Clint Eastwoods bizarrer Auftritt Ein Mann und ein Stuhl

Er unterhielt sich mit einem leeren Stuhl, warf Präsident Obama Haarsträubendes vor. Hollywood-Legende Clint Eastwood legte auf dem Parteitag der Republikaner eine seltsame Rede hin. "Unglaublich, armselig", lautet das Echo in Amerika. Auch Obama reagierte auf den Auftritt.


Tampa - Sein Auftritt war heiß ersehnt. Erst am Donnerstag war bekanntgegeben worden, dass Hollywood-Legende Clint Eastwood auf dem Parteitag der Republikaner sprechen würde - er war also der erwartete Überraschungsgast, über dessen Identität lange gemunkelt worden war.

Als Eastwood dann eine halbe Stunde vor der Rede Mitt Romneys zu den Klängen seines Uralt-Western-Dramas "Zwei glorreiche Halunken" die Bühne in Tampa betrat, gab es donnernden Applaus. Der 82-Jährige sagte knapp: "Spart euch was für Mitt auf."

Doch dann war die Coolness plötzlich verflogen. Eastwood sprach ohne Skript oder Teleprompter - was offenbar auch erfahrene Schauspieler vor Probleme stellen kann. Er verhedderte sich mehrmals, sprang von einem Thema zum anderen.

Sein Auftritt gipfelte in einer bizarren Performance mit einem leeren Stuhl. Dort sollte ein unsichtbarer Präsident Barack Obama sitzen, mit dem sich Eastwood dann unterhielt. "Was soll ich sagen?", sagte Eastwood zum leeren Stuhl. Irgendwann sagte er dem Stuhl: "Ich werde nicht den Mund halten, jetzt bin ich dran."

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Republikaner-Parteitag: Die seltsame Rede des Clint Eastwood
Während er immer wieder auf den leeren Stuhl blickte, warf der mehrfache Oscar-Gewinner Obama unter anderem dessen Plan vor, das Gefangenenlager Guantanamo schließen zu wollen, was der Präsident ja bis heute nicht gemacht hat. Dann ging es um die Wirtschaft, dann um den Krieg. "Du dachtest, der Krieg in Afghanistan wäre in Ordnung", sagte Eastwood zum Stuhl. "Aber wir haben nicht überprüft, was die Russen dort zehn Jahre gemacht haben."

Dann rügte er Obama dafür, dass dieser als Umweltfreund mit dem Flugzeug durchs Land fliege. So ging es immer weiter, Eastwood hüpfte von Thema zu Thema, ohne allerdings ein Argument nur halbwegs schlüssig zu Ende zu führen.

"Clint kommt traurig und armselig rüber"

Die Republikaner störte das freilich nicht. Immer wieder brandete Applaus und lauter Jubel auf. Doch draußen, außerhalb der Republikaner-Blase in Tampa, sorgte Eastwoods Auftritt für ungläubiges Kopfschütteln. Immerhin sprach dort eine der größten Hollywood-Legenden, die auch bei Demokraten hoch geschätzt wird. "Mein Held Clint kommt traurig und armselig rüber", twitterte etwa Filmkritiker Roger Ebert. "Das hätte er nicht zu tun brauchen."

Das Wahlkampfteam Obamas reagierte umgehend. "Was zum Teufel ist DAS bitte?", twitterte der Chefstratege Obamas, David Axelrod. Auch der Präsident twitterte selbst: "Dieser Stuhl ist besetzt" - mit einem Foto von sich auf einem Sessel im Weißen Haus.

Das Romney-Team verteidigte Eastwood. "Er ist eine amerikanische Ikone", sagte Romney-Sprecherin Gail Gitcho im US-Fernsehsender CNN. Man könne ihn nicht aus demselben Blickwinkel betrachten wie einen Politiker.

In einem der wenigen klaren Momente sagte Eastwood, seine Bilanz zu dreieinhalb Jahren Obama-Regierung sei diese: "Wenn jemand seinen Job nicht erledigt, müssen wir ihn rauswerfen." Er rief den Delegierten ebenfalls zu: "Dieses Land gehört uns!" Da gab es Standing Ovations und "USA! USA!"-Rufe. Auf solche Passagen hatte das Wahlkampfteam Romneys wohl gesetzt. Doch sie blieben die Ausnahme in Eastwoods wirrem Monolog.

Im US-Fernsehen wurde in der Nacht mehr über den seltsamen Auftritt der Hollywood-Legende gesprochen als über Romneys Rede. "Clint Eastwood ist verrückt", twitterte Comedian Roseanne Barr. Wenige Minuten nach dem Ende von Eastwoods Rede gab es auf Twitter einen Account mit dem Namen InvisibleObama, der bereits nach kurzer Zeit 30.000 Follower hatte. Ein Gast der Kansas-Delegation auf dem Parteitag der Republikaner war sichtlich begeistert vom Auftritt Eastwoods: Der Schauspieler sei "lustig und charmant" gewesen, sagte Charlie Tetrick. Einige Prominente machten sich bereits nicht ganz ernst gemeinte Gedanken darüber, wie das Obama-Team auf den Auftritt Eastwoods reagieren könne: Schauspieler George Takei sagte, er werde für den Parteitag der Demokraten eine Rede an einen imaginären Romney in einer leeren Fabrik formulieren. Schauspieler Seth Myers hatte eine ganz andere Idee: Vizepräsident Joe Biden müsse "ohne Hemd" auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten erscheinen, um Eastwood "zu toppen".

In seiner Kritik an Obama, der auch als Anwalt gearbeitet hatte, sagte Eastwood während seines Monologs als Pointe noch: "Ich dachte immer, es ist keine gute Idee, dass Anwälte Präsidenten werden." Dass auch Mitt Romney einen Jura-Abschluss hat, hatte Eastwood wohl niemand gesagt.

fab/Reuters

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insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
tuobob 31.08.2012
1. Homer Simpson hätte die Rede gefallen.
Und für die Homer Simpsons unter dem Wahlvolk war sie ja auch gedacht. Und vom leeren Stuhl mal abgesehen, kann ich mich auch an reichlich konfuse Auftritte von CSU Größen erinnern.
pikup 31.08.2012
2. Wenn man so etwas liest,
bekommt der Name "Dirty Harry" Sinn.
pete1812 31.08.2012
3. Abgehalftert
Schade, dass sich ein so erfahrener Mensch für so etwas hergibt und sich dann auch noch der Lächerlichkeit preisgibt. Das hat er nicht verdient. Aber Alter schützt eben nicht vor Torheit.
udlinger 31.08.2012
4. ...nun ja.
...Schuster, bleib bei Deinen Leisten.
iwbas 31.08.2012
5. schade,
dass er sich für diesen mist hergibt...er bleibt trotzdem einer der größten filmemacher ever.
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