Dalai-Lama-Empfang Chinas Regierungschef Wen verlangt Kotau von Merkel

Peking lässt nicht locker: Nun fordert Regierungschef Wen, Kanzlerin Merkel solle den umstrittenen Empfang des Dalai Lama als Fehler eingestehen. Dann könne man Deutschland weiter als "Partner und Freund behandeln".


Hamburg - Es erinnert ein bisschen an den Fehlergeständnis-Ritus der chinesischen Kulturrevolution: Regierungschef Wen Jiabao hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, den Empfang des Dalai Lamas als Fehler einzugestehen.

Jiabao, Merkel vor einer Ehrenwache in Peking (Archivbild vom August): "Freunde und Partner machen manchmal Fehler und machen irrige Bemerkungen"
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Jiabao, Merkel vor einer Ehrenwache in Peking (Archivbild vom August): "Freunde und Partner machen manchmal Fehler und machen irrige Bemerkungen"

Am Ende des EU-China-Gipfels in Peking sagte der Ministerpräsident auf die Frage eines Journalisten, wie Frankreich sei Deutschland "ein Freund und Partner" Chinas in Europa. "Freunde und Partner machen manchmal Fehler und machen irrige Bemerkungen", sagte Wen Jiabao. "Solange sie sich der Fehler bewusst werden und ihr Verhalten ändern, werden wir sie weiter als Partner und Freunde behandeln."

Die Bundeskanzlerin hatte das geistige Oberhaupt der Tibeter am 23. September in Berlin empfangen. Danach war es zu erheblichen Irritationen mit Peking gekommen. Auch innerhalb der Koalition hatte dies für Ärger gesorgt, weil die SPD und ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier den China-Kurs der Kanzlerin kritisierten.

China lehne es ab, wenn europäische Politiker in offizieller Funktion den religiösen Führer der Tibeter empfangen, bekräftigte Wen Jiabao die chinesische Position. Die Taten und Worte des Dalai Lamas zeigten, dass er versuche, Tibet und die weitere tibetische Region, die auch andere heutige Provinzen umfasst, von China abzuspalten, sagte Wen Jiabao. Solange der Dalai Lama aber anerkenne, dass Tibet und Taiwan untrennbare Teile der Volksrepublik seien, stehe ihm die Tür offen.

flo/dpa



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