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Datenleck: Obama spielt Bedeutung der Afghanistan-Dokumente herunter

Keine neuen Sachverhalte, alles halb so schlimm: US-Präsident Obama bemüht sich nach der Veröffentlichung von mehr als 90.000 geheimen Militär-Akten um Schadensbegrenzung. Es würden nur bekannte Probleme aufgezeigt - trotzdem könnten die Enthüllungen den Truppen schaden.

US-Präsident Obama: "Verletzung von Bundesgesetzen" Zur Großansicht
AP

US-Präsident Obama: "Verletzung von Bundesgesetzen"

Washington - Die Veröffentlichung Zehntausender Militärakten zum Afghanistan-Krieg im Internet hat laut US-Präsident Barack Obama keine Geheimnisse enthüllt. "Die Dokumente offenbaren keine Sachverhalte, die nicht schon Teil der öffentlichen Diskussion über Afghanistan waren", sagte Obama am Dienstag in Washington.

Vielmehr zeigten die Papiere aus den Jahren 2004 bis 2009 bekannte Probleme auf, wegen derer er im vergangenen Jahr die Afghanistan-Strategie der USA ausführlich überarbeitet habe. Jedoch sei er besorgt über die Preisgabe der mehr als 91.000 überwiegend geheimen Militärdokumente. Diese waren zunächst an die Enthüllungsplattform WikiLeaks gelangt - und dann über Wochen durch den SPIEGEL, den Londoner "Guardian" und die "New York Times" sorgfältig ausgewertet worden.

"Das könnte möglicherweise einzelne Beteiligte der Operation in Gefahr bringen", so der Präsident. Eine Untersuchung soll nun klären, wie die Dokumente ans Licht kamen.

Das Weiße Haus kritisierte die Veröffentlichung auf Wikileaks als "Verletzung von Bundesgesetzen". Obama zeigte sich besorgt über mögliche Konsequenzen für "einzelne Beteiligte der Operation". Der Schritt "hat das Potential, sehr schädlich zu sein, für Militärangehörige, für jene, die mit unserem Militär zusammenarbeiten und für jene, die für unsere Sicherheit sorgen", sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs. Die Veröffentlichung sei eine besorgniserregende Entwicklung, was die Sicherheit von Operationen angehe.

Obama hatte im letzten Dezember eine neue strategische Ausrichtung für den Krieg vorgelegt, die unter anderem auf eine massive Truppenaufstockung baut. Zudem legt sie den Fokus auf eine nachhaltige Befriedung der Region unter Beteiligung der Bevölkerung und der afghanischen Regierung.

Die Unterlagen geben unter anderem Hinweise darauf, dass die Zahl der zivilen Opfer höher ist als angenommen. Zudem geht aus ihnen hervor, dass US-Militärs über Jahre von einer direkten Kooperation von Pakistans Militärgeheimdienst ISI mit den Taliban ausgingen. Auch wird der Einsatz von Geheimkommandos gegen die Taliban beschrieben.

Bei den Unterlagen handelt es sich größtenteils um Meldungen der Truppen aus dem Feld. Zahlreiche Berichte konnten nicht verifiziert werden. Trotzdem halten die Militärs viele ihrer Quellen - darunter afghanische Informanten und Sicherheitskräfte - für glaubwürdig.


Die zentralen Erkenntnisse aus den Dokumenten - hier der Überblick:

jok/dpa

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Forum - Ist der Afghanistankrieg noch zu gewinnen?
insgesamt 4924 Beiträge
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1. Wie oft soll dieser Krieg
Gandhi, 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
denn noch gewonnen werden? Wie oft sollen wir uns denn noch anhoeren muessen, dass jetzt die entscheidenden 6 Monate kommen? Dass, wenn "wir" alles richtig machen, der Krieg dann gewonnen ist. Ich kann es schon gar nicht mehr hoeren. Das Einzige, was diesen Krieg beendet, ist ein Ereignis, bei dem eine grosse Menge Soeldner sich aus dieser Welt verabschieden. Dann wird der politische Druck so gross, dass das Gerede davon, dass Freiheit und Demokratie in Afghanistan die Opfer wert sind, untergeht im Protest. Die Afghanen sollen ihren eigenen Weg gehen, ihre eigenen Probleme loesen. Von aussen koennen deren Probleme auch nicht in 10 oder 20 Jahren geloest werden.
2. Titel
ayamo, 25.07.2010
Plain and simple? Ein militärischer Sieg? Auf gar keinen Fall. Irgendein schaler Verhandlungsfrieden mit den Taliban wäre allerdings auch nicht ideal, da diese sich nicht an solche Verträge/Vereinbarungen halten.
3.
kleenermann 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Wie oft soll diese Frage noch gestellt werden? Nein, man kann ihn nicht gewinnen.
4. Wo ist der Aha-Effekt?
edgarzander 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Enthüllungen? Ich hätte mir da ein bischen mehr erwartet und war nach dem Durchlesen des Artikels irgendwie enttäuscht. Ist doch alles inzwischen mehr oder weniger bekannt...
5. red herring
machorka-muff 25.07.2010
der westen kann und braucht in afghanistan nicht zu gewinnen: abmarsch! die sache mit der enthüllung brisanter kriegsdokumente riecht faul - wahrscheinlich der nächste verarschungs coup der cia.
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