Clinton und Obama Hillary soll die Wechselwähler mitbringen

Barack Obama wird Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Ob er jedoch das Rennen gegen McCain gewinnen kann, wird ausgerechnet seine Konkurrentin entscheiden. Denn die Wechselwähler in den unberechenbaren Swing States lieben Hillary Clinton. Die Hilfe der Rivalin hat ihren Preis.

Von Peter Ross Range


Washington - Was wir alle schon länger ahnen, ist jetzt Gewissheit: Barack Obama wird der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten. Gleichzeitig ist uns ebenfalls klar, dass seine mittlerweile chancenlose Konkurrentin Hillary Clinton das Wahlergebnis bestimmen wird.

Demokratin Clinton: Obamas Sieg in ihrer Hand
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Demokratin Clinton: Obamas Sieg in ihrer Hand

Die Rechnung ist einfach: Obama hat das Rennen um die Kandidatur gewonnen - dank seines Stimmenvorsprungs bei den Delegierten und Superdelegierten. Er wird seinen Sieg verkünden - und zwar unabhängig davon, ob Clinton ihren Ausstieg erklärt.

Die Sache hat nur einen Haken: Obama mag sich zwar beim Rennen um die Kandidatur durchgesetzt haben, aber er kann die Präsidentschaftwahl im November nicht ohne Clinton gewinnen. Denn aus eigener Kraft wird er kaum in der Lage sein, die kritischen Swing States zu erobern - also die Bundesstaaten, in denen traditionell keine klare Mehrheit zu erwarten ist. Florida, Ohio, Pennsylvania, Michigan oder New Hampshire: Obama braucht einen Erfolg in diesen Staaten, um den Republikaner John McCain zu schlagen.

In den Swing States kommt es auf die Arbeiterschaft an

Zur Erinnerung: In den USA entscheidet nicht das Volk direkt über den Präsidenten, sondern die von den Bundesstaaten gestellten Wahlmänner. Wie viele Delegierte ein Staat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Siegt ein Kandidat in einem Bundesstaat, bekommt er auf einen Schlag alle Wahlleute zugeschrieben - auch wenn der Vorsprung hauchdünn ist.

Sollte beispielsweise McCain in Florida mit 51 zu 49 Prozent gegen Obama gewinnen, würden alle 27 Wahlmänner des Bundesstaats auf sein Wahlkonto gehen - inklusive die von Obama eroberten Stimmen.

Tatsächlich ist der Ausgang der Präsidentschaftswahl in 36 Bundesstaaten von vornherein klar. Kalifornien und New York zum Beispiel wählen mit ziemlicher Sicherheit demokratisch; die eher konservativen Staaten im Süden, wie Texas und North Carolina, stimmen traditionell für die Republikaner. In den übrigen 14 Bundesstaaten hingegen ist das Ergebnis offen. Und weil keine der Parteien hier eine verlässliche Mehrheit hat, wird der Wahlkampf in diesen Staaten besonders heftig geführt.

Ausgerechnet diese Bundesstaaten hatte Hillary Clinton in den Vorwahlen mühelos erobert.

Die Swing States sind geprägt von der vielzitierten "weißen Arbeiterklasse": Meistens Wechselwähler ohne klare Präferenz für eine Partei, mit einem unberechenbaren Abstimmungsverhalten. Viele dieser Wähler dürften vom Republikaner McCain überzeugt sein - dank seiner verlässlichen konservativen Positionen und seinem populären Patriotismus.

Aber auch Clinton kann in dieser Zielgruppe kräftig punkten. Bereits Ehemann Bill gewann bei den Präsidentschaftswahlen von 1992 and 1996 die meisten Stimmen in der "white working class". Seine Frau hat während des Vorwahlkampfs bewiesen, dass auch sie diese Menschen erreichen kann - während der Wahlkampftouren feierten sie Clinton als ihre Lieblingskandidatin.

Klar ist, dass Obama ohne die Unterstützung dieser wichtigen Gruppe nicht ins Weiße Haus kommt. Während sein Image als "Popstar der Politik" und seine mitreißende öffentliche Wirkung die jungen und gut gebildeten Amerikaner mobilisiert, kann er damit allein nicht die Hillary-Anhänger in den Swing States auf seine Seite ziehen.

Die weißen Arbeiter können sich kaum mit Obama identifizieren: Er scheint zu wortgewandt, zu intellektuell, zu charmant - und er ist schwarz. Er kauft Lebensmittel im Whole Foods Market, dem US-Supermarkt der oberen Preisklasse - und nicht im Safeway-Discounter, wie die meisten Amerikaner. Der durchschnittliche amerikanische Arbeiter fühlt sich von Obamas Kernbotschaften nicht angesprochen, seine Reden scheinen abgehoben und alltagsfern.

Obamas Predigten vom Wandel erreichen nicht den Alltag eines Arbeiters, der sich handfeste Lösungen zu Jobfragen und Krankenversicherung, Recht und Ordnung wünscht.



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