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Afghanistan: Wie eine CIA-Million bei al-Qaida landete

Ehemaliger afghanischer Präsident Karzai, Obama (2013): Große Bargeld-Lieferungen Zur Großansicht
REUTERS

Ehemaliger afghanischer Präsident Karzai, Obama (2013): Große Bargeld-Lieferungen

Über Jahre schleuste die CIA Bargeld nach Afghanistan, um Ex-Präsident Karzai zu stützen. Ein Teil ist aber laut "New York Times" über Umwege ausgerechnet an den Erzfeind al-Qaida geflossen.

Die USA verhandeln nicht mit Terroristen, auch nicht bei Entführungen - das ist, zumindest offiziell, die Linie des Weißen Hauses. Zahlt man einmal Lösegeld, inspiriert dies nur zukünftige Kidnapper, so die Logik. Zudem füllt es die Kassen von Terrororganisationen. Doch trotz dieser klaren Vorgabe ist zumindest in Afghanistan offenbar US-Geld geflossen - ausgerechnet an al-Qaida. Das berichtet die "New York Times".

Konkret geht es um den Fall des afghanischen Diplomaten Abdul Khaliq Farahi. 2008 entführt, verbrachte er zwei Jahre in der Gewalt der Qaida-Terroristen und wurde erst Ende 2010 freigelassen. Dafür sollen laut "New York Times" insgesamt fünf Millionen US-Dollar geflossen sein. Mindestens eine Million stammte demnach von der CIA.

Die Zeitung beruft sich dabei unter anderem auf einen bisher unter Verschluss gehaltenen Briefwechsel zwischen dem hohen Qaida-Offiziellen Atiyah Abd al-Rahman und Qaida-Chef Osama Bin Laden. Die Dokumente wurden offenbar bei der US-Tötungsmission gegen Bin Laden im Mai 2011 beschlagnahmt. Im Prozess gegen einen anderen Qaida-Terroristen wurden sie nun in New York als Beweismittel vorgelegt.

Sie belegen offenbar, wie die USA - durch Missmanagement und Versäumnisse - den Erzfeind al-Qaida finanziell unterstützten. Um die geforderten fünf Millionen Dollar für die Freilassung von Abdul Khaliq Farahi zu organisieren, bedienten sich afghanische Offizielle unter anderem aus einer geheimen Kasse des Präsidentenpalastes. Dort lieferten CIA-Agenten monatlich große Bargeldsummen ab. Diese sollten dem damaligen Präsidenten Hamid Karzai helfen, seine Machtbasis in dem Bürgerkriegsland zu stärken.

Als Finanzspritze für al-Qaida - gegen die die USA einen Milliarden teuren Krieg führte - war das Geld aber ganz sicher nicht gedacht. Allerdings zitiert die "New York Times" in ihrem Artikel einen ehemaligen Mitarbeiter der afghanischen Sicherheitsdienste mit den Worten: "Es ist Bargeld. Sobald es im Palast ist, können sie nicht mehr beeinflussen, wie es ausgegeben wird."

Geld soll in "gute Waffen" investiert werden

Neben der CIA-Million flossen laut dem Bericht auch Gelder aus Pakistan, Iran und den Golfstaaten. Kurz nach der Geldübergabe meldete Qaida-Mann Rahman seinem Chef Bin Laden: "Gott hat uns diesen Monat mit viel Geld gesegnet." Er plane, nun rasch "gute Waffen" anzuschaffen. Waffen, die auch im Kampf gegen die US-Einheiten im Land eingesetzt werden könnten.

Offenbar war selbst Bin Laden der plötzliche Geldsegen unheimlich. Laut dem Briefwechsel vermutete er eine Falle, möglicherweise sei das Geld markiert oder radioaktiv belastet. Für seinen Untergebenen hatte er genaue Anweisungen, wie mit den Millionen zu verfahren sei. So sollten die Spuren über verschiedene Banken und Währungswechsel verwischt werden.

Laut der "New York Times" war den beteiligten Qaida-Offiziellen aber nicht klar, dass sie einen Teil des Geldes mittelbar vom amerikanischen Auslandsgeheimdienst erhalten hatten. Die CIA hat sich bisher nicht zu den Vorgängen geäußert.

jok

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