Dänische Integrationsministerin Muslime sollen im Ramadan Urlaub nehmen

Dänemarks Integrationsministerin Støjberg sorgt für Empörung: Die rechtsliberale Politikerin legt Muslimen nahe, im Ramadan Urlaub zu nehmen. Begründung: Wer 18 Stunden am Tag faste, schade Wirtschaft und Gesellschaft.

Inger Støjberg im Folketing
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Inger Støjberg im Folketing


Die 50. Verschärfung des Ausländerrechts ihrer Regierung feierte Integrationsministerin Inger Støjberg mit einer Torte: Sie und die übrige rechtsliberale Minderheitsregierung in Dänemark fahren in der Migrationspolitik seit Jahren einen harschen Kurs. Nun hat Støjberg erneut mit einer umstrittenen Forderung für Schlagzeilen gesorgt.

In einem Beitrag für die dänische Tageszeitung "BT" forderte sie Muslime auf, während des derzeit laufenden Ramadans Urlaub zu nehmen. Man könne keine 18 Stunden fasten und zugleich beispielsweise sicher einen Bus fahren, schrieb die rechtsliberale Politikerin angesichts der aktuell in Nordeuropa sehr langen Tage.

In dem Beitrag "Jetzt ist Ramadan und jetzt will ich drei Dinge feststellen" schreibt sie: "Erstens gibt es Religionsfreiheit. Zweitens ist Religion eine private Angelegenheit. Drittens betrifft der Ramadan-Monat uns alle." Wer aktuell tatsächlich von 2.54 Uhr am Morgen bis 21.29 am Abend faste, schade der dänischen Wirtschaft und gefährde mitunter die Sicherheit - etwa wenn Busfahrer übermüdet zur Arbeit gingen. Die Tage würden bis 21. Juni auch noch länger.

Innerparteiliche Kritik

"Ich glaube ganz ehrlich, dass man als Muslim in einer modernen Gesellschaft wie der dänischen überlegen sollte, welche Konsequenzen es für die Gesellschaft hat, wenn man den Ramadan einhält", schrieb Støjberg mit Blick auf die 1400 Jahre alte Tradition. Sie wolle den dänischen Muslimen nicht die Möglichkeit nehmen, ihre Religion auszuüben und Feste zu feiern. "Aber ich will sie dazu auffordern, im Ramadan-Monat Urlaub zu nehmen", schrieb die Ministerin.

Der Linienbus-Betreiber Arriva - wo etwa ein Drittel der Beschäftigten einen Migrationshintergrund haben - und die Busfahrergewerkschaft 3F widersprachen ihr. "Es ist vielmehr ein Problem, dass die Integrationsministerin hier versucht, ein Problem zu schaffen", sagte ein Gewerkschaftssprecher der Zeitung "Berlingske". "Die Busse fahren sicher. Auch während des Ramadan. Das kann ich garantieren." Linienbus-Betreiber Arriva teilte mit, wegen eines fastenden Fahrers habe es noch keinen Unfall gegeben.

Mit Jacob Jensen äußerte auch ein Partei-Kollege Støjbergs Kritik. Politiker sollten sich darauf konzentrieren, "zuerst die wirklichen Probleme zu lösen", schrieb der Venstre-Abgeordnete. Støjberg jedoch verteidigte ihren Vorstoß. An Weihnachten würden doch auch Muslime für Christen einspringen, sagte sie dem Sender Danmarks Radio.

2018 dauert der Ramadan vom 15. Mai bis 14. Juni. Während des Fastenmonats verzichten gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr.

apr/dpa



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