Dänemark Mohammed-Karikaturist beschimpft Attentäter vor Gericht

Der Prozess um den Mordanschlag auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Westergaard ist gleich zu Beginn eskaliert. Der mutmaßliche Attentäter sagte vor Gericht aus, er habe Westergaard nur erschrecken wollen - dieser schimpfte den Angeklagten daraufhin einen "feigen Lügner".

Karikaturist Westergaard: "Ich dachte, dass ich sterben muss"
AP

Karikaturist Westergaard: "Ich dachte, dass ich sterben muss"


Aarhus - Ein Jahr nach der Attacke auf den dänischen Zeichner Kurt Westergaard sind das Opfer und der mutmaßliche Täter im Gerichtssaal erneut aufeinandergetroffen. Der Angeklagte, ein 29-jähriger Somalier, war am 1. Januar 2010 mit einer Axt und einem Messer bewaffnet in Westergaards Wohnhaus eingedrungen.

Westergaard machte am zweiten Prozesstag aus seiner Wut keinen Hehl. Er schimpfte den mutmaßlichen Attentäter während der Verhandlung einen "feigen, kleinen Lügner". "Mein Eindruck war, dass er als heiliger Krieger kam, der einen Ungläubigen totschlagen wollte", sagte der 75-Jährige vor dem Gericht in Aarhus.

Der Angeklagte bestreitet den Vorwurf des Mordversuchs. Er sagte aus, dass er den umstrittenen Zeichner lediglich habe erschrecken wollen.

Wie Westergaard vor Gericht schilderte, drang der Somalier am Neujahrsabend 2010 mit einer Axt und dem Ruf "Du musst sterben" in sein Haus ein. Der Karikaturist flüchtete danach ins Badezimmer, während seine fünfjährige Enkelin mit einem Gipsbein zurückblieb. "Ich dachte, dass ich sterben muss", sagte Westergaard.

Dem Zeichner zufolge hackte der Attentäter mit der Axt auf die Badezimmertür ein. Hätte die Tür nachgegeben, wäre er sicherlich tot, sagte er. Die Polizei setzte den Eindringling durch Beinschüsse außer Gefecht. Westergaards Enkelin blieb unverletzt.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord an Westergaard und einem Polizisten sowie auf einen versuchten Terrorakt. Der Angeklagte muss sich in Aarhus außerdem wegen Verletzung des Waffenrechts verantworten. Ihm droht lebenslange Haft.

Westergaard war wegen einer Karikatur des Propheten Mohammed, die diesen mit einem Turban in Form einer Bombe zeigte, weltweit bekannt geworden. In der islamischen Welt hatte die im September 2005 erstmals in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlichte Karikatur heftige Proteste ausgelöst. Westergaard wird seit dem Mordanschlag rund um die Uhr von der Polizei beschützt.

Der Prozess wird voraussichtlich acht Tage dauern. Ein Urteil soll Anfang Februar fallen.

nib/dpa/AFP

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