Mutmaßlicher Attentäter von Kopenhagen Ein guter Schüler - mit radikalen Parolen

Nach den Morden von Kopenhagen rätselt Dänemark über die Motive des mutmaßlichen Täters. In der Schule fiel er mit guten Leistungen auf, aber auch als Hitzkopf mit antisemitischen Tendenzen. Die Polizei kannte ihn.

Der mutmaßliche Attentäter Omar Abdel Hamid El-Hussein wurde im November 2013 mit einem Messer in der U-Bahn gefilmt
AFP/ Copenhagen Police

Der mutmaßliche Attentäter Omar Abdel Hamid El-Hussein wurde im November 2013 mit einem Messer in der U-Bahn gefilmt


Kopenhagen - Nach den Attentaten in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen werden neue Details über den mutmaßlichen Täter bekannt. Laut dem dänischen Fernsehsender tv2 hieß er Omar Abdel Hamid El-Hussein und war 22 Jahre alt. Erst vor wenigen Wochen war er aus dem Gefängnis entlassen worden, berichtet der Radiosender Danmarks Radio.

Im November 2013 hatte er dem Radiosender zufolge einen Messerangriff in einer S-Bahn verübt und war im Dezember 2014 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wegen der langen Untersuchungshaft kam er bereits kurz darauf frei. Die Polizei bestätigte die Informationen zunächst nicht. Sie teilte mit, der Täter sei im Bandenmilieu aufgefallen und wegen Gewalt- und Drogendelikten den Behörden bekannt.

Trotz dieser Vorgeschichte deutete offenbar wenig auf die Eskalation vom Wochenende hin. Der Attentäter hatte am Samstagnachmittag zunächst einen Filmemacher in einem Kulturcafé erschossen. Dieser erste Angriff galt vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks. Islamisten kritisieren ihn seit Jahren wegen seiner Mohammed-Karikaturen.

In der Nacht zum Sonntag tötete der Angreifer vor der Synagoge der Hauptstadt einen 37-jährigen Wachmann und verletzte mit weiteren Schüssen mehrere Polizisten. Nach einem Bericht der Zeitung "Politiken" unter Berufung auf "mehrere Quellen" täuschte der Täter bei seinem Angriff auf die Synagoge Trunkenheit vor. Taumelnd habe er sich dem Gebäude genähert und dann geschossen.

Eine Spezialeinheit tötete El-Hussein am frühen Sonntagmorgen nach einem Schusswechsel vor seiner Wohnung. Er soll im Besitz zweier Pistolen gewesen sein. Die Polizei nahm am Sonntag auch zwei mutmaßliche Komplizen fest. Sie sind beschuldigt, dem Attentäter "mit Rat und Tat" geholfen zu haben, und werden derzeit verhört.

"Er war ein fleißiger und begabter Schüler"

Was bisher über die Lebensgeschichte El-Husseins bekannt ist: Seine Eltern sollen Berichten zufolge aus den Palästinensergebieten nach Dänemark geflohen sein. Klassenkameraden beschreiben ihn nach Medienberichten als sehr temperamentvoll und in Diskussionen hitzig - insbesondere wenn es um den Nahostkonflikt ging. Die Zeitung "Ekstra-Bladet" zitierte einen ehemaligen Weggefährten mit der Aussage, er habe in der Schule gesagt, dass er Juden hasse.

Der Rektor seiner ehemaligen Schule sagte dem dänischen Fernsehen: "Er war ein sehr fleißiger und begabter Schüler, der sich rein fachlich gut geschlagen hat." Die Schule sei schockiert. Ein ehemaliger Mitschüler erzählte dem dänischen Rundfunk, der junge Mann habe sich meist an seine muslimischen Freunde gehalten.

Bei Durchsuchungen in einem Park und in der Wohnung des 22-Jährigen im Stadtteil Nørrebro fand die Polizei Kleidungsstücke und eine automatische Waffe, die der Täter beim ersten Anschlag benutzt haben könnte. Untersuchungen sollen das klären.

anr/sms/dpa



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