CIA-Folter US-Zeitung berichtet von Okay der Regierung zu Waterboarding

Unliebsame Details aus der Geheimschatulle des Weißen Hauses: Die US-Regierung hat laut "Washington Post" die Foltermethode Waterboarding schriftlich gebilligt. Der Geheimdienst CIA hatte demnach um Genehmigung gebeten - und sie erhalten.


Hamburg - Bislang wollte die US-Regierung von nichts gewusst haben - doch nun scheint die Foltermethode Waterboarding doch nicht nur im Stillen von der CIA auf eigene Faust angewandt worden zu sein. Einem Bericht der US-Zeitung "Washington Post" zufolge hat das Weiße Haus das Waterboarding sogar explizit schriftlich genehmigt.

Ex-CIA Chef Tenet mit Bush: Schriftliches Okay aus dem Weißen Haus
REUTERS

Ex-CIA Chef Tenet mit Bush: Schriftliches Okay aus dem Weißen Haus

Die Zeitung beruft sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter von Geheimdienst und Regierung. Auf Drängen der CIA seien 2003 und 2004 geheime Anordnungen erlassen worden, die Waterboarding offiziell bewilligten.

Bei dieser Foltermethode wird der Kopf des Verhörten immer wieder mit Wasser übergossen. Wer dieser Prozedur unterzogen wird, fühlt sich, als würde er ertränkt.

Menschenrechtler zählen Waterboarding zur "weißen Folter". Der Grund: Im Nachhinein lassen sich keine sichtbaren Spuren am Körper des Opfers feststellen.

Dem Bericht der "Washington Post" zufolge forderte der damalige CIA-Chef George Tenet erstmals im Jahr 2003 eine schriftliche Genehmigung der Regierung für das Waterboarding - bei einem Treffen mit dem Nationalen Sicherheitsrat. Die geheime Anordnung sei kurze Zeit später erlassen worden.

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Eine zweite schriftliche Absicherung forderte Tenet demnach im Jahr 2004, nachdem Misshandlungen von Gefangenen durch US-Soldaten im berüchtigten irakischen Gefängnis Abu Ghureib bekannt geworden waren.

In dieser Zeit habe sich die Beziehung zwischen dem Weißen Haus und der CIA wegen des Vorgehens im Irak verschlechtert, berichtet die Zeitung weiter. Deshalb habe der Geheimdienst sich der ausdrücklichen Unterstützung der Regierung versichern wollen. Die US-Regierung wollte den Bericht nicht kommentieren.

Dass die CIA Waterboarding angewendet hat, haben die Verantwortlichen bereits zugegeben. Die Methode sei bei Verhören von Terrorverdächtigen zum Zuge gekommen. Von einer offiziellen Genehmigung des Weißen Hauses allerdings war bislang keine Rede gewesen.

Durch vehemente Ablehnung derartiger Methoden war Präsident Bush allerdings auch nicht aufgefallen - im Gegenteil. Der Republikaner hatte zuletzt im März sein Veto gegen einen Gesetzentwurf eingelegt, mit dem Geheimagenten Foltermethoden wie das Waterboarding ausdrücklich untersagt werden sollten.

cht/AFP



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