Claudia Roth empfängt Richard Gere "Unsere Herzen tanzen"

Hollywoodstar Richard Gere ist in Berlin und macht deutschen Politikern seine Aufwartung. Noch vor Kanzlerin Merkel traf er Grünen-Politikerin Claudia Roth - man kennt sich schließlich schon lange.

Von Sophie Krause


"Es ist eine Sternstunde des Deutschen Bundestages", schwärmt Claudia Roth. Hat das Parlament soeben eine Lösung gegen den Klimawandel gefunden? Die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt? Den Nahostkonflikt beendet? Nein, es ist Berlinale-Zeit, und Richard Gere ist in Berlin. Mit überschwänglichen Worten empfängt die grüne Bundestagsvizepräsidentin am Mittwoch den US-Schauspieler, um mit ihm über die Menschenrechte der Tibeter zu sprechen.

"Unsere Herzen tanzen, wir sind aufgeregt, und wir freuen uns", sagt Roth, gewohnt farbenfroh in Blau und Gelb. Die schulmädchenhafte Freude über den Schwarm vieler Männer- und Frauenherzen ist ihr anzusehen. Und nicht nur ihr: Auf den Gängen des Jakob-Kaiser-Hauses stehen plötzlich auffällig viele Bundestagsmitarbeiter, um zwischen den Kameras einen Blick auf den Gast aus Hollywood zu erhaschen. Auf einen Star wie Gere warten die Grünen seit Langem.

Gere und Roth kennen sich aus den Neunzigerjahren, als die frühere Grünen-Chefin noch im Europaparlament saß. "Wir sind alte Freunde", sagt Gere, der sich seit den Achtzigerjahren für die Menschenrechte der Tibeter einsetzt und die Politik Chinas kritisiert.

Klimawandel bedroht Tibet

Tibet ist denn auch das beherrschende Thema. "Wir müssen weiterhin Wege finden, um seine Heiligkeit, den Dalai Lama, zu unterstützen", sagt Gere, Vorsitzender der International Campaign for Tibet. China dürfe sich nicht als Verlierer fühlen. Die Konfliktlösung müsse eine Win-win-Situation sein, denn die Chinesen litten ebenso unter der Situation wie die Tibeter.

Tibet ist seit 1951 eine Verwaltungseinheit der Volksrepublik China. Die Tibeter klagen über religiöse Unterdrückung, durch den Zuzug von Han-Chinesen fühlen sie sich in ihrer Heimat immer mehr verdrängt. Der Dalai Lama, das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, wirbt für eine größere Autonomie, strebt aber keine Unabhängigkeit an. Peking unterstellt dem Dalai Lama jedoch, Tibet von China abspalten zu wollen.

Auch über die Folgen der chinesischen Umweltpolitik und des Klimawandels sprechen Gere und Roth. Der Klimawandel bedrohe die Eis- und Gletschermassen im Hochland Tibets, das betreffe die internationale Gemeinschaft, sagt Gere. Doch China sei gut darin, Länder auszusondern und Allianzen bei diesen wichtigen Themen zu verbieten.

"Wir blicken nach Deutschland und suchen Inspiration"

Auch zum neuen US-Präsidenten Donald Trump äußert Gere sich indirekt. "Ich komme aus einem Land, das momentan sehr chaotisch ist", sagt der Schauspieler. "Wir blicken nach Deutschland und suchen nach Inspiration." Vor allem in der Flüchtlingspolitik beweise die Bundesregierung Mut.

Roth nennt Geres Besuch einen "Ausdruck der deutsch-amerikanischen Freundschaft". Er symbolisiere "unser Amerika und die Demokratie, die uns Amerika geschenkt hat."

Nach 20 Minuten vor der Presse ziehen sich Gere und Roth zum Gespräch zurück. Anschließend lädt Roth den "Pretty Woman"-Star noch zu einer Führung durch den Bundestag ein. Am Donnerstag trifft er Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der er ebenfalls über Tibet sprechen will. Dann startet auch die 67. Berlinale, wo Geres neuer Film "The Dinner" im Wettbewerb läuft.



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