Washington - Auch nach der Kongresswahl bleibt im Kapitol alles, wie es ist: Die Republikaner kontrollieren das Repräsentantenhaus, die Demokraten den Senat. Für den wiedergewählten Präsidenten Barack Obama bedeuten die vorläufigen Wahlergebnisse der US-Sender: Er muss auch in seiner zweiten Amtszeit damit rechnen, dass seine Gesetzesvorhaben blockiert werden.
Den USA droht damit bei wichtigen Themen der politische Stillstand wie in den vergangenen beiden Jahren. Der Kampf um die Mehrheiten in den beiden Parlamentskammern galt als entscheidend, um die tiefe Spaltung in der Washingtoner Politik zu überwinden. Die Entwicklungen zur Kongress- und Präsidentenwahl finden Sie hier im Liveticker.
Seit der Protestwahl von 2010 haben die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus, damals eroberten sie die Kammer mit Hilfe der radikalen Tea-Party-Bewegung. Seitdem konnten die Republikaner dort wichtige Gesetzesvorhaben von Obama mehrfach bremsen.
Wieder ein Kennedy im Parlament
Nach ersten Hochrechnungen wurden 69 republikanische und 36 demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses wiedergewählt. Der Präsident der Kammer, John Boehner, wurde ohne Gegenkandidaten in seinem Wahlkreis im Staat Ohio wiedergewählt. Auch der republikanische Mehrheitsführer Eric Cantor aus Virginia zog wieder ins Repräsentantenhaus ein. In Kentucky schlug der konservative Andy Barr den demokratischen Amtsinhaber Ben Chandler. In North Carolina eroberten die Republikaner zwei freigewordene Sitze.
Nach den Wahlen wird wieder ein Kennedy Mitglied des US-Parlaments sein. Joseph Kennedy III., Großneffe des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, holte in einem Wahlbezirk in Massachusetts einen Sitz für das Repräsentantenhaus, wie politico.com berichtete. Der 32-Jährige übernimmt den Wahlbezirk von dem beliebten Demokraten Barney Frank, der sich in den Ruhestand verabschiedet.
Demokraten schlagen radikale Abtreibungsgegner
Gewählt wurden am Dienstag neben den 435 Mitgliedern des Repräsentantenhauses auch 33 der 100 Senatoren. Die Demokraten behalten die Mehrheit im US-Senat, Mehrheitsführer bleibt Senator Harry Reid aus dem US-Bundesstaat Nevada. Die Republikaner hätten vier Sitze gewinnen müssen, um die Macht im Senat zurückzugewinnen, verloren aber mehrere Sitze:
Die vorläufigen Ergebnisse vom frühen Mittwochmorgen deuteten auch darauf hin, dass erstmals eine Senatorin in den Kongress einzieht, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennt: die Demokratin Tammy Baldwin aus Wisconsin.
Laut US-Verfassung sind die beiden Kammern des Kongresses - das Repräsentantenhaus mit seinen 435 Abgeordneten und der Senat mit seinen je zwei Vertretern aus den 50 Bundesstaaten - die obersten Entscheider über alle Gesetze und Gelder. Zudem hat der Senat viele Privilegien: Er kann Personalvorschläge des Präsidenten für hochrangige Ämter in Regierung und Militär sowie für Richter an Bundesgerichten blockieren.
Auf den wiedergewählten Präsidenten Obama warten enorme finanzielle Probleme. Sollten sich Republikaner und Demokraten nicht bis Jahresende auf einen Sparkompromiss einigen, treten 2013 automatisch Steuererhöhungen sowie Ausgabenkürzungen in Milliardenhöhe ("fiscal cliff") in Kraft. Diese Maßnahmen dürften das Wirtschaftswachstum zusätzlich behindern.
heb/dpa/Reuters/AFP/AP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2012 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH