Geleakte E-Mails Parteichefin der US-Demokraten tritt zurück

Am Montag beginnt der Parteitag der US-Demokraten. Nun hat die Vorsitzende Wasserman Schultz überraschend angekündigt, ihr Amt nach dem Konvent aufzugeben. Hintergrund ist eine E-Mail-Affäre.

Debbie Wasserman Schultz
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Debbie Wasserman Schultz


Kurz vor Beginn des Konvents der US-Demokraten hat Parteichefin Debbie Wasserman Schultz offenbar nach massivem Druck ihren Rücktritt angekündigt. Anlass ist die Veröffentlichung von gehackten E-Mails, die darauf hindeuten, dass der Parteivorstand im Vorwahlrennen Hillary Clinton von vornherein den Vorzug gab.

Ihr schließlich unterlegener Rivale Bernie Sanders hatte wiederholt beklagt, dass die interne Wahlprozedur zugunsten von Bewerbern aus dem Establishment manipuliert sei. Die gehackten E-Mails aus dem vergangenen Jahr waren von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht worden. In einer davon soll sich ein ranghohes Mitglied des Parteivorstands danach erkundigt haben, wie man Sanders' religiöse Einstellung als Waffe gegen den Clinton-Rivalen einsetzen könne.

Wasserman Schultz will ihr Amt nach dem Parteitag in Philadelphia abgeben. Sowohl Clinton als auch US-Präsident Barack Obama bedankten sich bei ihr für ihre Arbeit. Wasserman Schultz war fünf Jahre lang Parteichefin. Der Posten in den USA ähnelt dem eines Generalsekretärs in Deutschland.

Die Demokraten sind bemüht, auf ihrem Parteitag ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln - auch, um sich damit besonders deutlich von den Republikanern und ihrem chaotischen Konvent abzugrenzen. In Philadelphia soll Clinton offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt werden, als ihren Vize hat sie Tim Kaine vorgestellt. Sanders hatte sich erst vor Kurzem offiziell geschlagen gegeben und hinter Clinton gestellt. Den Rückzug von Wasserman Schultz begrüßte er.

Bloomberg unterstützt Clinton

In Philadelphia wird unter anderem Michael Bloomberg eine Rede halten und seine Unterstützung für Clinton bekanntgeben. Er war 2001 als Republikaner in das Amt des Bürgermeisters von New York gewählt worden und hat sich in den vergangenen Wochen immer wieder gegen ihren republikanischen Kontrahenten Donald Trump ausgesprochen.

Bloomberg hatte sich eigenen Angaben zufolge gegen eine eigene Kandidatur im Rennen um das Weiße Haus entschieden, um die Chancen für eine Sieg Trumps nicht zu erhöhen: Bei seiner Kandidatur wären Clinton womöglich Stimmen verloren gegangen, die einen Sieg des umstrittenen Rechtspopulisten wahrscheinlicher gemacht hätten.

Bloomberg war einst Demokrat, dann wurde er Republikaner, seit 2007 ist er parteilos. Er gründete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg und war von 2002 bis 2013 Bürgermeister von New York.

aar/dpa/AP/Reuters

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