Attacken in Damaskus: Krieg vor Assads Haustür

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Während weite Teile Syriens in Flammen standen, herrschte in Damaskus noch Alltag. Damit ist es nun vorbei. Immer häufiger treffen Rebellengeschosse das Machtzentrum von Baschar al-Assad. Die Aufständischen bereiten sich auf den Sturm von Damaskus vor.

Damaskus - Die neue Normalität im Herzen der syrischen Hauptstadt sieht so aus: Blutlachen auf der Terrasse zwischen umgestürzten bunten Plastikstühlen und Schultischen. Am Donnerstag schlugen Geschosse in das Café der Architekturfakultät der Universität von Damaskus ein. Mindestens 13 Studenten kamen ums Leben.

Während es sich bei der Attacke auf die Universität von Aleppo im Januar wohl um einen Regimeangriff handelte, könnten dieses Mal Rebellen für die Einschläge verantwortlich sein. Das Café befindet sich in der Nähe des Verteidigungsministeriums und der Hauptzentrale des Staatsfernsehens - der "Grünen Zone" von Damaskus, wie das Machtzentrum des Regimes in Anspielung auf die Hochsicherheitszone von Bagdad inzwischen genannt wird.

"Es ist mir egal, wer für den Angriff auf die Universität verantwortlich ist. Sie sind alles Kriminelle", sagte ein Student der Universität SPIEGEL ONLINE. Zuerst habe er den Glauben an Baschar al-Assad verloren, angesichts der brutalen Reaktion auf die Demonstrationen, dann die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Rebellen bereiten den Sturm auf Damaskus vor

Mehrmals waren in der vergangenen Woche von Rebellen abgefeuerte Granaten mitten in der Stadt eingeschlagen. Zwar wurde dadurch niemand verletzt. Doch sie machten deutlich, wie weit die Assad-Gegner inzwischen vorgerückt sind. Einige Stadtteile und Vororte sind inzwischen fest in ihrer Hand. Das Regime feuert nahezu täglich Raketen in diese Viertel ab. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Hauptstadt im Straßenkampf versinkt.

In der vergangenen Woche schockierte ein Bombenanschlag in einer Moschee die Hauptstadt, bei dem der regimetreue islamische Gelehrte Mohammed al-Buti und mehr als 40 weitere Menschen starben. Wer den Anschlag ausführte, ist unklar.

Nicht nur im Norden und Osten sind die Aufständischen auf dem Vormarsch. Baschar al-Assad dürfte vor allem nervös machen, dass die Rebellen im Süden des Landes Terrain gewinnen: Sie wollen sich den Weg nach Damaskus freiräumen, um die Schlacht um die Hauptstadt zu beginnen.

Am Freitag gelang es Rebellengruppen, die Stadt Dail auf der Verbindungsstraße von Jordanien nach Damaskus einzunehmen. Das Regime scheint seine Spezialeinheiten aus dem Süden Syriens inzwischen größtenteils abgezogen zu haben und auf die Hauptstadt zu konzentrieren.

In der Hauptstadt leben viele Unterstützer Assads

Das syrische Regime hatte lange versucht, in der Hauptstadt eine Art Normalität vorzugaukeln. Während im ganzen Land bereits Hunderttausende vor der Gewalt fliehen mussten, herrschte in Damaskus noch Alltag.

Das Regime hat in der Hauptstadt viele Unterstützer. Auch leben dort viele, die Assad zwar verurteilen, gleichzeitig jedoch befürchten, dass sie viel verlieren könnten in dem Aufstand, der von der ärmeren Landbevölkerung und konservativeren Kräften dominiert wird.

Proteste in Damaskus werden durch den Sicherheitsapparat im Keim erstickt. In Razzien werden regelmäßig Dutzende verhaftet, die als regimekritisch eingeschätzt wurden, darunter viele Studenten. Immer wieder fanden nachts Verhaftungswellen in den Studentenwohnheimen der Universität von Damaskus statt.

Von den meisten fehlt seit ihrer Verhaftung jede Spur.

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1. So viel dazu
Werner655 29.03.2013
Zitat von sysopWährend weite Teile Syriens in Flammen standen, herrschte in Damaskus noch Alltag. Damit ist es nun vorbei. Immer häufiger treffen Rebellengeschosse das Machtzentrum von Baschar al-Assad. Die Aufständischen bereiten sich auf den Sturm von Damaskus vor. Damaskus: Syriens Rebellen bereiten die Schlacht um die Hauptstadt vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/damaskus-syriens-rebellen-bereiten-die-schlacht-um-die-hauptstadt-vor-a-891691.html)
Spätestens nach dieser Aussage: "... in dem Aufstand, der von der ärmeren Landbevölkerung und konservativeren Kräften dominiert wird..." kann man alles, was in dem Artikel steht, in die Tonne werfen. Die Propagandmaschine der "Rebellen" läuft wie geschmiert. Sie haben die Medienlandschaft fest im Griff
2. Mal sehen, welcher Stamm, welche ...
pflegeroboter 29.03.2013
Zitat von sysopWährend weite Teile Syriens in Flammen standen, herrschte in Damaskus noch Alltag. Damit ist es nun vorbei. Immer häufiger treffen Rebellengeschosse das Machtzentrum von Baschar al-Assad. Die Aufständischen bereiten sich auf den Sturm von Damaskus vor. Damaskus: Syriens Rebellen bereiten die Schlacht um die Hauptstadt vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/damaskus-syriens-rebellen-bereiten-die-schlacht-um-die-hauptstadt-vor-a-891691.html)
Na das läßt doch sicher die Herzen der Anhänger des arabischen Frühlings höher schlagen oder? Mal sehen, welcher Stamm, welche Glaubensrichtung des Islams siegt und dann dem Rest die Welt erklären darf. Schätze Syrien wird noch kaputter als der Irak aus der Sache hervorgehen, weil es nicht mal ansatzweise eine neue Ordnungsmacht geben wird.
3. Die übliche Propaganda in Kriegen
lordgrosskotz 29.03.2013
der wievielte "Sturm auf Damaskus" ist es eigentlich. Dass die Rebellengruppen dabei zunehmend auf Bombenanschläge setzen ist nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke. Im übrigen habe ich solche Artikel nach dem Motto "Rebellen auf dem Vormarsch" "nur ein Kilometer vom Präsidentenpalast enfernt" usw in den letzten Jahren schon so häufig gelesen, dass allein die Quantität jegliche Glaubwürdigkeit untergräbt. Von der Qualtität mal ganz zu schweigen...
4.
Repabeat 29.03.2013
Zitat von sysopWährend weite Teile Syriens in Flammen standen, herrschte in Damaskus noch Alltag. Damit ist es nun vorbei. Immer häufiger treffen Rebellengeschosse das Machtzentrum von Baschar al-Assad. Die Aufständischen bereiten sich auf den Sturm von Damaskus vor. Damaskus: Syriens Rebellen bereiten die Schlacht um die Hauptstadt vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/damaskus-syriens-rebellen-bereiten-die-schlacht-um-die-hauptstadt-vor-a-891691.html)
So gewinnen die Aufständischen ganz sicher die Herzen der Syrischen Bevölkerung.Wo die Reise hingeht, kann man in jedem Video der Freien Syrischen Armee sehen und hören. Ein Gottesstaat nur für Muslime sunnitisches Glaubens. Da wird kein Platz mehr sein für Christen, Alawiten und allen anderen Minderheiten. Und Spiegel macht sich durch solche Artikel zum Mitläufer.
5.
adal_ 29.03.2013
Zitat von Werner655Spätestens nach dieser Aussage: "... in dem Aufstand, der von der ärmeren Landbevölkerung und konservativeren Kräften dominiert wird..." kann man alles, was in dem Artikel steht, in die Tonne werfen. Die Propagandmaschine der "Rebellen" läuft wie geschmiert. Sie haben die Medienlandschaft fest im Griff
Interessant. "Die" Rebellen legen also Ihrer Meinung nach Wert auf ein Image als erzkonservative Bauerntölpel und "Schwarzfüßler". :-)
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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