D-Day-Diplomatie Cameron hat "klare Botschaften" für Putin

Sie schüttelten sich nicht mal die Hände. Der britische Premier Cameron traf Russlands Präsidenten Putin und "übermittelte sehr klare Botschaften".

Putin, Cameron: Unterkühltes Klima am Flughafen Charles De Gaulle
REUTERS

Putin, Cameron: Unterkühltes Klima am Flughafen Charles De Gaulle


Paris - Kein standesgemäßes Ambiente, kein Händeschütteln: Der britische Premier David Cameron hat am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle den russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax gaben sich die beiden Männer zur Begrüßung nicht einmal die Hand. Auch das Gesprächsklima war offenbar unterkühlt: Cameron habe dem russischen Staatschef "einige sehr klare und sehr deutliche Botschaften" übermittelt, sagte eine Sprecherin der Downing Street in London nach dem Treffen.

Das Gespräch dauerte rund eine Stunde. Es war das erste Treffen Putins mit einem führenden westlichen Politiker seit der russischen Krim-Annexion und dem Beginn der Ukraine-Krise. Cameron forderte Putin auf, mit dem neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zusammenzuarbeiten. "Wir brauchen eine Deeskalation, wir müssen die gewaltsamen Auseinandersetzungen stoppen und die Grenzflucht der Menschen. An diesen Fronten muss sich etwas tun", sagte Cameron nach dem Treffen.

Das Gespräch zwischen den beiden Staatschef ist eines von vielen, die an diesem Donnerstag in Paris geführt werden. Neben Cameron verweilen auch der US-amerikanische Präsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry in Paris. Ebenso der russische Außenminister Sergej Lawrow. Die Staatschefs und ihre Minister sind anlässlich des Gedenkens an die Alliierten-Landung in der Normandie vor 70 Jahren in Frankreich zusammengekommen.

Diese Gelegenheit wollen die Politiker für diverse Gespräche zur Krim-Krise nutzen. So kam Putin nach seinem Treffen mit Cameron auch noch mit dem französischen Präsidenten François Hollande im Élysée-Palast zusammen. Darüber hinaus stand ein Gespräch zwischen Obama und Putin im Raum.

Zunächst hatte sich Obama aber mit Hollande in einem Restaurant in der Nähe des Triumphbogens getroffen. An dem Abendessen nahmen auch US-Außenminister John Kerry und sein französischer Kollege Laurent Fabius teil.

Kerry hatte zuvor ein Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow geführt. Dabei hatte Lawrow die USA aufgefordert, Einfluss auf den neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zu nehmen. Damit solle die "Anti-Terror-Operation" gegen prorussische Aufständische im Osten der Ukraine beendet werden, sagte Lawrow nach einem Treffen. "Es sterben mehr und mehr friedliche Menschen." Die Operation laufe aus dem Ruder.

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D-Day in der Normandie: Alle Augen auf Putin

jbe/AFP/Reuters/AP/dpa

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ornitologe 05.06.2014
1. Solange der Westen
das diplomatische Universalpatent darin sieht ÜBER Putin, statt MIT ihm zu reden, dürfte es noch eine Weile dauern, bis es zu einer für alle befriedigenden Lösung im Sinne ALLER Ukrainer kommt.
banker1 05.06.2014
2. Cameron
hat klare Botschaften so wie, Herr Präsident bitte tun Sie was wir sagen und ziehen Sie Ihr Geld bitte,bitte nicht vom Finanzplatz London ab.....
peters_61 05.06.2014
3. Hunde die bellen beissen nicht ...
Cameron ist so einer. Grosse Klappe, aber keine Substanz dahinter. Sorry, die Ukraine hat sich von Russland entfernt und nicht umgekehrt. Wenn Poroschenko mit Putin das Gespräch sucht, wird dieser sicher nicht davonrennen, Herr Cameron. Und dass man dem Gast nicht die Hände schüttelt, ist einfach nur unterste Schublade und ein dummer Gag Camerons. "Seht her Leute, ich hab's dem Wladimir gezeigt." Einfach nur billig.
leonce2 05.06.2014
4. Cameron und Obama
stehen in der Pflicht, da England und Amerika nebst Russland Mitunterzeichner des Budapester Abkommens waren. Dieses wurde bekanntermaßen von Russland gebrochen . Wenn internationale Verträge nichts mehr gelten, dann gute Nacht.
duk2500 05.06.2014
5. Hosen an den Knöcheln
Herr Cameron steht als Wahlverlierer schon mit ziemlich heruntergelassenen Hosen vor Vladimir Putin. Dass er Putin den Handschlag verweigert ist nur ein weiterer Beweis seines fehlenden Formats. Auch Joachim Gauck hielt es übrigens für nötig, durch die Stornierung seines Sotchi-Besuchs während der Winterolympiade Russland zu demütigen. Schon ziemlich traurige Gestalten, die uns da regieren. Thatcher, Reagan, Schmid, Kohl und Schröder hatten da noch ein anderes Format und bessere Umgangsformen.
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