Cameron-Empfehlung Dicker Pulli gegen hohe Heizkosten

Thilo Sarrazin bezog einst Prügel für diesen Satz - nun ist David Cameron dran: Die Briten könnten Heizkosten sparen, wenn sie sich einen Pullover anzögen, sagte ein Sprecher des britischen Premiers. Sobald der Proteststurm anhob, zog er die Empfehlung eilig zurück.

David Cameron: Nicht so gemeint
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David Cameron: Nicht so gemeint


London - Als der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin 2008 den Deutschen riet, die Heizung runterzudrehen und einen dicken Pulli anzuziehen, war der Aufschrei groß. Von "sozialer Kälte" war die Rede, selbst die CDU fand die Empfehlung "zynisch".

In Großbritannien hat nun ein Sprecher von Premierminister David Cameron den gleichen Fehler begangen. Angesichts der steigenden Energiepreise sollten die Briten "vielleicht darüber nachdenken", zu Hause einen Pulli anzuziehen, sagte der Sprecher beim täglichen Briefing der Londoner Hauptstadtpresse. Der Satz wurde von den Reportern und der Labour-Opposition sogleich begierig aufgegriffen. Camerons Energiepolitik bestehe also darin, dass die Leute einen Pulli anziehen sollten, ätzte Oppositionsführer Ed Miliband.

Kurze Zeit später teilte die Downing Street mit, der Satz sei nicht so gemeint gewesen. Cameron wolle den Leuten auf keinen Fall vorschreiben, was sie anzuziehen hätten. "Um es klar zu sagen: Es wäre komplett falsch zu suggerieren, der Premier empfehle den Leuten, sie sollten einen Pulli anziehen, um sich warm zu halten", sagte ein Sprecher. Da war es jedoch schon zu spät, die Debatte hatte sich längst verselbständigt, in den sozialen Netzwerken diskutierten die Leute über die Vorteile von Rollkragenpullovern.

British Gas will Preise um zehn Prozent anheben

Die hohen Energiekosten sind derzeit ein zentrales Thema der politischen Debatte. Miliband hatte auf dem Labour-Parteitag im September angekündigt, im Fall seiner Wahl zum Premierminister als Erstes die Energiepreise für 20 Monate auf dem bestehenden Niveau einzufrieren. Der Ärger über die sechs großen Energieversorger, die sich den Markt aufteilen, ist groß. Diese Woche kündigte Marktführer British Gas an, die Preise vor dem Winter um zehn Prozent anzuheben.

Milibands Kampfansage an die Energiekonzerne wird laut Umfragen von einer Mehrheit der Briten unterstützt. Die liberalkonservative Koalition tut sich bislang schwer, eine Antwort auf den Vorstoß zu finden. Ein Eingreifen des Staates in den Markt lehnt sie ab. In der Fragestunde des Premierministers hatte Cameron am Mittwoch empfohlen, die Kunden von British Gas sollten einfach den Versorger wechseln.

Energieminister Ed Davey war am Donnerstagabend in der BBC-Sendung "Newsnight" ebenfalls auf das Thema "Pullover im Haus" angesprochen worden. "Ich bin sicher, die Leute tragen Pullis", hatte der Liberaldemokrat geantwortet. "Ich trage Pullis zu Hause". Aber man müsse den Bürgern natürlich helfen, die Energiekosten niedrig zu halten. Die Regierung tue das, indem sie Energie-Effizienz fördere.

cvo

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schelmig13 18.10.2013
1. ich glaube der Satz war...
genau so gemeint wie er ausgesprochen wurde! Meingott was für ein Abschaum! Diese Abgeordneten sind sowas von abgehoben, dass die das nicht einmal selbst merken wie ASOZIAL ihr eigenes Verhalten beim dummen Wählervolk ankommt
lackehe 18.10.2013
2. Einen Prost testieren?
Einen Protest anmelden? Haben wir doch alle hinter uns gebracht. Keine geeigneten Schuhe im Winter kein Material zum heizen, keine Wasser zum Baden. Immerhin haben wir etwas dafür getan, dass es heute alles im Übermaß gibt. Wir haben gespendet und erarbeitet. Das ist schlecht angekommen, darum will man heute das Gegenteil, denen beweisen, die Schuld daran tragen. Ich sage Danke, genug ist genug.
joe_spon 18.10.2013
3. Stimmt doch
Natürlich wird diese Aussage von allen Gegnern genüsslich ausgeschlachtet, aber im Grunde hat er recht. Ich hatte mal Mieter, die sich über die hohe Nebenkostenabrechnung beschwerten. Also war ich im Winter mal in deren Wohnung, um zu prüfen, ob vielleicht was nicht in Ordnung ist. War es auch nicht: Sie liefen beide in kurzen Hosen und T-Shirt bei gemessenen 25° herum und meinten, das wäre schließlich eine angenehme Temperatur... Also, einfach warm anziehen. Das müssen wir uns in Zukunft sowieso alle :-)
schelmig13 18.10.2013
4. cameron-er hat das...
nicht so gemeint, klingt wie beim Hund -der tut nix-. Doch genauso hat er es gemeint und da kommt sicher noch mehr Asoziales aus der Ecke und keiner merkt sich diese Äuserungen.
fizmat 18.10.2013
5. Possenspiele
Zitat von sysopAFPThilo Sarrazin bezog einst Prügel für diesen Satz - nun ist David Cameron dran: Die Briten könnten Heizkosten sparen, wenn sie sich einen Pullover anzögen, sagte ein Sprecher des britischen Premiers. Sobald der Proteststurm anhob, zog er die Empfehlung eilig zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/david-cameron-empfiehlt-warmen-pulli-gegen-hohe-heizkosten-a-928687.html
Wo ist eigentlich das Problem? Es gibt doch dauernd gute Ratschläge zur Einsparung von Energie. Ich habe noch neulich irgendwo eine ganze Liste davon gelesen, das war natürlich im Zusammenhang mit der Erhöhung der Umweltabgabe. Da darf man Leute über den Gebrauch (bzw. Unterlassung) des Standby-Modus, richtiges Lüften und Ähnliches beschulmeistern. Aber wenn ein absolut sinnvoller Vorschlag von der falschen Seite kommt, dann ist es eine "Posse". Eine geringere Raumtemperatur spart wesentlich mehr als die meisten dieser wohlfeilen Ratschläge und sie ist auch gesünder. Sie spart sicher mehr als die Glühlampenverordnung. Bei dieser hat man sich nicht auf einen wohlgemeinenden Ratschlag beschränkt sondern sie mit Zwang durchgesetzt. Die wirklichen Possen sind die, die man uns verordnet, ziemlich traurige allerdings.
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