Commonwealth Games 200 Sportler beantragen Asyl in Australien

Den Wettkampf im Ausland zur Flucht nutzen - was nach der Nationalmannschaft der DDR klingt, geschah nun in Australien.

Gewichtheber bei den Commonwealth Games (Symbolbild)
REUTERS

Gewichtheber bei den Commonwealth Games (Symbolbild)


Gut einen Monat nach Abschluss der Commonwealth Games in Australien haben etwa 200 ausländische Sportler und Betreuer Asylanträge bei den Behörden des Landes eingereicht. Rund 190 Teilnehmer der Sportveranstaltung in Gold Coast hätten "Schutzvisa" beantragt, zehn bis 15 weitere hätten sich für andere Aufenthaltsgenehmigungen beworben, sagte Innenministeriums-Sprecherin Malisa Golightly vor dem Parlament in der australischen Hauptstadt Canberra.

Damit befinden sich mehr als 200 Teilnehmer der Spiele mit einem "rechtmäßigen Status" in dem Land, wie Golightly sagte. Sie könnten bis zur Entscheidung über ihre Anträge in Australien bleiben. Bis wann die Behörden die Verfahren abschließen, blieb zunächst offen.

Weitere Sportler verschwunden

Allerdings seien Dutzende weitere Sportler und Betreuer während der Commonwealth Games verschwunden. Einige wenige von ihnen tauchten nach dem Ablauf ihrer Visa für die Spiele vergangene Woche wieder auf und wollten Asyl beantragen, wie Flüchtlingsanwälte mitteilten.

Etwa 50 untergetauchte Teilnehmer hätten sich aber noch nicht bei den Behörden gemeldet oder sich um eine weitere Aufenthaltsgenehmigung bemüht, sagte Golightly. Sie könnten aber noch einen Asylantrag stellen.

Bereits 2006 ähnliche Fälle bei Commonwealth Games

Über die Herkunftsstaaten der Sportler und Funktionäre machte die Ministeriumssprecherin keine Angaben. Zuvor hatten Anwälte aber erklärt, dass sie Sportlern aus Kamerun, Uganda, Ruanda, Ghana und Sierra Leone helfen würden. Die Antragsteller müssen nun nachweisen, dass sie aufgrund von Religion, Rasse, Nationalität, sozialer Herkunft oder politischer Haltungen Verfolgung in ihren Heimatländern befürchten müssen.

Bereits im Zuge der Commonwealth Games 2006, die im australischen Melbourne stattfanden, hatten Mitglieder der Mannschaften aus Kamerun, Ghana, Nigeria, Sierra Leone und Bangladesch Asyl in Australien beantragt. Viele der Athleten erhielten damals Asyl in Australien, manche traten später bei Wettkämpfen für Australien an. So gewann der Gewichtheber Simplice Ribouem bei den Spielen in Melbourne 2006 Bronze für Kamerun und beantragte anschließend Asyl. 2010 gewann er bei den Commonwealth-Spielen in Neu-Delhi Gold für Australien.

ene/AFP/dpa

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