Datenlese So haben die Schweizer Kantone abgestimmt


Im Kanton Uri haben 58 Prozent gegen starke Zuwanderung gestimmt - dabei leben dort wenige Ausländer, die Arbeitslosigkeit ist minimal. Interaktive Karten zeigen: "Gegen Masseneinwanderung" haben sich vor allem Menschen ausgesprochen, die dieses Phänomen kaum kennen.

Das Schweizer Votum "gegen Masseneinwanderung" war nur im Durchschnitt knapp. Während insgesamt 50,3 Prozent der Stimmberechtigten mit Ja gestimmt haben, waren es in Genf und Basel weniger als 40 Prozent. Anderswo dagegen lag dieser Anteil deutlich über 60 Prozent, darunter die Kantone Tessin und Schwyz.

Diese Spannbreite ermöglicht eine tiefere Analyse: Wer sind die Schweizer, die sich vor stärkerer Zuwanderung fürchten? Leben sie in Problembezirken? Oder kennen sie Migration, Arbeitslosigkeit und Kriminalität allenfalls aus den Nachrichten? Eine Antwort darauf liefert die offizielle Statistik der 26 Kantone. Und sie ist erstaunlich eindeutig.

Wenige Ausländer, schwache Wirtschaft

Vergleicht man den Anteil der Ja-Stimmen mit anderen Kennzahlen, dann finden sich mehrere, teilweise starke statistische Zusammenhänge. Etwa zwischen Abstimmungsergebnis und Kriminalität: Wo mehr Schweizer "gegen Masseneinwanderung" gestimmt haben, werden tendenziell seltener Straftaten verübt. Besonders friedlich geht es im Kanton Appenzell Innerrhoden zu, mit nur 24 Straftaten je 1000 Einwohner im Jahr 2012. Mit Ja stimmten hier fast 64 Prozent der Stimmberechtigten.

Die Korrelationen bedeuten zunächst nur einen statistischen Zusammenhang zwischen zwei Werten, keinen kausalen. Auffällig ist dennoch, dass sie bei Arbeitslosigkeit, Ausländeranteil und Kriminalität in dieselbe Richtung weisen. Gerade wo diese Phänomene selten sind, haben sich viele Menschen gegen starke Zuwanderung ausgesprochen. Was sie befürchten, scheint ihnen auch im täglichen Leben fremd zu sein.

Aus wirtschaftlicher Sicht aber geht es den Kantonen mit einem hohen Anteil an Ja-Stimmen nicht eben gut. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner ist hier besonders niedrig, nur 49.000 Franken sind es im Kanton Uri. Basel dagegen zählt stolze 157.000 Franken je Einwohner. Jeder dritte von ihnen hat einen ausländischen Pass.

che/nik

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