Dänemark Neues Mohammed-Video empört Muslime

Ein Dreivierteljahr nach dem Streit um zwölf Mohammed-Karikaturen hat nun ein Video über Zeichnungen dänischer Rechtspopulisten erneut Proteste in der muslimischen Welt ausgelöst. Die ägyptische Muslimbruderschaft fordert den Boykott dänischer Waren. Irans Präsident Ahmadinedschad warnte vor einer neuen Protestwelle.


Kopenhagen/Kairo - Das Video dokumentiert Teile eines Wettbewerbs der Jugendabteilung der rechten Dänischen Volkspartei (DVP). Die Bilder zeigen eine Gruppe trinkender und singender junger Leute in einem Zeichenwettstreit, bei dem sie verhöhnende Karikaturen von Mohammed anfertigen sollten.

Eines der von den rechten Parteimitgliedern gezeichneten Bilder zeigt den Propheten als pinkelndes und biersaufendes Kamel. Auf einem anderen Comic-Streifen war er offensichtlich von Bierflaschen umgeben dargestellt, auch eine Explosion war zu sehen. Die Gesichter der Parteimitglieder waren größtenteils unkenntlich gemacht worden. Der Zeichenwettbewerb soll Anfang August stattgefunden haben, berichteten dänische Zeitungen.

Nach den Mohammed-Karikaturen und den Papst-Äußerungen zum Islam künde "die Wiederholung solcher Akte nur von der tief sitzenden Feindschaft, welche einzelne westliche Länder gegen den Islam und seinen Propheten hegen", hieß es in einer in Kairo verbreiteten Stellungnahme der ägyptischen Muslimbruderschaft.

Die Vereinigung forderte einen neuen Boykott dänischer Waren und rief alle Muslime dazu auf, "ihre Entrüstung zu zeigen, aber bewusst und bedacht" - die Muslimbruderschaft ist in Ägypten eigentlich verboten, wird aber von der Regierung toleriert und gilt als einflussreichste Vereinigung des politischen Islam. Auch in Indonesien kam es zu Boykottaufrufen.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad warnte vor einer neuen Protestwelle in der islamischen Welt. "Jene, die geschwiegen haben zu den lächerlichen Beleidigungen gegen den großen Propheten des Islam, sollten wissen: Wenn die Wut der Muslime anschwillt wie ein wilder Ozean, dann wird sie garantiert außer Kontrolle geraten", sagte er heute bei einer Kabinettssitzung in Teheran. "Ungezogene Menschen
ohne Werte stehen hinter diesen Beleidigungen", sagte er laut der Nachrichtenagentur Mehr weiter.

Das iranische Außenministerium erklärte, Teheran werde bei den Botschaftern Dänemarks und Finnlands, das derzeit den EU-Ratsvorsitz hat, Protest einlegen. Auch die iranische Botschaft in Kopenhagen verurteilte die dänische Regierung wegen des "den Islam und den Propheten beleidigenden Videos".

Dänemarks rechtsliberaler Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, der mit der DVP parlamentarisch eng zusammenarbeitet und von ihr als Mehrheitsbeschafferin abhängig ist, verurteilte das Verhalten der Jugendlichen. "Deren geschmackloses Benehmen ist in keiner Weise repräsentativ für den Umgang des dänischen Volkes oder der dänischen Jugend mit Muslimen oder dem Islam", erklärte er.

"Das ist doch klasse. Wir können lächerlich machen, wen wir wollen. Ob es nun Mohammed, Jesus, Buddha oder unsere Vorsitzende ist", sagte dagegen der außenpolitische DVP-Sprecher Sören Espersen. Gegenüber der Zeitung "Nyhedsavisen" bestätigte er, dass es in dem Wettbewerb darum ging, den Propheten Mohammed in der "erniedrigendsten Weise" zu zeichnen.

Ein hochrangiges Mitglied der DVP-Jugend sprach sich gegen eine Wiederholung solcher Wettkämpfe aus, entschuldigte sich für die Vorfälle jedoch nicht ausdrücklich. "Das ist nicht meine Art von Humor, und es wäre nicht passiert, wenn ich da gewesen wäre. Es muss nicht wiederholt werden", sagte Kenneth Kristensen dem staatlichen Fernsehen. Der Film über den Zeichenwettstreit wurde von dem Künstler Martin Rosengaard Knudsen aufgenommen, der sich einige Monate lang als Mitglied der DVP ausgab, um das Verhalten der Jugendabteilung zu dokumentieren.

"Vor dem Hintergrund der früheren Probleme müssen wir vorsichtig sein", sagte Ahmed Abu-Laban, der als Kopenhagener Imam im vergangenen Jahr auf einer Reise in Ägypten und im Libanon zu Protesten gegen die ersten Mohammed-Karikaturen aufgerufen hatte. "Dieses Mal ist die Situation anders. Natürlich sind die Zeichnungen bedauerlich", sagte der Imam. Sie seien jedoch niemals zur Veröffentlichung vorgesehen gewesen und die Haltung der DVP zu Muslimen sei natürlich allen bekannt.

Im vergangenen Jahr hatte die Veröffentlichung von umstrittenen Mohammed-Karikaturen teils gewalttätige Proteste von Muslimen in aller Welt ausgelöst, bei denen in Afrika, Asien und im Nahen Osten mehr als 50 Menschen getötet wurden.

Die größte dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte den Abdruck der Karikaturen damit begründet, dass auch Muslime sich daran gewöhnen müssten, wie alle anderen "verspottet, verhöhnt und lächerlich gemacht" zu werden. Den meisten Anhängern des islamischen Glaubens gilt jegliche Darstellung des Propheten als Beleidigung.

kai/dpa/Reuters/AP



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