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Debatte über Minarett-Verbot "Der Islam ist in Europa wichtiger als das Christentum"

Minarett in Rendsburg: "Es ist ein Fehler, die Religiosität der Muslime zu verachten"Zur Großansicht
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Minarett in Rendsburg: "Es ist ein Fehler, die Religiosität der Muslime zu verachten"

2. Teil: "Das türkische Deutschland erinnert mich an das chinesische Amerika"

SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie die Situation in Deutschland?

Caldwell: Deutschland ist in vielerlei Hinsicht ein Spezialfall. Es gibt vermutlich kein anderes europäisches Land, in dem die muslimische Gemeinschaft so stark und so homogen ist. Das türkische Deutschland erinnert mich ein wenig an das chinesische Amerika: Es gibt sehr erfolgreiche Leute, aber einen sehr niedrigen Grad an Integration.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Denker wie Bassam Tibi oder den umstrittenen Tariq Ramadan, die einen Euro-Islam fordern, und die sagen, dass Muslime sich sehr wohl an europäische Werte anpassen können.

Caldwell: Bestimmt wird der Islam sich an Europa anpassen. Das hat er überall getan, wohin er sich ausgebreitet hat. Und gewiss können Muslime gute Europäer sein. Doch das Urteil fällen auch die nichtmuslimischen Europäer. Die Volksabstimmung in der Schweiz zeigt: Muslime können zu Europäern werden und den Eindruck gewinnen, sich der Mehrheitsgesellschaft angenähert zu haben. Und doch ist das für Nichtmuslime offenbar nicht befriedigend.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt eine große Frage, die Sie auch in ihrem Buch nicht beantworten: Was ist die Lösung?

Caldwell: Ich habe keine Lösungen. Man hat mich dafür kritisiert. Aber die Aufgabe war groß genug, diese Konfliktlinien einmal nüchtern darzustellen, denn die Sicht auf das Problem war in Europa lange von Tabus und von Wunschdenken verstellt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehr ist ihre Sicht von der Tatsache geprägt, dass Sie Amerikaner sind?

Caldwell: Als Außenstehender hat man den Vorteil, dass einem eher die Gemeinsamkeiten innerhalb Europas auffallen als die Unterschiede. Man fühlt sich auch weniger an Tabus gebunden. Ich komme aus einem Land, das Erfahrung mit einer multiethnischen Gesellschaft hat. Als Amerikaner würde ich nie auf die Idee kommen, dass eine zahlenmäßig so kleine Gemeinschaft wie die europäischen Muslime nicht einen gewaltigen Einfluss auf die Gesellschaft haben können. Die Afroamerikaner machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Aber wir hatten schreckliche Rassenprobleme, die unser Land erschüttert haben.

SPIEGEL ONLINE: Ist Amerika erfolgreicher darin, seine Einwanderer zu integrieren?

Caldwell: Ich glaube, es hat mit der Unbarmherzigkeit der amerikanischen Wirtschaft zu tun. Entweder man wird ein Teil davon oder man geht wieder nach Hause. Es gibt mehr Einwanderer am Arbeitsplatz, und dort findet ja auch ein wichtiger Teil der Integration statt. In Europa wird Einwanderern permanent unterstellt, dass sie nicht arbeiten wollen. Das gibt es in den USA nicht.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt das?

Caldwell: Es gibt in den USA keinen Wohlfahrtsstaat nach europäischem Muster, und ich glaube, er passt auch nicht zu Einwanderung im großen Stil. In einer ethnisch diversen Gesellschaft kennen sich die Leute weniger, und deswegen sind sie auch weniger bereit, Steuern für Sozialleistungen zu bezahlen. In Frankreich beziehen zwei Drittel der Imame Sozialleistungen. Ich habe nichts gegen Imame, aber ich glaube nicht, dass viele Franzosen über diese staatliche Subventionierung von Religion glücklich sind.

Das Interview führte Mathieu von Rohr

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insgesamt 98 Beiträge
delta058 09.12.2009
Vor allem hat der Autor recht. In vielen Ländern Europas herrscht nach wie vor eine Zensur der Meinungen die nicht pc sind. Die Umfragen die sich der Autor wohl als Vergleich herannahm sind ein besinders gutes Zeiche dafür. [...]
Zitat von sysopDie Integration der Muslime gelingt nicht so, wie es sich die Europäer vorstellen. Schuld daran ist die Mehrheitskultur selbst, meint Einwanderungsexperte Christopher Caldwell im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Sie setzt sich mit dem Islam zu wenig auseinander - und kommt ihm zu weit entgegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,665841,00.html
Vor allem hat der Autor recht. In vielen Ländern Europas herrscht nach wie vor eine Zensur der Meinungen die nicht pc sind. Die Umfragen die sich der Autor wohl als Vergleich herannahm sind ein besinders gutes Zeiche dafür. Umfragen die nicht das gewünschte Ergebnis bringen werden entweder ganz schnell gelöscht (geschiet z.B. auch gerne mal bei SPON) oder manipuliert, weil man so hofft die Leute zu beeinflussen (bei Wahlen nicht ganz unüblich). Das geschrei ist dann allerdings groß, wie die gefälschten Werte plötzlich mit der Realität aufeinander prallen, allerdings wird dann immer die Schuld bei der Bevölkerung nicht beim verlogenen System gesucht.
Wenn man seine Freiheit nicht verteidigt, muß man sich nicht wundern, das sie irgendwann weg ist. Ich möchte nur nicht, das meine Kindeskinder irgendwann mal nach den Regeln des Islam leben müssen, weil eine entsprechende [...]
Wenn man seine Freiheit nicht verteidigt, muß man sich nicht wundern, das sie irgendwann weg ist. Ich möchte nur nicht, das meine Kindeskinder irgendwann mal nach den Regeln des Islam leben müssen, weil eine entsprechende muslimische Interessenvertretung dafür gesorgt hat. Dafür genügen auch demokratische Anteile in unserem Parteiensystem. Diese islamischen Parteien wird es irgendwann geben. Die Ausseinandersetzung geht nicht zw. Christentum und Islam, es geht um die Werte unserer Verfassung und Freiheit gegen eine Ideologie mit politischem Anspruch und Regeln für den Alltag. Ich hoffe die westliche Gesellschaft schafft das..
Die Überschrift gibt ein verschobenes Bild des Interviews wieder. Caldwell hält nicht den Islam in Europa für wichtiger als das Christentum, sondern sagt, die mediale Präsenz und die Diskussion darüber erwecken diesen [...]
Zitat von sysopDie Integration der Muslime gelingt nicht so, wie es sich die Europäer vorstellen. Schuld daran ist die Mehrheitskultur selbst, meint Einwanderungsexperte Christopher Caldwell im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Sie setzt sich mit dem Islam zu wenig auseinander - und kommt ihm zu weit entgegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,665841,00.html
Die Überschrift gibt ein verschobenes Bild des Interviews wieder. Caldwell hält nicht den Islam in Europa für wichtiger als das Christentum, sondern sagt, die mediale Präsenz und die Diskussion darüber erwecken diesen Eindruck.
heinrichp 09.12.2009
Das ganze Problem ist die Religion selbst. Ohne das Verständnis was Religion eigentlich bedeutet, wird die Integration der Muslime in Europa nicht gelingen, auch nicht die Integration der Christen in der Türkei und andern [...]
Zitat von sysopDie Integration der Muslime gelingt nicht so, wie es sich die Europäer vorstellen. Schuld daran ist die Mehrheitskultur selbst, meint Einwanderungsexperte Christopher Caldwell im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Sie setzt sich mit dem Islam zu wenig auseinander - und kommt ihm zu weit entgegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,665841,00.html
Das ganze Problem ist die Religion selbst. Ohne das Verständnis was Religion eigentlich bedeutet, wird die Integration der Muslime in Europa nicht gelingen, auch nicht die Integration der Christen in der Türkei und andern islamischen Länder im Nahen Osten. Der Begriff "Religion" wird heutzutage im allgemeinen missverstanden. Üblicherweise assoziiert man damit ein bestimmtes Glaubensbekenntnis oder eine bestimmte Konfession (lat. confessio, Bekenntnis). Diese Assoziation ist aber oberflächlich und irreführend... Religion leitet sich vom lateinischen "religio" her, was "Rückbindung" bedeutet. Es bezieht sich also auf den Umstand, dass wir eine Verbindung zu etwas aufgegeben haben und es nun unsere Aufgabe ist, uns wieder aufs neue damit zu verbinden. Religion bezieht sich also auf die Bemühung, sich wieder mit der Wirklichkeit zu verbinden. Natürlich sind wir in einem Sinne jeden Augenblick mit dieser Wirklichkeit verbunden. Rückbindung kann sich also nur darauf beziehen, diese Tatsache wieder bewusst anzuerkennen. Religion ist also ein System, das den Menschen dazu erzieht, die Realität so anzunehmen, wie sie wirklich ist. Religion hat auch nichts mit den verschiedenen Glaubensbekenntnissen dieser Welt zu tun. Im Laufe der Geschichte erscheinen überall auf der Erde autorisierte religiöse Lehrer, die gemäß Zeit, Ort und Umständen versuchen, den Menschen die Realität zu erklären und sie zu bewegen, zu ihrem eigenen Glück und Vorteil wieder im Einklang mit den Gesetzen der Wirklichkeit zu leben... http://www.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-476/i.html
los 09.12.2009
Leider scheint es in der islamischen Welt wie überall sonst auch zu sein: Die Radikalen schreien am lautesten und sind deshalb am einfachsten wahrzunehmen. Aber: Das Bild "des Islams im Westen" hat in den letzten 10 [...]
Leider scheint es in der islamischen Welt wie überall sonst auch zu sein: Die Radikalen schreien am lautesten und sind deshalb am einfachsten wahrzunehmen. Aber: Das Bild "des Islams im Westen" hat in den letzten 10 Jahren sehr gelitten. Und die Verbände, Vereine, Politker aus islamischen Ländern... haben nicht wirklich dazu beigetragen, dies zu verhindern, eher im Gegenteil. Und wenn man die Schweizer jetzt an den Pranger stellt, weil eine Volksmehrheit hier diesem Bild Rechnung getragen hat, dann ist das um sio bedenklicher, denn es bestätigt die Wahrnehmung vom Islam, nur solange "demokratisch" zu sein, wie es um die Wahrung und Mehrung seiner Rechte geht, nicht aber, wenn es um Limitierungen geht. Genau dieses Bild aber ist es, das "den Islam" unpopulär macht. Letztendlich geniessen Moslems hier deutlich mehr Rechte und Freiheiten, als Andersgläubige in vielen islamischen Staaten. Im Klartext: Europa hat fast 1000 Jahre gebraucht, um sich von einer religiösen Herrschaft zu befreien, wir brauchen keine Wiederholung. Wer nur nach den Regeln seiner religion leben will, der muß eben in ein Land gehen, in dem diese möglich ist. Hier geht das eben nur, solange diese Regen mit unseren Gesetzen vereinbar sind. Die stehen über dem Koran, der Bibel, der Thora... Und so soll es auch bleiben.
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Zur Person
Brendan Hoffman / WpN
Christopher Caldwell, ist Senior Editor beim "Weekly Standard" und schreibt für die "Financial Times", das "Wall Street Journal" und die "New York Times". Er ist Autor des Buches "Reflections on the Revolution in Europe" über die muslimische Einwanderung in Europa.

Fotos Action Press (2), AP, Getty Images

Heft 50/2009:
Das verlorene Jahrzehnt

Was die Welt aus einer Dekade der Unvernunft lernen muss

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