist als Geschäftsleute aus. Plame soll eine Zeit in Europa als NOC gearbeitet haben, angeblich als Energieberaterin. Weil europäische Verbündete auf solche Agentenspiele ziemlich gereizt reagieren können, will die CIA davon kein Wort lesen. Zudem soll offenbar kein Präjudiz geschaffen werden, zumindest ehemalige Undercover-Agenten sollen sich nicht auch noch in die Riege der schreibfreudigen CIA-Pensionäre einreihen dürfen.

Trotz wiederholten Verhandlungen zwischen Plame und der CIA scheint bisher keine Einigung in Sicht. Plame hat einen Anwalt eingeschaltet, Hollywood und der Verlag wollen schließlich nicht ewig warten. Und Ehemann Wilson behauptet, die Familie sei auf zusätzliche Einkünfte dringend angewiesen: Rechte Kreise, so Wilson, hätten dafür gesorgt, dass seiner Beratungsfirma, die bei Investments in krisengeschüttelten Ländern hilft, die Kunden wegbleiben. Wilson kündigte jetzt an, man werde notfalls gegen die CIA klagen, um das Manuskript freizubekommen: "Wir werden sie daran erinnern müssen, dass das hier nicht die Sowjetunion ist."

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