Dalai Lama über Flüchtlingskrise "Deutschland kann kein arabisches Land werden"

Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter hat in einem Interview über die Flüchtlingskrise gesprochen: Asylbewerber sollten nur vorübergehend aufgenommen werden. Es seien "mittlerweile zu viele".

Der 14. Dalai Lama
DPA

Der 14. Dalai Lama


Die Flüchtlingskrise in Europa, Tod und Wiedergeburt, "mein Freund George W. Bush": Der Dalai Lama hat der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Dharamsala im Norden Indiens ein ausführliches Interview gegeben. Überraschend sind dabei vor allem seine Aussagen zu Asylbewerbern.

"Wenn wir in das Gesicht jedes einzelnen Flüchtlings schauen, besonders bei den Kindern und Frauen, spüren wir ihr Leid", sagte das spirituelle Oberhaupt der Tibeter. Jeder, dem es etwas besser gehe, habe die Verantwortung, den Flüchtlingen zu helfen. Dann ergänzte der Dalai Lama: "Andererseits sind es mittlerweile zu viele." Deutschland sei Deutschland. "Europa, zum Beispiel Deutschland, kann kein arabisches Land werden."

Seiner Ansicht nach sollten Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden. "Das Ziel sollte sein, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen." Der Dalai Lama war selbst im Jahr 1959 aus Tibet nach Dharamsala geflohen.

"Deshalb besser keine Gewalt"

Über seinen Tod sagte der 80 Jahre alte Dalai Lama, er wolle "nicht in einem Krankenhaus an irgendeiner Fernbedienung hängend" sterben. Er wolle wiedergeboren werden und zwar dort, "wo ich etwas Sinnvolles tun kann, wo es Leiden gibt".

Tenzin Gyatso wurde in den Dreißigerjahren als 14. Reinkarnation des Dalai Lamas erkannt. In der Vergangenheit hatte er mit seinen Äußerungen für Aufsehen gesorgt, dass es nach seiner Auffassung nicht unbedingt einen weiteren Dalai Lama geben müsse. Die chinesische Zentralregierung in Peking besteht allerdings darauf, dass es nach seinem Tod einen Nachfolger gibt.

Es sei "möglich", dass die Tibeter ohne seine Führung zu Gewalt greifen könnten, sagte der Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger nun in dem Zeitungsinterview. Legitim ist die Anwendung von Gewalt seiner Ansicht nach, wenn "die Umstände so sind, dass es keine andere Wahl gibt und Mitgefühl die Motivation ist".

Als Beispiel führte er unter anderem seinen "Freund George W. Bush" an: "Seine Motivation war sehr aufrichtig. Er wollte Demokratie in den Irak bringen. Eine Person eliminieren. Er benutzte Gewalt. Die Folgen waren negativ. Gewalt ist unberechenbar. Deshalb besser keine Gewalt."

aar

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