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Kommentar zu CIA-Folter: Amerikas Schande

Ein Kommentar von , Washington

Bericht über CIA-Machenschaften: Das Grauen in den US-Folterzellen Fotos
AFP

Der Senatsbericht über die CIA-Folter wirft Licht auf eine der dunkelsten Stunden der neueren amerikanischen Geschichte. Was er zum Vorschein bringt, ist eine Schande für die Vereinigten Staaten.

Der 6700 Seiten starke Bericht eines Untersuchungsausschusses über die "Verhörmethoden" der Ära nach dem 11. September 2001 beschreibt, wie ein Land sich und seinen Werten untreu werden konnte.

Er zeigt, wie brutal und gesetzlos CIA-Beamte vorgingen. Zu den Maßnahmen, mit denen sie Verdächtige zum Reden bringen wollten, gehören Waterboarding, also das angetäuschte Ertränken der Befragten, Schlafentzug (bis zu 180 Stunden), Auspeitschen, Einsargen, stundenlanges An-der-Wand-Stehen und weitere Maßnahmen aus dem Mittelalter.

Dass Amerikas Ansehen in der Welt heute auf einem historischen Tiefstand ist, ist nicht die Schuld "der Islamisten" oder "der Anti-Amerikanisten" in Europa oder anderen Teilen der Welt. Schuld ist vor allen anderen Amerika selbst. Es ist das Werk von Regierungsbehörden wie CIA und NSA, die Menschen folterten und ein Überwachungssystem errichteten, das einer freien Gesellschaft unwürdig ist. Ob sie dies im expliziten Auftrag der Regierung taten oder im Laufe der Jahre ein Eigenleben entwickelten und ihrer Regierung einzelne Vorfälle verschwiegen, ist dabei sekundär. Die geistigen Väter der Eskapaden waren Präsident George W. Bush und sein Vize Dick Cheney.

Es mag schlichteren Gemütern als Zumutung erscheinen, aber: ein Staat, der die Werte der Freiheit proklamiert und daraus für sich eine Führungsrolle in der Welt reklamiert, muss auch Verbrecher anders behandeln als Schurkenstaaten dies tun. Erst darin zeigt sich wahre Größe und Überlegenheit. Die USA haben dies nach dem 11. September 2001 vergessen.

Dieser Tag ist ein Fest für Russland, China und Iran

Alle Versuche der Rechtfertigung, etwa der Verweis auf die historische Ausnahmesituation, in der sich die Vereinigten Staaten nach dem Anschlag auf das World Trade Center befanden, sind falsch. Das Land mag noch so verletzt, schockiert, verängstigt gewesen sein - nichts rechtfertigt den Einsatz von Methoden, die von den Vereinten Nationen zu Recht geächtet werden.

Der Senatsbericht ist ein erster Schritt der Aufarbeitung jenes dunklen Kapitels. Nun müssen die richtigen Lehren gezogen werden, um sicherzustellen, dass sich Amerika nicht noch einmal - sei es aus Zorn, Rache oder Angst - so weit unter seine Würde begeben kann. Die Reaktionen von Bush und Cheney auf den Bericht, die die CIA pauschal in Schutz nahmen, zeigen, dass nicht alle Amerikaner dies begriffen haben.

Leider ist dieser Tag auch ein Fest für alle Länder, in denen Menschenrechtsverletzungen zur Staatsräson gehören. Länder wie Russland, China oder Iran, die es satt haben, vom Westen über Menschenrechte und Demokratie belehrt zu werden. Sie werden diesen Report benutzen, um der Welt zu beweisen, dass es keinen Unterschied gibt zwischen ihren Regimen und der Führungsmacht des Westens.

Dabei gibt es eine gewaltige Differenz: Es ist der Report selbst. In all diesen Ländern ist es undenkbar, dass ein Ausschuss eines frei gewählten Parlaments die eigenen Verfehlungen untersucht und diese sogar veröffentlicht. Es ist dieser Umstand, der eine Demokratie, die sich verrannt hat und bereit ist, ihre Lehren zu ziehen, von unbelehrbaren Regimen unterscheidet. Hoffentlich.

Der Autor
  • imago
    Markus Feldenkirchen ist USA-Korrespondent des SPIEGEL in Washington.

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insgesamt 242 Beiträge
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1. hoppla würde ich sagen
liberty_of_speech 09.12.2014
Bin ja schon grspannt wann die ersten Hass Foristen erscheinen und dem Schreiber des Artikels das geschriebene an den Hals wünschen. Aber, mit etwas Glück sind diese Auftragsschreiber, wegen Ferguson, zu beschäftigt im eigenen Land das Internet mit ihren auffälligen Hasstiraden zu vergiften In einem bekannten Video Röhrendienst gehts ja grad heftigst zur Sache.
2. Wetten das ?
quark@mailinator.com 09.12.2014
Wetten, daß selbst das noch nicht die ganze Wahrheit ist ? Die richtig schlimmen Sachen werden ausgelagert. Die USA sind ständig weltweit irgendwo auf fremder Erde ... und verfolgen ihre Interessen mit allem, was geht.
3. What a hell !
romeu 09.12.2014
Waren die World Trade Center Türme in Berlin ? War das Pentagon in Deutschland? Waren die über 3000 Tote Deutschen? Dann sollen die Amerikaner mit den terroristen einstellen was sie wollen. Mensch Meier!
4. hoffentlich
dieter-ploetze 09.12.2014
diese letzte wort des Kommentars fand ich aeusserst wichtig.genauso ist auch mein empfinden.hoffnung,dass sich unsere westliche Welt mittlerweile nicht schon zu sehr verrannt hat.hoffentlich bekommt man wieder einen klareren blick auch hinsichtlich der Ukrainekrise.
5. Danke
fareast 09.12.2014
Sie sprechen mir aus der Seele.
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