Clinton-Visite: Nordkorea lässt US-Journalistinnen frei

Die Visite war heikel, doch sie brachte den erhofften Erfolg: Bill Clinton hat bei seinem Überraschungsbesuch in Nordkorea die Freilassung der inhaftierten US-Journalistinnen Ling und Lee erreicht. Nordkoreas Diktator Kim Jong Il sprach eine "Sonderbegnadigung" aus.

Tokio/Seoul/Washington - Staatschef Kim Jong Il habe die Freilassung der US-Bürgerinnen Laura Ling und Euna Lee angeordnet, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Abend. Damit endet der umstrittene Besuch des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in Nordkorea mit einem Vermittlungserfolg. Als erster hochrangiger US-Politiker seit neun Jahren war Clinton mit Kim zusammengetroffen.

Der Ex-Präsident soll bereits mit Ling und Lee gesprochen haben. Die Zusammenkunft in Pjöngjang sei "sehr emotional" verlaufen, berichtete der US-Sender ABC unter Berufung auf ein Mitglied der Delegation Clintons. Der Ex-Präsident hoffe, dass die beiden Amerikanerinnen bereits am Mittwoch in die USA zurückkehren könnten.

Die Journalistinnen waren Mitte März nahe der chinesisch-nordkoreanischen Grenze festgenommen worden, als sie über nordkoreanische Flüchtlinge berichteten. Sie wurden wegen "schweren Verbrechens gegen die koreanische Nation und illegalen Grenzübertritts" zu jeweils zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Ling und Lee waren für "Current TV" im Einsatz, ein Fernsehangebot, das von Clintons ehemaligem Vizepräsidenten Al Gore mitgegründet wurde.

Nordkorea hatte Clinton mit allem Pomp wie einen Staatsgast empfangen. Nach offizieller US-Sprachregelung war er allerdings nur zu einer "Privatreise" in den stalinistisch regierten Staat gereist. Das Weiße Haus ließ Berichte dementieren, wonach Clinton Kim eine Botschaft Barack Obamas übermittelt habe.

Die von US-Seite dementierte Darstellung nordkoreanischer Nachrichtenagenturen lautet folgendermaßen: Clinton habe "höflich" eine mündliche Mitteilung Obamas übermittelt. Kim habe sich dafür bedankt. Bei dem Gespräch habe es einen "weitreichenden Meinungsaustausch" gegeben.

Bei der Ankunft auf dem Flughafen von Pjöngjang wurde Clinton von Vizeaußenminister Kim Kye Gwan und einem ranghohen Vertreter des Parlaments begrüßt. Sogar Blumen gab es für den Gast aus Washington. Ein Mädchen überreichte dem lächelnden Besucher einen Strauß, wie Aufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN vom Flughafen zeigen. Clinton ist in Nordkorea in guter Erinnerung, da das Verhältnis zu den USA in seiner Regierungszeit vergleichsweise entspannt war.

Der ungewöhnlich warme Empfang kam in einer Zeit zunehmender Spannungen zwischen beiden Staaten, da das kommunistische Nordkorea seine Atom- und Raketenrüstung forciert. Kim Kye Gwan ist auch Chefunterhändler im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft.

Der letzte hochrangige Gast aus Washington, der mit Kim zusammentraf, war im Jahr 2000 die damalige Außenministerin Madeleine Albright. 2001 begann mit dem Amtsantritt von George W. Bush im Weißen Haus die bis jetzt andauernde Eiszeit. Die USA und Nordkorea unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Viele Experten gehen davon aus, dass Nordkorea die inhaftierten Journalistinnen missbrauchen wollte, um von den USA Zugeständnisse im Streit über sein Atomprogramm zu erzwingen. Andere vermuteten, dass der Besuch Clintons den Dialog neu beleben sollte. "Es besteht die Möglichkeit einer drastischen Wende Nordkoreas, die zu einer neuen Phase der Verhandlungen führen könnte", sagte Yun Duk Min vom Institut für Außenpolitik und Nationale Sicherheit in Seoul.

Nordkorea hat die Weltgemeinschaft in den vergangenen Monaten mit einem Atom- und mehreren Raketentests gegen sich aufgebracht und den Verhandlungen über sein Atomprogramm den Rücken gekehrt.

Clintons Besuch fällt mit zunehmenden Spekulationen über einen Führungswechsel in Nordkorea zusammen. Der als schwer krank geltende Kim Jong Il soll danach seinen dritten Sohn als Nachfolger auserkoren haben.

Nordkoreas Atomprogramm
Klicken Sie auf die Stichworte für Details
Nach dem Amtsantritt Obamas hat Nordkorea verstärkt sein Interesse an direkten Verhandlungen mit den USA bekundet. Das Verhältnis wurde aber durch die jüngsten Atom- und Raketentests belastet. Clintons Frau, US-Außenministerin Hillary Clinton, verglich das Regime in Pjöngjang unlängst mit einem "kleinen Kind", das auf sich aufmerksam machen wolle. Daraufhin erklärte das nordkoreanische Außenministerium, die Ministerin sei eine "komische Dame", die die elementaren Etikette der internationalen Gemeinschaft nicht kenne. Manchmal wirke sie "wie ein kleines Schuldmädchen".

itz/hen/Reuters/AP/dpa-AFX/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 261 Beiträge
Gandhi 04.08.2009
zwei dumme Frauen loszueisen, dann ist auch ein Auftauen des Frostes moeglich. Von Annaeherung moechte ich nicht sprechen.
zwei dumme Frauen loszueisen, dann ist auch ein Auftauen des Frostes moeglich. Von Annaeherung moechte ich nicht sprechen.
mbberlin 04.08.2009
Natürlich. Annäherung ist mit jedem möglich. Man muss es einfach nur wollen und dann auch auf Augenhöhe tun.
Zitat von sysopIst eine Annäherung zwischen den USA und Nordkorea möglich?
Natürlich. Annäherung ist mit jedem möglich. Man muss es einfach nur wollen und dann auch auf Augenhöhe tun.
gunman 04.08.2009
Was ist daran dumm, über N-Korea kritisch zu berichten? Clinton ist ein toller Politiker, ohne dessen Präsidentschaft die USA heute noch weit aus tiefer in der Tinte säßen! Gute Nacht zu diesem Thema.
Zitat von Gandhizwei dumme Frauen loszueisen, dann ist auch ein Auftauen des Frostes moeglich. Von Annaeherung moechte ich nicht sprechen.
Was ist daran dumm, über N-Korea kritisch zu berichten? Clinton ist ein toller Politiker, ohne dessen Präsidentschaft die USA heute noch weit aus tiefer in der Tinte säßen! Gute Nacht zu diesem Thema.
dasky 04.08.2009
---Zitatende--- Warum nicht? Vielleicht hat es eine überqualifizierte (http://www.youtube.com/watch?v=3Fc3xUaImDQ) Annäherung gegeben...
Zitat von dasky...muss ein nordkoreanischer Fotoapparat (http://www.spiegel.de/img/0,1020,1615276,00.jpg) gewesen sein. Schade um den sonst so scharfen Clinton..... ---Zitat von dasky--- ...sind schärfer (http://www.spiegel.de/img/0,1020,1614052,00.jpg) geworden, Bill sei Dank....
---Zitatende--- Warum nicht? Vielleicht hat es eine überqualifizierte (http://www.youtube.com/watch?v=3Fc3xUaImDQ) Annäherung gegeben...
almabu 04.08.2009
auf dem Rückflug stattfinden, wenn man Bill zu den beiden Frauen in die Maschine setzt;-))
Zitat von Gandhizwei dumme Frauen loszueisen, dann ist auch ein Auftauen des Frostes moeglich. Von Annaeherung moechte ich nicht sprechen.
auf dem Rückflug stattfinden, wenn man Bill zu den beiden Frauen in die Maschine setzt;-))
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Atomkonflikt mit Nordkorea

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Dienstag, 04.08.2009 – 21:14 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback






TOP



TOP