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CIA-Report: Britischer Geheimdienst ließ Passagen im Folterbericht schwärzen

Großbritanniens Premier David Cameron: Stellen im Folterbericht geschwärzt Zur Großansicht
REUTERS

Großbritanniens Premier David Cameron: Stellen im Folterbericht geschwärzt

Zahlreiche Passagen im Bericht über die Foltermethoden der CIA sind geschwärzt. Nun gab die britische Regierung zu, dass einige Stellen auf ihren Wunsch hin unkenntlich gemacht wurden. Britische Agenten wussten anscheinend von den brutalen Verhören.

London - Viele Passagen im Folterbericht der CIA sind geschwärzt, darunter die Namen der CIA-Folterknechte. Doch was wurde noch gestrichen? Unter anderem wohl Hinweise auf ausländische Geheimdienste.

Etliche Stellen in dem Report wurden auf Wunsch des britischen Geheimdienstes unkenntlich gemacht. Das gab nun die britische Regierung zu - nachdem sie entsprechende Berichte erst von sich gewiesen hatte.

In Großbritannien wächst nun die Sorge, dass britische Agenten in den Folterskandal verwickelt sein könnten. Eine Sprecherin von David Cameron wies das zurück: Geschwärzt worden seien nur Passagen, die die nationale Sicherheit Großbritanniens hätten bedrohen können: "So hätten wir das auch mit jedem anderen Bericht gemacht."

Großbritanniens Vize-Premierminister Nick Clegg sagte, er sei sicher, dass britische Agenten Gefangene nicht foltern würden, aber der Verdacht, dass sie über die Methoden der amerikanischen Kollegen Bescheid gewusst haben, müsse untersucht werden. "Wie jeder andere will ich die Wahrheit wissen", so Clegg.

Staatsanwaltschaft ließ Vorwürfe gegen britische Agenten fallen

Die Vorwürfe sind nicht neu: Eine öffentliche Untersuchungskommission unter Leitung von Peter Gibson war schon im vergangenen Jahr zu dem Schluss gekommen, dass britische Agenten über die Foltermethoden der Amerikaner informiert gewesen waren. Mit dem Bericht von Gibson beschäftigt sich nun die Sicherheitskommission des britischen Parlaments.

Vor fünf Jahren hatte der ehemalige Terrorverdächtige Binyam Mohamed in Großbritannien für einen Skandal gesorgt, als er berichtete, bei mehreren CIA-Verhören mit Rasierklingen an den Genitalien verletzt worden zu sein - mit Wissen des britischen Geheimdienstes MI5.

Britische Polizei und Staatsanwaltschaft leiteten daraufhin Ermittlungen ein. Das Ergebnis: Der MI5 hatte anscheinend Informationen über Mohamed und Verhörfragen an ihn an die US-Behörden weitergereicht. Die britischen Agenten hätten jedoch nicht gewusst, wo der Gefangene gerade festgehalten wurde, so die Staatsanwaltschaft. Zudem gebe es keine Beweise dafür, dass sie gewusst hätten, dass Mohamed Folter drohte. Eine Anklage wurde nicht erhoben.

Im Sande verlief auch ein zweiter Vorfall, den der Auslandsgeheimdienst MI6 2009 selbst angezeigt hatte: Beim Verhören eines Gefangenen auf der US-Militärbasis Bagram in Afghanistan war in Gegenwart eines MI6-Agenten offenbar gegen das Gesetz verstoßen worden. Wiederum konnten die Ermittler keine ausreichenden Beweise finden. Der Grund: Weder der unbekannte Gefangene noch die anderen Augenzeugen, allesamt nicht-britischer Nationalität, konnten vernommen werden.

Die Aufarbeitung des britischen Kriegs gegen den Terror solle nun in die nächste Runde, kündigte Vize-Premierminister Clegg an. Premier Cameron hatte zuvor gesagt, es gebe keinen Grund für eine neue Untersuchung. Das Thema sei "aus britischer Perspektive abgeschlossen".

vet/Reuters

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Vorgetäuschte Unwissenheit?
kaksi 12.12.2014
>Großbritanniens Vize-Premierminister Nick Clegg sagte, er sei sicher, dass britische Agenten Gefangene nicht foltern würden.< Auch am Ende des Weltkrieges ist seitens Großbritanniens gefoltert worden, um NS-Verbrecher zu entdecken. Bekanntes Beispiel: Der KZ-Kommamdant von Auschwitz.
2. Cameron Pofalla China harte Arbeit als US Folterknecht
limubei 12.12.2014
Premier Cameron hatte zuvor gesagt, es gebe keinen Grund für eine neue Untersuchung. Das Thema sei "aus britischer Perspektive abgeschlossen". Das erinnert an Pofalla, der in Kürze bei der Bahn ein Millionen Gehalt bekommen wird. HaHaHa die groessten Piraten der Geschichte erklaeren den Fall für abgeschlossen. Wenn nicht das Leiden und Sterben von 100.000senden dahinter stehen würde könnte man über diesen Witz ja lachen. Aber in den letzten Tage bleibt der westlichen Öffentlichkeit das Ueblerlegenheitslachen gänzlich im Halse stecken. Nicht so die Täter und Verantwortlichen! In China wird derzeit mit korrupten Kadern weiter aufgeräumt. Aus der Partei verstossen, Vermögen wird eingezogen und es gibt Strafen. In USA duerfen Folterer Mörder und Kriegsverbrecher weiter unbehelligt ihr Luxusleben geniessen. Denn für ihre Taten wurden sie fürstlich entlohnt. Lt Bush haben sie "hart" gearbeitet.
3. Titellos
UnitedEurope 12.12.2014
Der Schaden der durch den offensichtlichen und ungesühnten Verrat an unseren Werten entstanden ist lässt sich nicht ermessen und wird Millionen Menschen weltweit weiter an unserem Modell von Rechtstaatlichkeit und Menschenwürde zweifeln lassen.
4. Das alles ist mehr oder weniger genau
demokroete 12.12.2014
seit Jahren bekannt. Das Schlimme daran ist, dass es sich nicht um Ausnahmeerscheinungen und Handlungen einzelner Sadisten handelt, sondern um von hoechster Stelle angeordnete staatliche Folter. Trotzdem gehen, allen voran Frau Merkel, viele westliche Politiker immer noch mit den 'westlichen Werten' hausieren. Da es nun amtlich ist, wie selbige aussehen, hat die Phrase zur Rechtfertigung weiterer Gewaltakte wohl hoffentlich ausgedient !
5. ein nur erschreckend....
Spiegelleserin57 12.12.2014
das die Europäer zugeschaut haben, wussten und nichts getan haben. Sie sollten doch aus der Geschichte gelernt haben ...siehe dem Buch von J.F. Kennedy mit dem Titel : als England schlief!! Nun bekommt die ganze Schande noch ein neues Gesicht...was wusste denn der deutsche Geheimdienst? Eine Anfrage im Bundestag wäre es wert.
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