CIA-Affäre Paris prüft Hinweise auf Geheimflüge

Die französische Regierung hält es für möglich, dass Flugzeuge der CIA mit gefangenen Terrorverdächtigen auch in Frankreich gelandet sind. Die Türkei hat inzwischen über mindestens zwei Landungen von mutmaßlichen US-Geheimdienst-Maschinen berichtet.


Paris/Berlin - "Wir sind dabei, diese Informationen mit den Luftfahrtämtern zu prüfen", sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums, Jean-Baptiste Mattei, heute in Paris. "Es ist sehr gut möglich, dass es Flüge gab." Bislang hatte die französische Regierung erklärt, ihr sei nichts von solchen Flügen bekannt.

Flughafen Le Bourget: Hier soll im Juli eine verdächtige CIA-Maschine gelandet sein
REUTERS

Flughafen Le Bourget: Hier soll im Juli eine verdächtige CIA-Maschine gelandet sein

Über Zwischenlandungen in Frankreich bei zwei Flügen im Jahr 2002 und in diesem Jahr hatte heute die Zeitung "Le Figaro" berichtet. Demnach landete am 31. März 2002 ein Learjet auf dem Flug von Island in die Türkei in Brest. Bei dem zweiten Flug handelte es sich um einen Jet des Typs Gulfstream III, der am 20. Juli dieses Jahres aus Norwegen kam und in Le Bourget bei Paris eine Zwischenlandung hatte.

Diese Maschine soll auch mehrfach den US-Stützpunkt Guantanamo angeflogen haben, wo Gefangene aus dem Afghanistan-Krieg inhaftiert sind.

Noch kürzere Zeit zurück liegen zwei Landungen eines mutmaßlichen CIA-Flugzeugs in der Türkei. Diese Maschine sei am 30. Oktober sowie am 15. November in Istanbul gewesen und beide Male aus Aserbaidschan gekommen, teilte der türkische Verteidigungsminister Binali Yildirim heute mit. Das Flugzeug gehöre der amerikanischen Firma Pegasus Technologies. Es sei nicht bekannt, ob es im Auftrag der CIA unterwegs gewesen sei, sagte der Minister zu entsprechenden Presseberichten.

In Berlin erklärte Regierungssprecher Thomas Steg, die Bundesregierung erwarte von den USA zeitnah und umfassend Aufklärung zu den Berichten über geheime Flüge und Geheimgefängnisse. Es gebe eine Zusage von US-Außenministerin Condoleezza Rice, auf das EU-Auskunftsersuchen des britischen Außenministers Jack Straw zu antworten. Den Fragen der Partner werde Beachtung geschenkt, sagte Steg. Man gehe davon aus, dass sie beantwortet würden.

Der ehemalige BND-Direktor Wolbert Smidt sagte dem TV-Sender Deutsche Welle: "Es gibt einigen Anlass zu zweifeln an der Rechtmäßigkeit von vielen Maßnahmen. Es geht hier nicht nur um die Flüge, sondern es geht auch um Entführungen, Entführungen selbst von europäischem Boden." Smidt sagte, vermutlich habe der Bundesnachrichtendienst über die Flüge Bescheid gewusst. "Aber ich bin zugleich ganz sicher, dass die amerikanischen Dienste die deutschen Dienste nicht im einzelnen unterrichtet haben über den Charakter der Flüge."

Am kommenden Dienstag wird US-Außenministerin Condoleezza Rice in Berlin erwartet. Dabei sollen wahrscheinlich auch die Berichte über die Geheimflüge zur Sprache kommen.



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