Demokraten-Parteitag Stunde der First Lady

Sie ist viel mehr als die Frau an seiner Seite: Beim Auftritt auf dem Demokraten-Parteitag hält First Lady Michelle Obama eine große Rede an die Nation - und haucht der alten Wahlkampf-Story des US-Präsidenten neues Leben ein. Reicht das für einen Sieg über die Republikaner?

Aus Charlotte, North Carolina, berichtet

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Sie hat die Mutter der Nation aus sich gemacht. "Mom-in-Chief", sagt sie stets, sei doch für sie am Ende der wichtigste Titel. Die Regie spielt ein Video ein, viele Kinder sind zu sehen. Barack Obama erklärt in dem Clip, dass sie die beste Mutter auf der Welt sei, ganz gewiss.

Und dann endlich steht sie da, das Kleid glänzend, rosafarben: Michelle Obama, die First Lady - die Mutter der Nation. Sehnsüchtig erwartet von den Delegierten des Demokraten-Parteitags in Charlotte, North Carolina.

Es ist eine Rolle, die sich die 48-Jährige im Laufe der letzten vier Jahre mehr und mehr zu eigen gemacht hat. Noch im vergangenen Wahlkampf, 2008 galt sie manchen Beratern ihres Mannes als zu ungestüm, als zu verärgert manchmal.

Damals sorgten sich Obamas Strategen, die Frau könne den Wahlsieg gefährden. Jetzt könnte sie Barack Obama vielleicht die Präsidentschaft retten.

Die Verhältnisse haben sich umgekehrt, längst ist Michelle der beliebtere Teil des Paares. Deutlich liegen ihre Umfragewerte über denen ihres Mannes, aktuell stimmen ihr laut CNN 65 Prozent der Befragten zu. Weil die Wirtschaft dümpelt und die Arbeitslosigkeit unverändert hoch ist, weil viele einstige Wähler vom Präsidenten enttäuscht sind, deshalb ist der Auftritt von Michelle Obama auf diesem Parteitag so wichtig.

"Ich machte mir Sorgen"

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Charlotte: Große Emotionen auf dem Parteitag der Demokraten
Sie muss jene packen, die damals einen Messias gewählt, aber einen nicht fehlerlosen Präsidenten bekommen haben. Dabei hilft die Mutter-Perspektive: Michelle berichtet, wie sie und die Kinder die vergangenen vier Jahre mit diesem Mann erlebt haben, der plötzlich Präsident war. "Ich machte mir Sorgen", sagt sie, "was würde das für unsere Töchter bedeuten?" Und würde Obama selbst noch der gleiche Kerl bleiben, der sie mal mit einer Rostlaube durch die Gegend chauffierte, mal einen alten Tisch aus dem Müll fischte?

Schließlich der zentrale Satz ihrer Rede: "Nun, heute, nach so vielen Kämpfen und Triumphen und Momenten, die meinen Mann auf so viele, vorher unvorstellbare Weisen herausgefordert haben, da habe ich gesehen, dass es dich nicht ändert, wenn du Präsident bist - sondern dass es enthüllt, wer du bist." Frenetisch jubeln die Delegierten in der Time Warner Cable Arena.

Soll heißen: Barack ist noch der, den ich geheiratet habe. Und vor allem: Barack ist noch der, den ihr gewählt habt.

Es ist viel vom amerikanischen Traum die Rede bei Michelle Obama. Davon, wie sie beide aufgewachsen sind: Sie in ärmlichen Verhältnissen in der schwarzen South Side von Chicago, der Vater erkrankt an Multipler Sklerose. Er bei den Großeltern, als Außenseiter auf Hawaii.

Und dass sie es beide geschafft haben. Streckenweise ist dieser Teil eins zu eins übernommen aus jener Rede, die Michelle Obama auf dem Wahlparteitag 2008 gehalten hat. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied: Damals stellte sie sich selbst vor, warb um Vertrauen. Jetzt wirbt sie für ihren Mann, sie gibt die Obama-Erklärerin: Warum er die Detroiter Autofabriken gerettet habe? Warum er die Gesundheitsreform mache? "Weil er an Leute wie meinen Vater und seine Großmutter denkt."

Eine Rede an die Nation

Je länger Michelle Obama redet, desto besser wird sie. Es ist mehr als die Rede der Frau an seiner Seite. Es ist eine Rede an die Nation - und insbesondere an deren weiblichen Teil. "Michelle, nicht gewählt und doch eine Königin. Mrs. America. Schlau und eigenständig und witzig, nicht operiert und nicht magersüchtig", schrieb vor vier Jahren der SPIEGEL. Das gilt noch immer. Auch wenn sie sich heute deutlich weichgespülter gibt; wenn das ewige Mutter-Motiv irgendwann ins Kitschige abrutscht; wenn sie ein Buch über ihren Gemüsegarten veröffentlicht oder Amerikas fettleibiger Jugend ein kollektives Fitnessprogramm verordnet.

Während sich der Präsident seit Monaten eine erbitterte Negativ-Kampagne mit den Republikanern und seinem Rivalen Mitt Romney liefert, während sich beide Seiten offensichtlicher Lügen bedienen, während es so scheint, als wolle jeder den anderen nur noch kaputt machen - da erinnert Michelle nun wieder an die Obama-Story, an die Erzählung hinter dieser Präsidentschaft: "Für Barack ist das nicht politisch, für ihn ist das persönlich." Michelle gibt die Obama-Garantie.

Dieser Überbau ist Ann Romney in der vergangenen Woche auf dem Republikaner-Parteitag in Florida nicht gelungen. Sicher, sie hat ihren Mann weicher gemacht, ihn als Familienmensch gezeichnet. Aber sie hatte keine Story parat. Nur wirtschaftlicher Sachverstand, das reicht nicht. Darauf spielt auch Michelle Obama an. Die Probleme, die auf dem Tisch eines Präsidenten landeten, sagt sie, sind keine, "auf die du mit einer Menge von Daten und Zahlen einfach eine Antwort findest". Ein Seitenhieb.

Der Name Romney fällt dabei nicht ein einziges Mal in ihrer Rede. Sie gibt die Überparteiliche. Sie erinnert an das, wofür einst Obama stehen wollte: Für das Brückenschlagen, das Entschärfen des Parteienstreits, das Ende der gegenseitigen Beschuldigungen.

Für all das also, was dem Präsidenten nicht gelungen ist in den vergangenen vier Jahren.

"Change", greift sie am Ende das Motto von damals auf, sei "kompliziert, langsam und es geht auch nie alles auf einmal". Aber schließlich werde man doch ans Ziel gelangen, ganz sicher. Tatsächlich?

Die nächsten Wochen werden es zeigen.

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
blowup 05.09.2012
1. Daumen drücken
Ich drücke Obama die Daumen. Scheint ja insgesamt eine intelligente Wahlkampfstrategie zu verfolgen. Und vollkommen richtig, dass er ein Kernproblem anspricht, das auch bei uns brandaktuell ist: die Erosion / Liquidation der Mittelschicht. Diese hat eine immer noch unterschätzte, stabilisierende Funktion für den Staat. Ohne sie werden wir die Gesellschaft nicht mehr wiedererkennen. Aber hier wir dort wird fahrlässig gezündelt und die Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich überschreitet bald die kritische Größe.
panzerknacker51, 05.09.2012
2. Change?
Zitat von sysopREUTERSSie ist viel mehr als die Frau an seiner Seite: Beim Auftritt auf dem Demokraten-Parteitag hält First Lady Michelle Obama eine große Rede an die Nation - und haucht der alten Wahlkampf-Story des US-Präsidenten neues Leben ein. Reicht das für einen Sieg über die Republikaner? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853954,00.html
Davon ist bis jetzt nicht viel zu sehen. Guantanamo? Afghanistan-Krieg? Alles wie gehabt. Aber es besteht ja die Hoffnung, daß Obama, wie viele Präsidenten vor ihm, in der zweiten Amtszeit so richtig aufdreht.
medienvertreter 05.09.2012
3. Michelle Obamas, leider auch kein Vorbild
Was hat die Dame uns zu sagen, was wirklich von Bedeutung ist? Nichts - rein gar nichts. Forget it.
addit 05.09.2012
4. Fantastische Frau!
Die Welt kann nur hoffen, dass Obama wiedergewählt wird. Zumindest sind da MENSCHEN an der Regierung, keine Roboter, denen Menschlichkeit ein Fremdwort ist.
victogro 05.09.2012
5. optional
Statt Spiegel könnten sie sich gleich The Times nennen. Bis zum Hals schon mit den Amis. Bisschen mehr Europa bitte.
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