Demokraten-Drama Clinton gewinnt wichtige Vorwahlen in Ohio und Texas - Rückschlag für Obama

Comeback für Hillary Clinton: Sie hat die Zitterpartie um die beiden wichtigen Vorwahlstaaten Texas und Ohio für sich entschieden. Ein Rückschlag für Kontrahent Barack Obama - das Duell der beiden Demokraten geht weiter, aufgeben will keiner.


Houston - Dieser Tag sollte die Vorentscheidung im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bringen - das war die Hoffnung von Barack Obama. Doch weit gefehlt: Die meisten Stimmen in dieser Vorwahlnacht gingen an seine Rivalin Hillary Clinton. Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ist wieder offen, Clinton hat ein wichtiges Comeback geschafft.

Die einstige First Lady gewann laut CNN die Vorwahlen in Ohio und Texas ebenso wie die in Rhode Island. Obama kann nur einen Sieg in Vermont vorweisen.

Hillary Clinton trat schon vor die Kameras, bevor das Ergebnis aus Texas feststand - und ließ sich feiern. Anhänger empfingen sie mit "Hillary, Hillary"-Sprechchören und "Yes, we will"-Rufen in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. "Danke, Ohio", rief sie in die jubelnde Menge. "An alle, die schon abgeschrieben wurden und doch nicht aufgegeben haben, an all jene, die schon mal gestolpert und wieder aufgestanden sind: Das ist für euch", sagte sie in Anspielung auf die verlorenen Vorwahlen der vergangenen Wochen.

Ohio und Texas galten als Schlüsselstaaten im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. "Ihr wisst ja, was alle sagen: Wie Ohio entscheidet, so entscheidet auch das ganze Land", sagte Clinton. "Wir machen weiter, wir sind stark, und wir gehen die gesamte Strecke", sagte sie. "Wir fangen gerade erst an."

Auch Rivale Obama trat schon vor dem Ergebnis aus Texas auf und gab Durchhalteparolen aus. Er widersprach Clinton: Das sei kein Wendepunkt. Der Abstand bei den Delegiertenstimmen der beiden Kandidaten habe sich nach den vier Vorwahlen in dieser Nacht kaum verändert. "Wir sind mitten in einem sehr knappen Rennen. Wir werden die Nominierung gewinnen", sagte er vor jubelnden Anhängern in San Antonio in Texas. "Wir sind bereit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Wir wollen eine neue Führung in Washington, wir wollen Wandel in Amerika." Zugleich gratulierte Obama seiner Konkurrentin zu ihren "hart erkämpften Erfolgen" in den Bundesstaaten Ohio und Rhode Island. Auch dem Republikaner John McCain, der als Kandidat seiner Partei für die Präsidentenwahl am 4. November feststeht, gratulierte er.

Obamas Sieg in Vermont, einem größtenteils von Weißen und Liberalen bewohnten Bundesstaat, ist Wählerumfragen zufolge auf eine breite Zustimmung zurückzuführen. Obama lag demnach sowohl bei Männern als auch bei Frauen in der Wählergunst klar vor Clinton.

Er bekam auch die Mehrheit der Stimmen der Wähler über 65 Jahre, er lag bei den Wählern ohne Universitätsabschluss vorn, und auch die Wähler mit einem Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Dollar (umgerechnet 32.900 Euro) waren auf seiner Seite. In all diesen Gruppen hatte zuvor meist Clinton gepunktet.

Die spannenden Vorwahlen hatten heute viele Menschen in die Wahllokale getrieben. Wenige Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten US-Fernsehsender aus allen vier Bundesstaaten von einer besonders hohen Wahlbeteiligung berichtet.

Aufregung gab es am Abend in Texas. In einer eilig anberaumten Telefon-Konferenz mit Journalisten beschuldigte Clintons Texas-Wahlkampfchef Ace Smith die Gegenseite, in dem US-Bundesstaat zu "skandalösen und undemokratischen Tricks" zu greifen. In einigen Wahllokalen hätten Obamas Parteigänger den Anhängern Clintons den Zugang zu den Wahlversammlungen (Caucuses) verwehrt: "Sie haben die Wahlversammlungen übernommen und Clinton-Anhänger ausgeschlossen, die eigentlich Recht auf Zugang hatten."

Führende Demokraten hatten vor dem Vorwahlen erklärt, dass sie sich von den vier Vorwahlen heute eine Entscheidung erhoffen. Das Rennen solle beendet werden, damit sich der Kandidat auf den Zweikampf mit dem republikanischen Bewerber konzentrieren kann und die Partei keinen Schaden nimmt. Der frühere Präsidentschaftsbewerber und Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, sprach von einem "D-Day" für Clinton. "Wer auch immer nach diesem Dienstag die meisten Delegierten hat, sollte die Nominierung bekommen", sagte er. "Wir müssen gegen einen sehr starken John McCain gewappnet sein. Die Republikaner sind derzeit geeint, sie haben keine Vorwahlen mehr, die sie spalten." Clinton wies dies jedoch zurück. Ein harter Vorwahlkampf sei der Partei nicht abträglich, sagte sie.

Die New Yorker Senatorin hat zuletzt elf Niederlagen in Folge einstecken müssen. Eine erneute Pleite hätte sie sich nicht leisten können: Selbst ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, hatte gesagt, sie müsse in den bevölkerungsreichen Staaten Ohio und Texas gewinnen, um weiter im Rennen zu bleiben.

ffr/AP/AFP/dpa

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