Putin, Trump, Xi und andere Das wünschen sich die Mächtigen fürs neue Jahr

Mehr Zusammenhalt, mehr Wohlstand, endlich raus aus den Schulden: Darauf hoffen Europas führende Politiker zum neuen Jahr. China will mehr für den Klimaschutz tun. Donald Trump feiert derweil auf Twitter - sich selbst.


Kanzlerin Angela Merkel hat den Deutschen für das neue Jahr eine stabile Regierung versprochen. "Denn die Welt wartet nicht auf uns", sagte die CDU-Chefin. Zeitgleich forderte sie mehr Zusammenhalt - auch in Europa.

Mit diesem Wunsch ist sie nicht allein. Die Neujahrsansprachen der Staats- und Regierungschefs im Überblick:

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat seine Neujahrsansprache zu einem Appell an alle Europäer genutzt. "Meine lieben europäischen Mitbürger, 2018 ist ein besonderes Jahr, und ich werde Sie in diesem Jahr brauchen", sagte er am Sonntagabend. "Wir müssen den europäischen Ehrgeiz wiederfinden. Ein souveräneres, vereinteres, demokratischeres Europa, weil das gut für unsere Völker ist."

Emmanuel Macron
AFP

Emmanuel Macron

Macron hatte im September kurz nach der deutschen Bundestagswahl weitreichende Vorschläge zur Reform der Europäischen Union vorgelegt, unter anderem setzt er sich für einen eigenen Haushalt für die Eurozone und einen europäischen Finanzminister ein.

"Ich brauche Ihre Entschlossenheit für dieses europäische Aufbäumen, und ich bin darauf angewiesen, dass wir gemeinsam nicht nachgeben: weder gegenüber den Nationalisten, noch gegenüber den Skeptikern." Er stellte dabei erneut die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Deutschland heraus.

Zugleich kündigte der sozialliberale Präsident an, sich für mehr Zusammenhalt des Landes einzusetzen. "Wir haben uns zu lange zu oft gespalten", so Macron. Vor diesem Hintergrund richtete er einen Aufruf an seine Mitbürger, der an ein bekanntes Zitat des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy erinnerte: "Fragen Sie sich jeden Morgen, was Sie für das Land tun können."

Theresa May
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Theresa May

Während Merkel und Macron sich für Europa stark machen, will Großbritannien die EU verlassen. Die britische Premierministerin Theresa May hat in ihrer Neujahrsansprache einen erfolgreichen Brexit, eine Stärkung der Wirtschaft und eine fairere Gesellschaft für jeden versprochen. "Die meisten Menschen wollen einfach, dass die Regierung weitermacht und einen guten Brexit abliefert" - unabhängig davon, ob sie für oder gegen den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hätten, sagte May in London. Insgesamt sei 2017 ein "Jahr des Fortschritts" für Großbritannien gewesen.

Außerdem versprach sie gleichzeitig die Staatsverschuldung senken zu wollen und in Schulen, Polizei und Gesundheitsversorgung zu investieren. "Ich glaube daran, dass 2018 ein Jahr von erneuertem Vertrauen in und Stolz auf unser Land sein kann."

Alexis Tsipras
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Alexis Tsipras

Auch der griechische Regierungschef Alexis Tsipras gab sich bei seiner Neujahrsansprache betont zuversichtlich, dass das Land im neuen Jahr finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen könne.

"Erlauben Sie mir heute eine Gewissheit mit Ihnen zu teilen: Nach fast acht Jahren werden wir 2018 endlich atmen können und die Ära der harten Sparmaßnahmen hinter uns lassen", sagte Tsipras in seiner Fernsehansprache. Das dritte Hilfspaket für Griechenland seit 2010 in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro läuft im August 2018 aus. Athen hofft, bis dahin das nötige Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewonnen zu haben, um sich wieder eigenständig Kapital beschaffen zu können.

Wladimir Putin
REUTERS

Wladimir Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen Landsleuten für das neue Jahr einen "Wechsel zum Besseren" gewünscht. Er sprach von "Friede und Wohlstand für unser großes Russland". Das Staatsfernsehen strahlte seine Neujahrsansprache landesweit aus. Den Russen dankte er für ihren Glauben an sich selbst und ihr Land.

Außerdem rief er zu mehr Zusammenhalt zwischen den Generationen auf. Junge Menschen sollten sich um ihre Eltern kümmern, forderte Putin. Gleichzeitig sollten die Älteren versuchen, die Hoffnungen und Träume der Jugend zu verstehen. Besonders junge Menschen gingen in diesem Jahr mit der Forderung nach einem Wechsel an der Staatsspitze massenweise auf die Straße.

Putin strebt im März 2018 seine Wiederwahl als Präsident an. Sollte er die Wahl gewinnen, könnte er bis 2024 an der Macht bleiben.

Xi Jinping
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Xi Jinping

China wird im Neuen Jahr nach den Worten seines Staatschefs Xi Jinping seinen Teil zur Verteidigung der internationalen Weltordnung und zum Klimaschutz beitragen. In seiner Neujahrsansprache sagte Xi am Sonntag zudem, dass der Lebensstandard für die chinesische Bevölkerung verbessert werden solle. Die Nation sei 2018 wirtschaftlichen Reformen verpflichtet.

Konkret sagte Xi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, dass bis 2020 alle armen Landbewohner über die Armutsgrenze gebracht werden sollten. Es wäre dann das erste Mal in Tausenden Jahren chinesischer Geschichte, dass extreme Armut beseitigt worden wäre, sagte er. Xi fügte hinzu: "Das ist unser feierliches Versprechen."

Der Präsident räumte auch Versäumnisse der Regierungspolitik ein. Der Verantwortungssinn müsse gestärkt und das Wohl des Volkes im Auge behalten werden. Mit Blick auf die internationale Politik hob Xi hervor, dass China nachdrücklich für "die Autorität der Vereinten Nationen" einstehen werde. Auch seine Verpflichtungen für den Klimaschutz werde sein Land einhalten.

Donald Trump
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Donald Trump

US-Präsident Donald Trump ist ein scharfer Kritiker der Vereinten Nationen und hält auch nichts vom Pariser Klimaschutz-Abkommen. Er beschloss das Jahr mit mehreren Tweets. Darin feierte er die beschlossene Steuerreform und die gute Börsenentwicklung.

In seiner Aufzählung dessen, was er als erfüllte Wahlversprechen und Erfolge bezeichnete, nannte Trump auch den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat", die Verteidigung des Rechts, Waffen zu tragen, die Ernennung republikanischer Richter und die Verstärkung der Grenze zu Mexiko.

Der US-Präsident blickte auch auf die Kongresswahlen 2018. "Warum sollten schlaue Wähler Demokraten in den Kongress schicken, wenn deren Politik den großen Reichtum vollständig vernichten würde, der in den Monaten seit der (Präsidenten-)Wahl geschaffen wurde?", fragte Trump. Den Menschen gehe es nun so viel besser als vorher.

Trump twitterte aus seiner Residenz in Mar-a-Lago in Florida, wo er die Feiertage verbringt.

Papst Franziskus
AP

Papst Franziskus

Zum Jahresende hat Papst Franziskus ein düsteres Bild gezeichnet. "Auch die Zeit des Jahres 2017 (...) haben wir Menschen in vielerlei Hinsicht mit Taten des Todes, mit Lügen und Ungerechtigkeiten verschwendet und verwundet", sagte der Pontifex in einem Gottesdienst an Silvester im Petersdom.

Vor dem Jahreswechsel warnte der Papst vor der Grausamkeit eines Atomkriegs. Dafür ließ er am Wochenende ein Foto verbreiten, das 1945 im japanischen Nagasaki nach dem Abwurf einer Atombombe durch die USA entstanden ist. Darauf zu sehen ist ein Junge, der seinen toten Bruder auf dem Rücken zu Grabe trägt - nach den Worten von Franziskus "die Frucht des Krieges". Der Argentinier hatte angesichts der Spannungen zwischen den USA und Nordkorea im Atomkonflikt Abrüstung gefordert.

António Guterres (Archivbild)
REUTERS

António Guterres (Archivbild)

Uno-Generalsekretär António Guterres hat angesichts der Konflikte und Gefahren weltweit die "Alarmstufe rot" für den Planeten Erde ausgerufen. Als er vor einem Jahr sein Amt angetreten habe, habe er dazu aufgerufen, 2017 zu einem Jahr des Friedens zu machen, erinnerte Guterres in seiner Neujahrsansprache am Sonntag. "Leider ist das Gegenteil eingetreten." Die Konflikte hätten sich verschlimmert, neue Gefahren seien aufgetaucht.

Noch nie zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges seien die durch Atomwaffen ausgelösten Sorgen so groß gewesen, erklärte Guterres in Anspielung auf den Konflikt mit Nordkorea weiter. "Der Klimawandel ist schneller als wir", die Ungleichheiten würden immer größer, begleitet von "schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen".

Guterres mahnte, die Konflikte könnten gelöst, der Hass überwunden "und unsere gemeinsamen Werte geschützt" werden. "Aber wir müssen geeint sein, um das zu schaffen." Die Einheit sei der Weg, "unsere Zukunft hängt davon ab", fügte der Uno-Generalsekretär hinzu.

koe/itz/dpa/Reuters/AFP

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omanolika 01.01.2018
1. Zukunftsvisionen...?
Manche Europäer wolllen stärker zusammenstehen, andre wollen ja lieber schnell aus der EU rausgehen, wieder andere kommen nun raus aus den Schulden, und Putin muss sich ja bis zur Wiederwahl gedulden, wünscht sich aber Zusammenhalt der Generationen, was mal etwas Positives ist, in den Zukunftsvisionen. Wirklich überaus positiv ist nun außerdem, dass China ernst nimmt das Klimaproblem, und die Armut im eigenen Land bekämpfen will, manch anderer wäre lieber geblieben still, denn, selbst wenn man ist nicht kleinlich, der mächtigste Narzist ist richtig peinlich. So manche Oberhäupter der Religionen, sehen die Zukunft gar in Horrorvisionen, und auch der jetzige Chef der Vereinten Nationen, neigt nicht grad zu optimistischen Spekulationen.. Sind bald alle vereint? getrennt? Gibt es Frieden oder werden wir uns bekriegen? Die Realität wird - wie meistens - wohl irgendwo dazwischen liegen...
weltenglas 01.01.2018
2. Kennedy aktuell
"Fragen Sie sich jeden Morgen, was Sie für das Land tun können." Dieses Kennedy-Zitat ist gut.
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