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CIA-Gefängnis in Polen: Folter mit der Bohrmaschine

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CIA-Agenten sollen 2002 in Polen Gefangene gefoltert haben. Es wäre ein weiteres Indiz dafür, dass der US-Geheimdienst in dem osteuropäischen Land ein Geheimgefängnis unterhielt. Polnische Parlamentarier reagierten entsetzt.

Polnischer Flughafen Szymany (Archiv): Hier landeten immer wieder Flugzeuge der CIA Zur Großansicht
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Polnischer Flughafen Szymany (Archiv): Hier landeten immer wieder Flugzeuge der CIA

Hamburg - Der eine nannte sich Albert, der andere Mike. Sie sollen sich vor acht Jahren in einem CIA-Geheimgefängnis in Polen den Gefangenen Abd al-Rahim al-Nashiri vorgeknöpft haben. Der Ägypter war von der CIA festgesetzt worden, weil er im Verdacht stand, an dem Anschlag auf das US-Kriegsschiff "USS Cole" im Oktober 2000 beteiligt gewesen zu sein.

Albert und Mike hielten dem gefesselten und nur mit einer Kapuze bekleideten Mann eine laufende Bohrmaschine ans Ohr und simulierten seine Erschießung, schreibt die Presseagentur AP unter Berufung auf einen anonymen Zeugen und einen internen Bericht des CIA-Generalinspekteurs. Die Maschine sei allerdings nicht mit einem Bohrer bestückt und die Waffe nicht geladen gewesen.

Bisher war bekannt, dass in den Jahren nach dem Anschlag auf das World Trade Center immer wieder Flugzeuge des amerikanischen Geheimdienstes auf dem Flughafen Szymany in den Masuren gelandet seien. Einer der Drahtzieher des Anschlags vom 11. September, Chalid Scheich Mohammed, hatte ausgesagt, er sei an einem unbekannten Ort festgehalten und gefoltert worden und habe dort eine Mineralwasserflasche mit polnischer Aufschrift entdeckt - ein weiterer Hinweis darauf, dass es in Polen ein Geheimgefängnis gegeben haben könnte.

Die polnische Regierung hatte dies stets dementiert. Der damalige polnische Premier Jerzy Miller und Präsident Aleksander Kwasniewski haben immer wieder gesagt, nie etwas von einem Geheimgefängnis auf polnischem Territorium erfahren zu haben. Die Abgeordneten im polnischen Parlament reagierten am Mittwoch entsetzt. "Ich glaube nicht, dass auf polnischem Boden jemand gefoltert wurde", sagte Marek Biernacki von der regierenden Bürgerplattform. Die Warschauer Generalstaatsanwaltschaft untersucht schon seit zwei Jahren, ob die Amerikaner in Polen gefoltert haben.

Al-Nashiri sitzt derzeit in Guantanamo in Haft und wartet auf seinen Prozess. Alberts und Mikes Folterpraktiken sollen schon 2003 einem höheren CIA-Offizier aufgefallen sein. Die beiden wurden vom Dienst suspendiert. Allerdings heuerte sie der Geheimdienst unlängst wieder als private Angestellte an - als Ausbilder.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
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1. Unsere Verbündeten
aquarius2, 08.09.2010
nehmen sich das Recht, in Ländern ihrer Wahl Menschen zu foltern oder Kriege anzuzetteln. Einige Vasallenregierungen dulden dies oder beteiligen sich aktiv. Ein Aufschrei müsste durch alle Medien gehen und ein Proteststurm der Menschen die aktive Verurteilung bis hin zur völkerrechtlich juristischen Aufarbeitung bewirken. Aber nein, es herrscht Schweigen im Wald. Alle haben verinnerlicht: Es besteht keine Einflußmöglichkeit! Unfaßbar!
2. Ich hoffe und bete,
tweet4fun 08.09.2010
Zitat von sysopCIA-Agenten sollen 2002 in Polen Gefangene gefoltert haben. Es wäre ein weiteres Indiz dafür, dass der US-Geheimdienst in dem osteuropäischen Land ein Geheimgefängnis unterhielt. Polnische Parlamentarier reagierten entsetzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716386,00.html
daß hier nicht ein neues Bashing-Forum gegen Polen oder die USA entsteht. Bitte bleibt sachlich! Themen wie diese bringen leider immer wieder die tief versteckten Ressentiments hervor.
3. D
intenso1 08.09.2010
Zitat von aquarius2nehmen sich das Recht, in Ländern ihrer Wahl Menschen zu foltern oder Kriege anzuzetteln. Einige Vasallenregierungen dulden dies oder beteiligen sich aktiv. Ein Aufschrei müsste durch alle Medien gehen und ein Proteststurm der Menschen die aktive Verurteilung bis hin zur völkerrechtlich juristischen Aufarbeitung bewirken. Aber nein, es herrscht Schweigen im Wald. Alle haben verinnerlicht: Es besteht keine Einflußmöglichkeit! Unfaßbar!
Auch Deutschland wurde als Drehscheibe benutzt um Gefangene in solche Geheimgefängnisse zu bringen, mit stillschweigende Duldung der Rot-Grünen Regierung. Deutsche Beamte haben auch an Verhören im Ausland teilgenommen und haben Aussagen die unter Folter erzwungen wurden als Beweise verwendet.
4. Krieg gegen den Terror
K. S. 08.09.2010
Zitat von sysopCIA-Agenten sollen 2002 in Polen Gefangene gefoltert haben. Es wäre ein weiteres Indiz dafür, dass der US-Geheimdienst in dem osteuropäischen Land ein Geheimgefängnis unterhielt. Polnische Parlamentarier reagierten entsetzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716386,00.html
Ich hoffe man kann sich in einigen Jahren mal ein umfassendes Bild machen vom Krieg gegen den Terror und dem dabei begannen Verrat an Ethik und Moral.
5. titel
Moewi 08.09.2010
Zitat von tweet4fundaß hier nicht ein neues Bashing-Forum gegen Polen oder die USA entsteht. Bitte bleibt sachlich! Themen wie diese bringen leider immer wieder die tief versteckten Ressentiments hervor.
Wie sachlich kann man wein, wenn -vor den Augen der Welt- die angeblichen Schutzmächte der Menschenrechte ebendiese mit Füssen treten, keinerlei Aufarbeitung stattfindet, und -noch schlimmer- in Bagram munter weitergefoltert wird. Oder glaubt tatsächlich irgendjemand ernsthaft, dass die "Erkenntnisse über geplante Anschläge in Europa" den "Vernehmungsbeamten" aus einer Laune heraus mitgeteilt wurden? Das ist total krank.
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Wegen der Anschläge vom 11. September vor Gericht
Chalid Scheich Mohammed
Der Mann, einst "Nummer drei" im Terrornetzwerk al-Qaida, gilt als Drahtzieher der Anschläge. "Ich war verantwortlich für die Planung der Operationen von A bis Z", soll er 2007 nach Angaben des Pentagons gestanden haben. Kritiker zweifeln die Aussagekraft der Geständnisse allerdings an und verweisen auf Berichte, nach denen Mohammed gefoltert wurde. Der Angeklagte kam 1964 oder 1965 auf die Welt und wuchs in Kuwait auf, sein Vater soll aus der pakistanischen Provinz Belutschistan stammen. In den achtziger Jahren studierte er in den USA, wo er angeblich einen Abschluss als Ingenieur erwarb. mehr auf der Themenseite...
Ramzi Binalshibh
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Der heute 36-jährige Jemenit wohnte in Hamburg zusammen mit Mohammed Atta, dem Anführer der Todespiloten vom 11. September, und gilt als einer seiner engsten Vertrauten. In der Hamburger Terrorzelle soll Binalshibh als Organisator und "Bankier" gewirkt haben. Nach Überzeugung der US-Regierung ist er einer der Mitverschwörer der Terroranschläge. Angeblich sollte er ursprünglich bei den Flugzeugentführungen dabei sein, bekam aber kein Visum für die USA. mehr auf der Themenseite...

Ali Abd al-Asis Ali
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Der in Kuwait aufgewachsene Mann soll die Flugzeugattentäter mit Geld versorgt haben. Er ist mit Scheich Mohammed und dem Drahtzieher des Anschlags von 1993 auf das World Trade Center, Ramsi Ahmed Jussuf, verwandt. Jussuf war im November 1997 zu einer Freiheitsstrafe von 240 Jahren verurteilt worden.

Mustafa Ahmed al-Hawsawi
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Der Saudi-Araber soll den Flugzeugterroristen Geld beschafft haben - und kurz nach den Anschlägen unter anderem Qaida-Chef Osama bin Laden getroffen haben. Er sagte im Prozess gegen den Franzosen Zacarias Moussaoui aus, der im Mai 2006 als Mitverschwörer der Anschläge vom September 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Walid bin Attasch
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Die Anklage wirft ihm vor, die Todespiloten unterstützt und in direktem Kontakt mit ihnen gestanden zu haben. Der Guantanamo-Häftling hat nach Angaben des Pentagons vom März 2007 die Planung des Anschlags auf das US-Kriegsschiff "USS Cole" im Oktober 2000 im Jemen zugegeben, bei dem 17 US-Soldaten getötet wurden. Zudem soll er seine Beteiligung an den Terrorangriffen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 mit 230 Toten gestanden haben. Angeblich unterstützte Attasch die Attentäter unter anderem mit gefälschten Stempeln und Visa. Es heißt außerdem, er sei zeitweise Leibwächter von Osama Bin Laden gewesen.


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