Dank für deutschen Botschafter: Demonstranten in Sofia stürzen "Berliner Mauer"

"Berliner Mauer" vor der deutschen Botschaft: Protest gegen die "Mafia" Zur Großansicht
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"Berliner Mauer" vor der deutschen Botschaft: Protest gegen die "Mafia"

Seit mehr als einem Monat demonstrieren in Bulgarien Tausende gegen die Regierung. Der deutsche Botschafter in Sofia unterstützt die Protestbewegung. Nun haben die Oppositionellen das Engagement des Diplomaten mit einer ungewöhnlichen Aktion gewürdigt.

Sofia/Hamburg - Bulgarische Regierungsgegner haben dem deutschen Botschafter in Sofia auf außergewöhnliche Weise gedankt. Sie errichteten am Dienstagabend vor der Botschaft der Bundesrepublik eine "Berliner Mauer" aus Pappkartons, die sie zum Zeichen ihres Freiheitsstrebens durchstießen.

Auf die Mauer hatten sie das Wort "Mafia" und die Namen der im bulgarischen Parlament vertretenen Parteien geschrieben. Dies sollte die Verbindungen zwischen der Regierung in Sofia und den bulgarischen Oligarchen symbolisieren.

Mit der Aktion bedankten sich die Oppositionellen beim deutschen Botschafter in Sofia, Matthias Höpfner. Dieser hatte in der vergangenen Woche gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Philippe Autié das bulgarische Kabinett zum Dialog mit der Protestbewegung aufgerufen. Sie sprachen sich außerdem dafür aus, dass die bulgarischen Politiker ihre Verbindungen mit den Oligarchen abbrechen.

Seit mehr als einem Monat dauern die Proteste in Bulgarien an

Bulgariens Regierung wies die Kritik aus Deutschland und Frankreich als voreilig zurück. "Die kritischen Einschätzungen können sich nicht auf die Regierung beziehen, die seit eineinhalb Monaten im Amt ist", sagte Außenminister Kristian Wigenin.

Die Oppositionsbewegung in Sofia ist den Botschaftern dennoch für ihre deutlichen Worte dankbar. In der Nacht zum Sonntag, dem französischen Nationalfeiertag, hatten sich die Demonstranten bereits bei Botschafter Autié erkenntlich gezeigt. Sie stellten vor der Vertretung Frankreichs des berühmte Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" von Eugène Delcroix nach.

Reinhard Krapp, Leiter des politischen Referats der deutschen Botschaft in Sofia, dankte den Demonstranten in einer kurzen Ansprache für ihre Aktion. "Ich glaube nicht, dass es so etwas jemals vor einer deutschen Botschaft gegeben hat", sagte Krapp. Die Aktion sei Ausdruck der lebendigen Zivilgesellschaft in Bulgarien.

Die Proteste in Bulgarien halten seit mehr als einem Monat an. Sie entzündeten sich an der Ernennung des umstrittenen Medienmoguls Deljan Peewski zum Geheimdienstchef am 14. Juni. Ministerpräsident Plamen Orescharski nahm die Nominierung des Unternehmers bald darauf zurück und entschuldigte sich für die Personalie. Dennoch fordern seither Tausende Bulgaren den Rücktritt des parteilosen Regierungschefs, der erst seit Ende Mai im Amt ist und einer Koalition aus Sozialisten und der Partei der türkischen Minderheit DPS vorsteht.

syd/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Arrogant
kannmanauchsosehen 17.07.2013
Zitat von sysopSeit mehr als einem Monat demonstrieren in Bulgarien Tausende gegen die Regierung. Der deutsche Botschafter in Sofia unterstützt die Protestbewegung. Nun haben die Oppositionellen das Engagement des Diplomaten mit einer ungewöhnlichen Aktion gewürdigt. Demonstranten in Sofia bringen "Berliner Mauer" zum Einsturz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/demonstranten-in-sofia-bringen-berliner-mauer-zum-einsturz-a-911566.html)
Wahrscheinlich taugt die Regierung in Sofia wirklich nichts, dass sich aber ein Deutscher Botschafter hier einmischt, finde ich schon reichlich dreist. Im Grunde repräsentiert diese Haltung die gleiche Arroganz, mit der wir Außenstellen von Adenauer-Stiftungen und ähnliche deutsche Errungenschaften ins Ausland exportieren.
2. Seit mehr als einem Monat....
leo06 17.07.2013
Zitat von sysopSeit mehr als einem Monat demonstrieren in Bulgarien Tausende gegen die Regierung. Der deutsche Botschafter in Sofia unterstützt die Protestbewegung. Nun haben die Oppositionellen das Engagement des Diplomaten mit einer ungewöhnlichen Aktion gewürdigt. Demonstranten in Sofia bringen "Berliner Mauer" zum Einsturz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/demonstranten-in-sofia-bringen-berliner-mauer-zum-einsturz-a-911566.html)
Seit mehr als einem Monat demonstrieren die Bulgaren auf den Strassen und kaum ein Wort fällt in der hiesigen Presse. Dauerdemos in der Türkei oder Ägypten sollen uns mehr interessieren als Dauerdemos in unserer EU. Weil zu wenig Blut geflossen ist? Weil wir dort keine Korrespondenten haben??
3. endlich mehr Aufmerksamkeit
institutionalist 17.07.2013
es ist ein Witz, wie Öffentlichkeit und Medien bislang die Vorgänge in Bulgarien ignorieren: Ein EU-Mitgliedsland droht in die Fänge von russischen Oligarchen und organisierter Kriminalität zu geraten und niemanden juckt es. Völlig unverhältnsimäßig, wenn an die jahrelange Dauer-Negativbericherstattung über Ungarn denkt.
4. Zeig mir Deins
DerWeisseWal 17.07.2013
Zitat von kannmanauchsosehendass sich aber ein Deutscher Botschafter hier einmischt, finde ich schon reichlich dreist.
Was soll ein Botschafter im Ausland denn sonst machen ? Er hat dazu aufgerufen einen Dialog zu beginnen und sich nicht auf die mutmaßlichen Mafiosi einzulassen, das ist doch sehr vernünftig, das kann er ruhig in unserem Namen sagen. Z.B. das Goethe-Institut, oder wie ... ? Länder tauschen doch ihre Kulturen nicht miteinander aus, weil jedes Land seine Kultur für die einzig wahre hält, sondern damit wir uns gegenseitig kennen- und verstehen lernen. Gegen Krieg hilft das jedenfalls besser als stumme Ignoranz.
5.
goscho 17.07.2013
Zitat von institutionalistes ist ein Witz, wie Öffentlichkeit und Medien bislang die Vorgänge in Bulgarien ignorieren: Ein EU-Mitgliedsland droht in die Fänge von russischen Oligarchen und organisierter Kriminalität zu geraten und niemanden juckt es. Völlig unverhältnsimäßig, wenn an die jahrelange Dauer-Negativbericherstattung über Ungarn denkt.
Danke für Ihre klare Worte. Und hier noch ein Standpunkt: Die neue bulgarische Tragödie. Deutsche Welle - ein Interview mit dem deutschen Journalisten Jürgen Roth anlässlich der Parlamentswahlen am 12. 05. 2013 in Bulgarien. "Was jetzt geschieht, ist eine Tragödie nicht nur für die Bulgaren. Dies ist eine Tragödie für ganz Europa. Die neue Regierung kann das Land nur in eine Richtung führen - zum Kreml und Putin", sagte der deutsche Journalist Jürgen Roth. "Manche nennen die neue Regierung Experten-Kabinett, aber sie verwenden diesen Begriff nur, um die Realität zu verschleiern. Das ist kein Kabinett der Technokraten, sondern ein politisches Kabinett, wovon man richtig Angst bekommt. Es hat eine Hauptaufgabe - mit den Machthebeln der Politik, skrupellose Machtinteressen krimineller Kreise durchzusetzen"- so kommentierte der deutsche Journalist Jürgen Roth die Bildung der neuen bulgarischen Regierung. Laut des deutschen Journalisten, kann in diesem Zusammenhang der EU-Mitgliedsstaat Bulgarien nur in eine Richtung gehen - zum Kreml und Putin. "Denn dafür gibt es genügend Anzeichen. Leider, wird der größte Leidtragende erneut das bulgarische Volk sein, das Korruption und Vetternwirtschaft tagtäglich ertragen muss. ", sagt Roth. Er betonte, dass die neue Regierung mit dem Mandat der Sozialisten die Sternstunde für den Kreml ist: "Nun, wenn jetzt seine Handlanger das Sagen in Bulgarien haben, können wir die Wiederbelebung der Projekte " South Stream "und Kernkraftwerk "Belene" erwarten - zugunsten von " Gazprom "." Roth: "Wer sagt, das ist ein Experten - Kabinett, verbirgt die Wirklichkeit" Bulgarien ähnelt jetzt Italien Jürgen Roth weist darauf hin, dass die bulgarischen Sozialisten eine korrupte und mafiaähnliche politische Klicke darstellen, die nicht an die Interessen der bulgarischen Bürger denkt, sondern nur, wie sie ihre eigenen egoistischen Machthaber-Ambitionen verwirklichen kann. Der deutsche Journalist sagte weiterhin: "Es gibt keinen Unterschied zu Italien. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass in Bulgarien keine breite Bürgerbewegung existiert, die sich der politischen Mafia entgegenstellt. Abschließend betont der deutsche Untersuchungs-Journalist, dass Bulgarien z. Z. durch eine Apathie gelähmt ist, und diejenigen, die die nächsten Jahre an der Macht bleiben, werden davon profitieren. "Was jetzt geschieht, ist nicht nur bulgarische nationale Tragödie, es ist eine Tragödie für ganz Europa", sagte Roth.
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