Costa Rica Oppositionskandidat Solís gewinnt Präsidentenwahl

Luis Guillermo Solís verspricht Costa Rica eine "moralische Revolution", er will Korruption und Ungleichheit bekämpfen. Bei den Wählern kommt das gut an: Er triumphiert bei der Präsidentenwahl.

Luis Guillermo Solís: "Vielen Dank für die Liebe und Unterstützung."
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Luis Guillermo Solís: "Vielen Dank für die Liebe und Unterstützung."


San José - Luis Guillermo Solís hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Costa Rica gewonnen. Der Kandidat der Mitte-links-Partei PAC erreichte bei der Abstimmung am Sonntag 78 Prozent der Stimmen. Das teilte das Wahlamt nach der Auszählung von mehr als 90 Prozent der Wahllokale mit.

"Costa Rica, vielen Dank für die Liebe und Unterstützung", schrieb Solís auf Twitter. Im Wahlkampf hatte der 56-Jährige stets erklärt, er wolle mindestens eine Million Stimmen holen - was ihm gelang. Er war das erste Mal, dass sich der Universitätsdozent um ein Wahlamt beworben hatte.

Nach einem Streit um interne Wahlen hatte der Politologe und Historiker die Sozialdemokraten der PLN 2005 verlassen, jetzt entriss er der traditionsreichen Regierungspartei den Sieg. Solís hatte im Wahlkampf immer wieder Ungleichzeit und Vetternwirtschaft im Land kritisiert. Seine Regierung wolle die extreme Armut bekämpfen und in die Bildung investieren. Den Bürgern versprach der Wissenschaftler eine "moralische Revolution".

Erfahrung im Friedensprozess

Solís war zuvor noch nie in ein öffentliches Amt gewählt worden. 30 Jahre lang arbeitete der Vater von sechs Kindern als Dozent an Universitäten in Costa Rica und den USA. Als Beamter im Außenministerium war er in den achtziger Jahren maßgeblich am Friedensprozess in Mittelamerika beteiligt. Er gilt als besonnener Politiker.

Mit seinem Sieg war allgemein gerechnet worden. Wegen schlechter Umfrageergebnisse und leerer Kassen hatte der Gegenkandidat von der regierenden Partei der Nationalen Befreiung (PLN), Johnny Araya, bereits vor Wochen den Wahlkampf eingestellt. Aus rechtlichen Gründen konnte er seine Kandidatur allerdings nicht offiziell zurückziehen. Araya kam auf 22 Prozent. 57 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich an der Wahl.

"Mit Demut und Respekt erkenne ich das Ergebnis an", sagte der unterlegene Araya. "Ich gratuliere dem gewählten Präsidenten Luis Guillermo Solís." In der Parteizentrale der PLN rief der langjährige Bürgermeister der Hauptstadt San José zu einem nationalen Bündnis auf. "Wir wollen verantwortlich handeln. Ein Scheitern der Regierung wäre ein Scheitern des Landes", sagte er.

Araya hatte vor allem mit dem schlechten Image der Regierungspartei zu kämpfen. In der zuletzt immer wirtschaftsliberaleren Agenda der PLN sahen viele ehemalige Anhänger einen Verrat an den sozialdemokratischen Wurzeln der Partei.

Arbeitslosigkeit, steigende Lebenshaltungskosten, umstrittene Infrastrukturprojekte und Korruptionsskandale hatten zudem für Unmut gesorgt. Arayas Parteifreundin und Präsidentin Laura Chinchilla ist eine der unbeliebtesten Politikerinnen des amerikanischen Kontinents.

In der PAC-Hochburg San Pedro vor den Toren von San José feierten die Anhänger von Solís am Abend den Sieg ihres Kandidaten. "Heute haben wir bewiesen, dass die Costa Ricaner den Wechsel wollen", zitiert die Zeitung "La Nación" einen Parteigänger. Hupend fuhren die PAC-Anhänger mit Autos durch die Straßen und schwenkten die gelb-roten Fahnen der Partei.

isa/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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citi2010 07.04.2014
1. Wenn man blos...
... die schleichende Korruption verhindern könnte, die wohl (fast) jeden befällt der an die Macht kommt, egal wie idealistisch auch gestartet. Scheint unmöglich. Trotzdem dieser neuen Regierung und den Menschen in CR alles Gute.
raber 07.04.2014
2. Straffreiheits-Paradiese Mittelamerikas
Die schleichende Korruption bekämpfen zu wollen ist lobenswert. Wenn aber z.B. so viel Drogengeld Südamerikas über und in Costa Rica fliesst, dann wird es fast unmöglich sein. Ausserdem wäscht das dortige Bankensystem auch vieles davon. Die meisten der Costa Rica-Pr¨seidenten sind korrupt gewesen und obwohl einieg im Gefängnis gelandet sind, sind sie mit weichen Strafen davongekommen. Hoffentlich kann er in Hinsicht Korruption einiges verbessern, damit das Land nicht wie die anderen mittelamerikanischen Straffreiheitsparadiese wird.
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