D-Day-Vorbereitungen Versöhnliche Töne zwischen Bush und Chirac

Die Feiern zum 60. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie stehen im Zeichen des Irak-Kriegs. Nach seiner ersten Station in Italien kam US-Präsident Bush in Paris bei Kriegsgegner Jaques Chirac an. Beide gaben sich überraschend harmonisch und optimistisch, schon bald eine Uno-Resolution auf die Beine zu stellen.


US-Präsident Bush und Frankreichs Staatspräsident Chirac: Harmonie zum Auftakt der Feiern
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US-Präsident Bush und Frankreichs Staatspräsident Chirac: Harmonie zum Auftakt der Feiern

Paris/Rom - Nach Gesprächen in Rom setzte Bush am Samstag seine Visite in Paris fort. Am Abend traf er zunächst mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac zusammen und erörterte den neuen amerikanisch-britischen Entwurf für eine Uno-Resolution zur politischen Zukunft im Irak. Darin machen Amerikaner und Briten erhebliche Zugeständnisse bezüglich der Souveränität der künftigen Irak-Regierung.

Überraschend optimistisch traten die beiden politischen Gegner in Sachen Irak nach der Visite vor die Mikrophone. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac äußerte die Erwartung, dass es bereits in den kommenden Tagen eine Uno-Resolution zur Zukunft des Iraks geben werde. Diese Resolution solle einer neuen Regierung volle Souveränität einräumen, sagte Chirac. Der Politiker sagte, zwar habe man Differenzen mit der US-Regierung, doch beide Staaten hätten hauptsächlich den Frieden im Irak als Ziel im Auge.

Bush erinnerte symbolisch an die "ewigen Lehren" aus dem D-Day. Man müsse Opfer bringen für die Verteidigung seiner Werte, sagte er auch im Bezug auf den Irak-Konflikt. Er kündigte die baldige Übergabe der Souveränität im Irak an eine irakische Regierung an. Die US-Truppen würden auf Aufforderung der irakischen Regierung im Lande blieben.

Dem Besuch Bushs in Frankreich waren versöhnliche Töne in Washington wie in Paris vorausgegangen. Frankreich hatte in der vordersten Front der Gegner des US-geführten Irakkrieges gestanden. "Diese Anstrengungen verdienen die volle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft", sagte Bush vor dem Abflug am Samstag in Rom zu dem neuen Irak-Resolutionsentwurf. Er sei zuversichtlich, dass die Resolution schon bald eine Mehrheit finde.

Es wurde erwartet, dass Bush am Sonntag auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer erneut die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus mit dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus verknüpfen wollte. Das Zusammenkommen der etwa 20 Staats- und Regierungschefs bietet ihm weitere Gelegenheiten, vor dem G-8-Gipfel von Dienstag an bei Savannah (US-Bundesstaat Georgia) für einen verstärkten Schulterschluss in der Irak-Frage einzutreten.

Paris - Place de la Concorde: Ausnahmezustand für die Sicherheitsbeamten
REUTERS

Paris - Place de la Concorde: Ausnahmezustand für die Sicherheitsbeamten

In der Normandie werden am Sonntag etwa eine Million Menschen zu den Feierlichkeiten erwartet. Von den 24 Staats- und Regierungschefs aus 16 Ländern werden angesichts der massiven Sicherheitsvorkehrungen nur die wenigsten etwas zu sehen bekommen. Denn wegen der Angst vor Terroranschlägen sprengen die Sicherheitsmaßnahmen zu den Gedenkfeiern jeden bisher dagewesenen Rahmen. Um absolut jeden Zwischenfall auszuschließen, richteten die Sicherheitskräfte in großem Abstand rund um das Gelände der Feierlichkeiten eine hermetische abgeschottete Sicherheitszone ein.

Fahrzeuge ohne Sondererlaubnis werden bereits 100 Kilometer vor der Küste abgefangen. In Arromanches am Gold Beach, wo am Sonntag die Hauptzeremonie stattfindet, patrouillieren seit Tagen Hubschrauber. Mirage-Jäger, AWACS-Aufklärungsflugzeuge und Boden-Luft-Raketen haben die Franzosen in Stellung gebracht, um die 17 offiziellen Feiern entlang der Landungsstrände Sword, Juno, Gold, Omaha und Utah sowie in Caen und Bayeux zu sichern. An den Landesgrenzen Frankreichs sind ausnahmsweise sogar wieder Grenzkontrollen eingeführt worden.

Angesichts des massiven Aufgebots haben die rund dreißig linksgerichteten politischen Parteien und Menschenrechtsgruppen ihre Großkundgebungen für Samstag nach Paris verlegt. Doch auch in der französischen Hauptstadt geben die Sicherheitskräfte kein Pardon. Rund 20.000 Polizisten und Soldaten, darunter hunderte US-Spezialisten, führten bereits am Freitag intensive Kontrollen durch. Rund um den Place de la Concorde ging am gestrigen Freitag bereits nichts mehr. Autofahrer kamen nur mit speziellen Passierscheinen durch.

Bush wird am Sonntag zunächst den amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer besuchen. Dort liegen tausende junger Soldaten begraben, die an dem blutigsten Strandabschnitt "Omaha-Beach" am 6. Juni 1944 starben. Am Ende des "längsten Tages" war der Wendepunkt im Kampf gegen Nazi-Deutschland erreicht.

Bundeskanzler Gerhard Schröder, der als erster deutscher Regierungschef an den Feierlichkeiten teilnehmen wird, verzichtet dagegen auf den Besuch des größten deutschen Soldatenfriedhofs in Le Cambre. Die Entscheidung war insbesondere in konservativen Kreisen auf Kritik gestoßen.



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