US-Vorwahlen Das steht in New Hampshire auf dem Spiel

Die Vorwahlen in New Hampshire werden zum spannenden Test für die US-Präsidentschaftsbewerber. Donald Trump muss liefern. Und auch Hillary Clinton steht unter Druck. Der Überblick.

AFP

Aus Manchester berichten und


Donald Trump kann es auch kleiner. Kaum 200 Leute hocken im Festsaal des Lions Clubs von Londonderry, eigentlich ist der US-Republikaner von seinen Massenauftritten anderes gewöhnt. Doch der Milliardär weiß, dass er hier in New Hampshire um jede Stimme kämpfen muss. Also senkt er seine Stimme - nicht aber das Selbstbewusstsein.

"Wir werden gut abschneiden", ruft Trump. "Es wird etwas ganz Spezielles werden. Es wird ein großartiger Tag für die Nation werden."

Die zweite US-Vorwahlrunde an diesem Dienstag im Neuenglandstaat New Hampshire ist ein kritischer Moment. Denn der Auftakt vorige Woche in Iowa hat einiges durcheinandergebracht. Donald Trump strauchelte, Hillary Clinton ebenfalls. Andere, Floridas Senator Marco Rubio etwa, überraschten. New Hampshire kann das alles revidieren - oder die Trends bestärken.

1. Worum geht es für Donald Trump?

Trump steht unter Druck. Will er die republikanische Präsidentschaftskandidatur weiter im Visier behalten, muss er liefern. Zwei Niederlagen in Folge, und sein Sieger-Mythos wäre zerstört. Trump ist leiser geworden, er will die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Er gab zu, dass sein "ground game", die Kunst der Stimmenmobilisierung, zu wünschen übrig lasse.

Deshalb stürzte sich Trump in New Hampshire in das, was sie "retail politics" nennen: hautnahe Wählerwerbung, in Restaurants, Coffeeshops, bei Townhall-Fragerunden. Umfragen zufolge muss sich Trump wenig Sorgen machen, mit rund 30 Prozent im Schnitt liegt er weit vor allen anderen. Er weiß: Gewinnt er, ist seine Schlappe von Iowa vergessen.

2. Wie steht es um die anderen Republikaner?

Neben Trump hoffen vor allem die Senatoren Ted Cruz und Marco Rubio auf ein gutes Ergebnis. Rubio hatte zwischenzeitlich einen Höhenflug, am Wochenende dann aber eine desaströse TV-Debatte. Plötzlich ist er als "Roboter" verschrien, weil er nur Phrasen wiederholt.

Fast schon um alles geht es für die drei "Establishment-Kandidaten" - John Kasich, Jeb Bush und Chris Christie, zwei frühere und ein amtierender Gouverneur. Sie könnten von der großen Gruppe unabhängiger Wähler in New Hampshire profitieren. Ein gutes Abschneiden ist Pflicht, wenn sie ihre Kampagne in die nächsten Vorwahlen retten wollen. Mit anderen Worten: Selbst wenn Trump siegt, könnte es noch spannend werden.

3. Wie ist die Lage bei den Demokraten?

Viele politische Beobachter gehen von einem schwierigen Abend für Hillary Clinton aus. Es kann aber auch anders kommen. Drei Szenarien:

  • Bernie Sanders gewinnt klar - so wie es einige Umfrageinstitute vorhersagen. Das würde die Dynamik im Feld der Demokraten sicher verändern. Sanders ginge gestärkt in die kommenden Vorwahlen, Clinton müsste sich neuen Fragen stellen, ob sie die richtige Kandidatin ist und warum die Botschaft ihrer Kampagne ihr Ziel verfehlt.
  • Sanders gewinnt knapp: Sanders' Problem ist, dass ein Erfolg von ihm in New Hampshire längst erwartet wird. Ein knapper Sieg des 74-Jährigen wäre für Clinton insofern verkraftbar, als dass sie immerhin behaupten könnte, die Vorhersagen übertroffen zu haben.
  • Clinton gewinnt: Das wäre eine echte Überraschung und dürfte Sanders vor massive Probleme in den nächsten Vorwahlstaaten stellen.

4. Was unterscheidet New Hampshire von Iowa?

In Iowa wurden die Kandidaten in einem sogenannten Caucus bestimmt - abendlichen, offenen Bürgerversammlungen. In New Hampshire hingegen geschieht das in normalen und geheimen Wahlverfahren. Die meisten Wahllokale öffnen früh morgens und schließen um 19 Uhr. Berühmte Ausnahme sind die Weiler Dixville Notch (12 Einwohner), Millsfield (23 Einwohner) und Hart's Location (41 Einwohner), die bereits ab Mitternacht wählen, unter großem Medienandrang.

Auch so ist das Interesse in New Hampshire wesentlich größer als in Iowa, wo die Wahlbeteiligung trotz eines neuen Rekords nur bei 15,7 Prozent lag. In New Hampshire rechnen Insider mit einer Beteiligung von bis zu 65 Prozent. Das liegt auch daran, dass New Hampshire einen ungewöhnlich hohen Anteil an unabhängigen Wählern hat: Rund 44 Prozent rechnen sich keiner der beiden großen Parteien zu.

5. Ist New Hampshire wichtiger als Iowa?

Ja und nein. Iowa hat aufgrund seiner Rolle als Premierenstaat seine ganz eigene Bedeutung. In diesem Jahr könnte aber New Hampshire die größere Folgewirkung haben, und zwar auf beiden Seiten.

Weil mehrere Republikaner nur noch ein gutes Ergebnis retten kann, könnte jedes schlechte das Ende der Kampagne bedeuten. Wer in New Hampshire versagt, verliert das Vertrauen von Unterstützern und Geldgebern. Es ist anzunehmen, dass das Feld der Republikaner ausgedünnt wird und sich stärker in Richtung eines Dreikampfes zwischen Trump, Cruz und einem Establishment-Kandidaten entwickelt.

Bei den Demokraten könnte in New Hampshire schon eine Vorentscheidung fallen: Im Falle eines Clinton-Siegs könnte Sanders seine Hoffnungen auf die Kandidatur wohl begraben. Andersherum: Sollte er gewinnen, wird es noch ein langer Wahlkampf werden.

Alle Ergebnisse von Iowa finden Sie in dieser Grafik:

Ergebnisse der US-Vorwahlen

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sotomajor 09.02.2016
1. Offenheit und Ehrlichkeit
Man muss es dem Spiegel schreiben, es bleibt einem Demokraten keine Wahl mehr. Ganz deutlich "was interessiert uns Amerika, wenn in Deutschland die Demokratie klammheimlich zur Diktatur wird" ? Genau so aber ist das auch und unser guter Spiegel betreibt Propaganda für das "weiter so" ! Ich möchte nun gar nicht wissen wie viele Leser sich schon genervt abgewandt haben. Bleibt am Schluß, wenn die Demokratie gewinnt, das Geschmäckle.
Bürger Icks 09.02.2016
2. Clinton
Wird keine Rolle mehr spielen, die wird gerade in den USA demontiert, von wem auch immer. Aber auch nur aufgrund ihrer und der Geschichte der Familie Clinton, den ganzen Mauscheleien, Verstrickungen, es gibt sogar eine mehrseitige Liste von Personen, die in Kontakt zu den Clintons standen, und dann auf teils sehr seltsame Art und Weise ums Leben kamen. In den USA wird gegraben und berichtet, hier davon kein Wort. Trump ist zu Irre für den Job als POTUS, sogar für die zurückgebliebensten Redneck-Amis, aber der wirds nachher erstmal für die Republikaner machen, denn die Masse der verlorenen Seelen, die ihre politische Wahlentscheidung von der pompösität der Wahlkampfveranstaltungen abhängig macht, vom Showfaktor oder von den verbalen Ausfällen der Protagonisten, die ist doch ziemlich gross. Besser wenn ein Sanders den Finger an den roten Knopf legen darf, und die letzte Hofnung für den Rest der Welt.
ionele 09.02.2016
3. Trump und die US Vorwahlen
In Amerika wundert ja fast nichts mehr doch Trump überbietet alles. Sitzt nicht die UNO in New York und ist NY nicht irgendwie Teil der USA? Die UN hat nicht nur eine Menschenrechtskonvention sondern auch jegliche Folter geächtet und was will Trump? Waterboarding soll nach seinen Worten noch eine harmlose Form der Folter sein und niemand sagt ein Wort zu einer solchen strafbaren und menschenrechtswidrigen Ankündigung. Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun und erinnert mich an Hitlers Gebrülle und dessen Hasstiraden. Trump ist eine Schande für die USA, eine Beleidigung für jede Demokratie, eine Beleidigung für jeden Christen, eine Beleidigung für jeden Menschen jüdischen Glaubens, eine Beleidigung für jeden Menschen muslimischen Glaubens und eine Beleidigung für all diejenigen, die einstmals an der Menschenrechtskonvention mitgewirkt haben. Was soll aus einer Welt werden, in der ein mit Hass vollgepumpter Grössenwahnsinniger das Sagen haben könnte? Das wird in Chaos, Leid und Krieg enden. Und dann erst werden die, die ihm jetzt zujubeln erkennen, dass dieser blinde Hass auch sie selbst trifft und was sie damit angerichtet haben. Man kann nur hoffen, dass die Mehrheit der Amerikaner erkennt, wer dieser Trump wirklich ist.
gandhiforever 09.02.2016
4. Erfolg laengst erwartet?
Wer hat denn Bernies Erfolg laengst erwartet? Clintons Leute spinnen die Lage so, dass ihre Frau immer gut da steht. Der "Sieg" in Iowa mit 0.25% Vorsprung war in deren Augen ein riesiger Erfolg (vorher war von einem Sieg Clintons ausgegangen worden). In New Hamp[shire haben sie scheinbar resigniert, reduzieren den moeglichen Sanders-Sieg auf die Naehe zu Vermont (obwohl NH ganz anders ist als VT). Ein Sieg von Sanders mit weniger als 10% Unterschied soll in einen Riesenerfolg fuer clinton umgemuenzt werden. Sicherlich ist ein Sieg fuer Sanders aeusserst wichtig. Aber Sieg ist Sieg. Wenn Bernie mehr als 1% Vorsprung hat, dann hat er gewonnen, Hillary verloren.
Peter Eckes 09.02.2016
5. .
Und schon wieder wird relativiert. Es reicht nicht mehr wenn Sanders gewinnt, den das wurde ja vorhergesagt. Er muß deutlich gewinnen. Wenn er nur knapp gewinnt ist er nicht der Sieger, weil das ist Clinton näher dran wie gedacht. Was für ein schizophrener Unfug. Ich muß also nur zusehen das ich in den Umfragen keine Stimmen bekomme, dann wählen mich in der Wahl überraschend 10 Leute und schon bin ich für die Medien der strahlende Sieger oder was? Leute, nochmal, es geht um absolute Zahlen, nicht um das relative Abschneiden zu irgendwelchen Vergleichswerten.
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