US-Senatshoffnung Cory Booker Demokraten setzen auf Obama light

Während Washington im Shutdown-Chaos versinkt, läuft in New Jersey ein ganz anderer Polit-Thriller: Per Nachwahl hofft der schwarze Demokraten-Star Cory Booker, in den US-Senat einzuziehen. Doch nicht alle trauen den Heldenstorys des Bürgermeisters von Newark.

AFP

Von , New York


Cory Bookers Wahlkampfendspurt war alles andere als angenehm. Erst starb am Donnerstag sein 76-jähriger Vater Cary. Und dann ließ das Team seines republikanischen Rivalen Steve Lonegan auch noch eine vulgäre, dumme Tirade los: Booker, zeterte Lonegan-Stratege Rick Shaftan, rede "wie ein Schwuler", wie einer, der "kein sexuelles Interesse" an Frauen habe.

Dabei hat Booker, der schwarze Bürgermeister der US-Krisenstadt Newark in New Jersey, als "eingefleischter Junggeselle" ansonsten nichts dagegen, immer wieder mal für schwul erklärt zu werden. Trotzdem haben ihn die jüngsten Ereignisse ziemlich mitgenommen: Er fühle sich gerade "extrem sensibel", sagte Booker der Polit-Website "Talking Points Memo". Und was Shaftan angehe, für den bete er.

Beten reicht nicht. Zumindest nicht, um eine Senatswahl zu gewinnen - erst recht eine potentiell so folgenschwere wie die, die an diesem Mittwoch außerplanmäßig in New Jersey stattfindet, dem skandal- und sturmgeplagten Nachbarstaat New Yorks.

Ungleiches Rennen im "Garden State"

Denn während der US-Kongress im Schulden- und Shutdown-Chaos versinkt, läuft gut 300 Kilometer nordöstlich ein weiterer Polit-Thriller, der auf den ersten Blick wenig damit zu tun hat, auf den zweiten Blick aber sehr viel: New Jerseys Sonderwahl wird entscheiden, ob die hauchdünne Senatsmehrheit der Demokraten in Washington hält - oder noch weiter schmilzt.

Will heißen: Ausgerechnet das als Affären- und Mafiastaat verlachte New Jersey bestimmt, ob Washington künftig noch verrückter wird - oder nicht. Die Demokraten setzen dabei auf ihren neuesten Hoffnungsträger Booker, 44: Hat der das Zeug für die nationale Bühne - wenn nicht gar für eine Präsidentschaftskandidatur 2016?

Die "special election" soll die Nachfolge für den Sitz des demokratischen Senators Frank Lautenberg regeln, der im Juni verstarb. Statt die Erbfrage auf nächstes Jahr zu vertagen, wenn sowieso gewählt wird, befahl der republikanische Gouverneur Chris Christie einen separaten Urnengang. Der kostet zwar zwölf Millionen Dollar extra - erspart Christie aber, dass ihm Booker in die Quere kommt, wenn er im November selbst zur Wiederwahl antritt, um danach ebenfalls das Weiße Haus anzupeilen.

Es ist ein ungleiches Rennen im "Garden State", der Auswärtigen weniger durch Gärten bekannt ist als durch Industriekloaken. Auf der einen Seite Booker, den die US-Medien zum strahlendsten Stern am Polithimmel verklärt haben. Auf der anderen Lonegan, 57, Ex-Bürgermeister eines Weilers namens Bogota (8187 Einwohner).

Die "Huffington Post" nannte Lonegan "New Jerseys große Peinlichkeit". Nicht ohne Grund: Hat er Newark doch als "schwarzes Loch" verhöhnt und die US-Gesundheitsreform mit dem denkwürdigen Satz verunglimpft: "Ich fände es schlimm, wenn du Krebs bekämst, aber das ist dann dein Problem, nicht meines."

Trotzdem: Im Schlussspurt hat Lonegan aufgeholt - auch weil Booker sich zu lange auf seinen Vorschusslorbeeren ausgeruht hat. Schon ist dessen Aura angekratzt: Booker, nörgelte die "New York Times", sei "ein besserer Vermarkter als Bürgermeister".

Die Massen aber liegen ihm zu Füßen. Gerade auf Twitter, wo Booker seine 1,4 Millionen Fans mit Aphorismen delektiert ("Wenn du schnell laufen willst, lauf allein; wenn du weit laufen willst, laufe gemeinsam") - und seine täglichen "Heldentaten" propagiert.

So rettete er mal eine Frau aus einem brennenden Haus, bewahrte einen Hund vor dem Erfrieren, jagte einen Räuber, vereitelte einen Drogendeal und bot Hurrikan-Opfern Unterschlupf. Und fast immer ist ein TV-Team dabei gewesen - alarmiert von Booker höchstselbst.

Ob Schneewehen, Stromausfälle oder Spritmangel: Wer in Newark Not leidet, muss den Bürgermeister nur antwittern. 2010 schaufelte Booker einem eingeschneiten Pensionär sogar eigenhändig die Einfahrt frei.

Auf Twitter ist die Wahl entschieden

Er hilft den Armen, hofiert die Reichen und lässt sich von Prominenten wie Talk-Queen Oprah Winfrey und Facebook-Chef Mark Zuckerberg umgarnen. Schon haben ihn einige vorschnell zum Erben Obamas ernannt. Da lacht er nur: Obama sei "mit einer tollen Frau verheiratet und hat zwei Kinder, und ich habe tote Pflanzen und Schimmelpilz im Kühlschrank".

Obama light: Kritiker halten Booker vor, dass die Probleme der einstigen Mord- und Elendshochburg Newark unter ihm weiter gärten - und dass der Bürgermeister fast ein Viertel seiner Amtszeit außerhalb verbracht habe, um mit seinen VIP-Freunden zu kungeln.

Klar, dass sich Wahlrivale Lonegan auf solche Vorwürfe stürzte - zumal Booker als Demokrat der Mitte auch den von den Tea-Party-Fanatikern zerrissenen Republikanern Wähler abspenstig machen dürfte. "Was New Jersey braucht, Sir", schimpfte Lonegan bei der letzten TV-Debatte, "ist ein Anführer, kein Twitterer."

Bei Twitter ist die Wahl sowieso entschieden: Dort hat Lonegan gerade mal 5457 Follower.

Korrektur: In einer früheren Fassung hieß es, Gouverneur Christie trete 2014 zur Wiederwahl an. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
widekind 16.10.2013
1. Bogota ist kein Weiler
sondern mit 8.178 Einwohnern (2010) eine Kleinstadt. http://de.wikipedia.org/wiki/Weiler
xcver 16.10.2013
2. Spliss
Da hat doch mal wieder einer ein Haar gespalten...
micromiller 16.10.2013
3. ist doch nicht light im vergleich zu obama
Zitat von sysopAFPWährend Washington im Shutdown-Chaos versinkt, läuft in New Jersey ein ganz anderer Polit-Thriller: Per Nachwahl hofft der schwarze Demokraten-Star Cory Booker, in den US-Senat einzuziehen. Doch nicht alle trauen den Heldenstorys des Bürgermeisters von Newark. http://www.spiegel.de/politik/ausland/cory-booker-will-in-virginia-fuer-die-demokraten-in-den-us-senat-a-928075.html
aber so ein richtiger held "light" waere ja mal eine nette abwechselung.
DonG 16.10.2013
4. Entweder Heldengeschichten
oder wenn schon Anglizismen, dann wenigstens korrekte Pluralbildung.
dinnyc 16.10.2013
5. Sachlicher Fehler
Die Wahl zum governor ist bereits in diesem November, nicht 2014. Trotzdem wollte Christie nicht, dass beide Wahlen am gleichen Tag stattfinden Bitte korrigieren!
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