Cohn-Bendit über das Krisenmanagement: "Sonst ist alles futsch, tschüs Euro"

Erst im letzten Moment haben die Euro-Staaten Griechenland mit Milliarden gerettet. Ein Debakel, wettert Daniel Cohn-Bendit im SPIEGEL-ONLINE-Interview - und warnt Merkel, Sarkozy und Co. vor "ökonomischem Nationalismus". Sonst sei der gesamte Euro-Raum in akuter Gefahr.

EZB-Zentrale in Frankfurt: "Wäre Europa gleich eingestiegen, wäre alles billiger gewesen" Zur Großansicht
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EZB-Zentrale in Frankfurt: "Wäre Europa gleich eingestiegen, wäre alles billiger gewesen"

SPIEGEL ONLINE: Proteste, Krawalle, Verletzte, sogar Tote - verstehen Sie, was in Athen passiert?

Cohn-Bendit: Ich verstehe die Verunsicherung der Menschen in Griechenland. Ich verstehe, dass sie den Film, der über sie hinweg läuft, nicht begreifen. Dass bei den Demonstrationen auch Leute mit Molotowcocktails auftauchen und Gewalt säen, ist bedauerlich, aber das gab es und gibt es immer wieder. Die mischen sich unter die Demonstranten und richten oft, wie jetzt in Athen, furchtbare Dinge an. Aber das darf uns doch nicht daran hindern, berechtigte Fragen zu stellen. Zum Beispiel danach, ob die Regierungen, die den Griechen jetzt das knallharte Sparprogramm aufzwingen, überhaupt wissen, was sie damit von den Menschen dort verlangen.

SPIEGEL ONLINE: Mit Verlaub, Monsieur Cohn-Bendit, Europa hat sich immerhin bereit erklärt, den hochverschuldeten Griechen zu helfen. Das heißt, deutsche, französische, italienische Steuerzahler gehen für die Griechen ins Risiko - und die demonstrieren dagegen. Schon seltsam, oder?

Cohn-Bendit: Klar. Aber man muss das im Zusammenhang sehen. Die EU-Partner Griechenlands haben sich lange gewehrt zu helfen. Sie haben gesagt, "Griechenland braucht nichts", "das geht schon wieder". Die haben am Anfang den Ernst der Lage nicht erkannt, haben mit Griechenland gespielt und dadurch den richtigen Zeitpunkt verpasst. Wäre Europa gleich richtig eingestiegen, wäre alles einfacher und billiger gewesen. Richtig ist, dass jetzt verschiedene europäische Länder ins Risiko gehen. Richtig ist, dass sich in Griechenland viel verändern muss. Und Papandreou, der griechische Ministerpräsident, zeigt ja viel Mumm, das Land zu verändern. Die Frage ist, gibt man ihm die Zeit, dafür einen Konsens herzustellen? Reformen, an die sich in Deutschland oder in Frankreich seit Jahren keiner heranwagt, weil ihre Durchsetzung unendlich schwierig ist, sollen die Griechen jetzt in drei Monaten umsetzen. So geht das nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie sollte es statt dessen gehen?

Cohn-Bendit: Wir müssten nicht nur die Finanzabteilungen der internationalen Organisationen mit dem Griechenland-Programm befassen, sondern auch deren Abteilungen für Beschäftigung. Es geht um Menschen, auf die muss man Rücksicht nehmen.

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SPIEGEL ONLINE: Nehmen die deutsche Kanzlerin und ihre EU-Kollegen zu wenig Rücksicht?

Cohn-Bendit: Ja, vor allem aus Unkenntnis und Unfähigkeit. Wenn diese Merkels, Sarkozys und wie die alle heißen, selber genau wüssten, was man machen muss, würden die doch in ihren Ländern ganz anders handeln. Dann sähe es da viel besser aus. Aber die sind auch alle hoch verschuldet und schieben notwendige Reformen seit Jahren vor sich her. Aber den Griechen sagen sie hochherrschaftlich: Ihr müsst dies tun und jenes. Das ärgert mich, das ist kolonialistisches Gehabe!

SPIEGEL ONLINE: Aber keiner muss so sehr und so dringend sparen wie die Griechen, die sind nämlich pleite. Und sie leisten sich noch immer teuren Luxus, eine Riesenarmee, modernste milliardenverschlingende Waffentechnik, zum Beispiel.

Cohn-Bendit: Das ist auch so eine Sache, die ich zum Kotzen finde. Wir sagen, die Griechen sollen sparen, aber sowohl die französische wie die deutsche Regierung fordern, dass die Verträge mit der Vorgängerregierung über Waffenkäufe nicht angetastet werden. Die Franzosen haben denen Fregatten für zweieinhalb Milliarden Euro verkauft, dazu Helikopter und Flugzeuge. Die Deutschen haben U-Boote im Wert von einer Milliarde in Griechenland abgesetzt. In den letzten drei Monaten sind Rüstungsgüter für mehrere Milliarden Euro an Griechenland verkauft worden.

SPIEGEL ONLINE: Die Regierung in Athen könnte doch sagen, "sorry, wir haben kein Geld mehr dafür". Wer hätte sie denn daran hindern können?

Cohn-Bendit: Die griechische Regierung hat gebeten, die Rüstungskäufe zu verschieben, zu strecken. Und da haben die deutsche Bundeskanzlerin und der französische Präsident gesagt: Nein!

SPIEGEL ONLINE: Das wissen Sie?

Cohn-Bendit: Ja, das weiß ich. Die haben Papandreou knallhart gesagt: Du bekommst Hilfe, ja, aber die Verträge über die militärischen Beschaffungen müssen eingehalten werden. Das geht voll in die falsche Richtung.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch andere Kreativ-Vorschläge?

Cohn-Bendit: Aber ja. Ich habe schon vor drei Monaten gesagt: Merkel, Sarkozy, Barroso, ruft Griechen, Türken und Zyprer an einen Tisch. Es ist Zeit für eine Friedensinitiative im östlichen Mittelmeer. Das kleine Griechenland mit 11 Millionen Einwohnern hat 150.000 Soldaten unter Waffen, das ist doch Wahnsinn - Deutschland hat etwa 220.000 Soldaten, glaube ich, bei 80 Millionen Einwohnern. Wenn man das Thema richtig angeht, könnten die Griechen ihren Verteidigungshaushalt um zwei Drittel reduzieren. Aber dazu steht in dem vom Internationalen Währungsfonds und der EU diktierten Milliarden-Sparprogramm kein Wort. Die Merkels und Sarkozys sagen den Griechen: Ihr müsst die Renten kappen, die Löhne senken - aber sie sagen nicht, runter mit den Rüstungsausgaben. Warum? Weil sie, das ist mein Eindruck, immer noch Geld machen wollen auf dem Rücken der Griechen. Wir verdienen doch sogar an den Krediten, die wir ihnen jetzt geben. Wir nehmen billiges Geld auf und reichen es teuer weiter.

SPIEGEL ONLINE: Es hat sich den Griechen doch keiner aufgedrängt. Die bitten um Hilfe, weil sie nicht mehr weiter wissen.

Cohn-Bendit: Und dann nutzen wir die Notlage aus? Was ist das für ein Europa? Sind wir keine Solidargemeinschaft?

SPIEGEL ONLINE: Diese Solidargemeinschaft bekommt womöglich noch eine Menge zu tragen. Schon zeichnet sich ab, dass nach Griechenland auch Portugal und Spanien Finanzierungsprobleme bekommen. Da wird den Menschen, die die Lasten am Ende tragen müssen, angst und bange.

Cohn-Bendit: Dann sage ich, anstatt so einen Quatsch zu erzählen wie Frau Merkel - "wir schmeißen die Griechen raus aus der Euro-Zone", was ja faktisch gar nicht geht, es ist ja blanker Unsinn, dergleichen zu verbreiten - wäre es sinnvoller, einen Europäischen Währungsfonds zu gründen. Dann mobilisieren wir Gelder für diesen Fonds. Es gibt Millionen von Menschen, die ihre Ersparnisse, ihre Lebensversicherungen sicher anlegen wollen. Denen bieten wir eine europäische Anleihe mit dreieinhalb bis vier Prozent Rendite. Das ist viel mehr als man auf dem Markt bekommt und viel sicherer als die Anleihen einzelner Staaten. Und mit diesem Geld bekämpfen wir die Spekulation. Wir zwingen die sogenannten "Märkte", von der Spekulation zur ökonomischen Rationalität zurück zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Warum sollte sich ein deutscher Finanzminister darauf einlassen? Er bekommt heute am Markt Geld viel billiger.

Cohn-Bendit: Weil dieser "ökonomische Nationalismus" kurzsichtig ist. Wenn wir so weiter machen, ist irgendwann alles futsch, tschüs Euro. Das müssen alle endlich mal begreifen - und zwar schnell. Wir dürfen nicht zurückfallen in die Eigenbrötlerei der Nationalstaaten, wir müssen mehr Europa schaffen. Das ist unsere Chance im 21. Jahrhundert. Sonst bestehen wir die Auseinandersetzung mit den Chinesen, den Brasilianern, den Indern nicht.

Das Interview führte Hans-Jürgen Schlamp

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1. ach, Dany!
medienquadrat 07.05.2010
...wenn wir Dich nicht hätten! Meldest Dich auch zu jedem Thema, egal, ob Du was davon verstehst. Werden Ameisen fußkrank, kommt garantiert eine Stellungnahme von Dir, dass die Pharmaindustrie jahrelang gepennt hat. Wird ein neuer Stern entdeckt, warst Du es, der längst dort gewesen ist. Nicht einmal Helmut Schmidt kann Dir das Wasser reichen. Was wäre die Welt, ohne Deine garantierte Einmischung?! Dany, keine Sau weiß, was da mit dem Euro gerade abgeht, ob Griechenland "gerettet" ist, ob alles richtig ist, was getan oder gelassen wird. Niemand! Echt! Ist es zuviel verlangt, wenn Du wenigstens mal nicht Deinen Senf dazu gibst? Manchmal ist es einfach hilfreicher, die Klappe zu halten!
2. Daniel
adam68161 07.05.2010
Selten dümmeres Zeug gelesen. Hat den wirklich jemand ins EU-Parlament gewählt? Was hat er denn dort bisher geleistet?
3. Die Gute Alte DM
isardor 07.05.2010
Hmm, wenn wir dann die DM zurückkriegen, wird dann wieder alles billiger?
4. Träum weiter
Klartext007 07.05.2010
@..."wäre es sinnvoller, einen Europäischen Währungsfonds zu gründen. Dann mobilisieren wir Gelder für diesen Fonds. Es gibt Millionen von Menschen, die ihre Ersparnisse, ihre Lebensversicherungen sicher anlegen wollen. Denen bieten wir eine europäische Anleihe mit dreieinhalb bis vier Prozent Rendite. Das ist viel mehr als man auf dem Markt bekommt und viel sicherer als die Anleihen einzelner Staaten. Und mit diesem Geld bekämpfen wir die Spekulation. Wir zwingen die so genannten "Märkte", von der Spekulation zur ökonomischen Rationalität zurück zu finden." Ha Ha, wirklich witzig. Wir legen unser Geld in Europäische Anleihen an. Die sind dann garantiert sicher. Dann werden die weltweiten Spekulanten besiegt. Und alle Nehmerstaaten werden aus dem Bankrott gerettet. Cohn-Bendit träum weiter. Als Mitglied des Europaparlaments ist er bestimmt der derzeit kompetenteste Ratgeber.
5. Geistiger Möwenpig
Baikal 07.05.2010
Zitat von medienquadratIst es zuviel verlangt, wenn Du wenigstens mal nicht Deinen Senf dazu gibst? Manchmal ist es einfach hilfreicher, die Klappe zu halten!
Aber das ist doch seine einzige Währung, blöken und quaken, sonst kann er doch nichts - genau wie sein Mitopportunist Joseph Fischer und der Rest der grünen Blase.
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  • Freitag, 07.05.2010 – 16:31 Uhr
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Zur Person
DPA
Daniel Cohn-Bendit

Der 1945 in Südfrankreich geborene Deutsche war einer der Studentenführer während der Pariser Mai-Unruhen 1968. In den siebziger Jahren engagierte er sich in der Frankfurter Sponti-Szene. 1984 wurde er Mitglied der Grünen und ist seitdem einer der prominentesten Vertreter der sogenannten Realos. 1994 zog er erstmals ins Europaparlament ein, seit 2002 ist er Fraktionschef der Grünen. Mehr auf der Themenseite...


Rettungspaket für Griechenland
Volumen
AFP
Griechenland erhält bis 2012 Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Im ersten Jahr werden alle Euro-Länder bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen.
Die Kosten für die Euro-Länder
dpa
Den größten Anteil bei der Griechenland-Hilfe der Euro-Staaten steuert Deutschland bei: Mit rund 22,4 Milliarden Euro über drei Jahre trägt die Bundesrepublik etwa 28 Prozent des Gesamtpakets. Allein 2010 entfallen auf Deutschland 8,4 Milliarden Euro. Die deutschen Kredithilfen sollen von der Staatsbank KfW fließen. Die zweitgrößte Summe zahlt Frankreich mit knapp 17 Milliarden Euro, danach folgt Italien mit 14,7 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will vom gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, das wären damit bis zu 15 Milliarden Euro.

Wo das Geld für Griechenland herkommt
Internationaler Währungsfonds 30 Milliarden Euro
Deutschland 22,3 Milliarden Euro
Frankreich 16,8 Milliarden Euro
Italien 14,7 Milliarden Euro
Spanien* 9,8 Milliarden Euro
Niederlande 4,7 Milliarden Euro
Belgien 2,9 Milliarden Euro
Österreich 2,3 Milliarden Euro
Portugal 2,1 Milliarden Euro
Finnland* 1,5 Milliarden Euro
Irland 1,3 Milliarden Euro
Slowakei* 0,8 Milliarden Euro
Slowenien* 0,4 Milliarden Euro
Luxemburg 0,2 Milliarden Euro
Zypern 0,2 Milliarden Euro
Malta 0,1 Milliarden Euro
* In diesen Staaten steht die Zustimmung des Zustimmung des Parlaments noch aus.
Zinshöhe
dpa
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche, länger laufende Anleihen würde der Euribor (Zinssatz, den europäische Banken voneinander beim Handel von Termineinlagen verlangen) auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet.

Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.

Sparauflagen
AP
Griechenland muss nach Angaben seines Finanzministeriums 30 Milliarden Euro sparen, um die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Länder für die Kredithilfen zu erfüllen. Das Sparprogramm der Regierung in Athen umfasst Gehaltskürzungen für Staatsbedienstete, einen Einstellungsstopp im staatlichen Sektor auf unbestimmte Zeit, Rentenkürzungen und Steuererhöhungen.
Bedingungen und Risiken
Die Auszahlung der Hilfen ist an die Einhaltung der Sparmaßnahmen geknüpft, die zwischen Internationalem Währungsfonds (IWF), Euro-Gruppe, Europäischer Zentralbank (EZB) und der Regierung in Athen vereinbart wurden. Der IWF kontrolliert vierteljährlich. Die Gefahr einer Staatspleite ist für Griechenland noch nicht völlig gebannt. Gelingt es der dortigen Regierung nicht, ihr Sparprogramm durchzusetzen, gerät die Geschäftsgrundlage für das Rettungspaket in Gefahr. Verläuft die griechische Wirtschafts- und Haushaltsentwicklung schlechter als angenommen, entsteht zudem neuer Hilfebedarf.
Risiken für den deutschen Steuerzahler
dpa
Die deutschen Kredite werden vom Bund garantiert - der übernimmt also das Ausfallrisiko. Werden die Kredite von Griechenland plangemäß zurückgezahlt, könnte Deutschland sogar an den Zinsen verdienen. Denn die Staatsbank KfW kann Kredite zu niedrigeren Zinssätzen aufnehmen und verleiht das Geld dann zu erhöhten Sätzen an Athen. Erst nach drei Jahren dürfte klar sein, ob Griechenland das Geld zurückzahlen kann - falls nicht, muss der deutsche Steuerzahler einspringen.

Das griechische Sparprogramm
Wie viel Griechenland sparen möchte
AP
Bis 2013 möchte die Regierung in Athen insgesamt 30 Milliarden Euro einsparen. Alleine in diesem und im kommenden Jahr will das Land insgesamt 7,6 Milliarden Euro weniger ausgeben. Das Sparpaket ist Bedingung für die Bereitstellung der Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro.

Das Haushaltsdefizit soll schrittweise von derzeit rund 15,4 Prozent auf 2,6 Prozent des BIP im Jahr 2014 gedrosselt werden - und damit unter die EU-Schuldengrenze. Wegen der erforderlichen Neuaufnahme von Krediten wird der griechische Schuldenberg aber voraussichtlich bis zunächst 2013 auf rund 190 Prozent des BIP ansteigen.

Folgen für den Staat und seine Bediensteten
Die öffentlichen Investitionen werden um 1,5 Milliarden Euro zurückgefahren. Die Verkleinerung des Staatsapparats soll eine weitere Milliarde Euro einsparen. Das 13. und 14. Monatsgehalt für Staatsbedienstete ist gestrichen worden, wobei niedrige Gehaltsgruppen einen Ausgleich in Höhe von jährlich 1000 Euro erhalten.

Zudem soll im öffentlichen Dienst nur jede fünfte Stelle, die frei wird, neu besetzt werden. Spätestens im Herbst 2011 sind darüber hinaus weitere Stellenstreichungen geplant.

Folgen für Rentner
AFP
Die höchsten Pensionen sind gekürzt worden, zudem erhalten Pensionäre weniger Urlaubs-, Weihnachts- und Ostergeld. Das Renteneintrittsalter ist erhöht worden: 40 Jahre lang müssen Arbeitnehmer künftig Beiträge einzahlen, um die volle Rente zu erhalten.
Steuererhöhungen
Griechenland hat die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent erhöht. Auch die Steuern auf Alkohol, Tabak und Benzin sind gestiegen. Die Regierung erhebt zudem eine Ökosteuer, auch Glücksspiele und Unternehmensgewinne werden besteuert. Für illegale Bauvorhaben ist eine Strafsteuer fällig. Insgesamt sollen die Erhöhungen in den kommenden zwei Jahren 7,8 Milliarden Euro in die Kassen spülen.
Folgen für die griechische Wirtschaft
REUTERS
Durch die radikalen Einsparungen rechnet das griechische Finanzministerium zunächst mit einem Verlust der Kaufkraft und damit mit einem Rückschlag für die Wirtschaft. Prognosen sagen in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent voraus, 2011 soll das BIP demnach um weitere 3,0 Prozent schrumpfen. Erst für 2012 rechnen die Experten wieder mit einem leichten Wachstum.
Staatsanleihen
Wie die Märkte die Renditen bestimmen
DER SPIEGEL
1. Die Ausgabe der Anleihen
Ein Staat legt eine Anleihe zum Stückpreis von 1000 Euro auf – mit einem festen Zinssatz von 5 Prozent auf den Ausgabepreis. Ein Anleger erhält also jedes Jahr 50 Euro Zinsen.
2. Die Zinsen steigen
Das Vertrauen, dass der Staat seine Schulden zurückzahlt, schwindet. Anleger verkaufen die Anleihe, der Preis sinkt – beispielsweise auf 900 Euro. Ein Käufer erhält dennoch 50 Euro Zinsen – was aber, bezogen auf den Kaufpreis, einer laufenden Rendite von nun 5,6 Prozent entspricht. Dazu erhält der Anleger am Ende der Laufzeit ja 1000 Euro zurück, was die Rendite, nach einer komplizierten Formel, sogar noch weiter erhöht – bei einer Restlaufzeit von 3 Jahren beispielsweise auf 9 Prozent.
3. Der Staat muss mehr zahlen
Der Staat muss nun, wenn er neue Schulden macht, mindestens 9 Prozent bieten. Sonst würde es sich für Investoren lohnen, die alten (oder umlaufenden) Anleihen zu kaufen.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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