Washington/Kairo - Die zornigen Demonstranten kamen zum Teil mit Waffen: Vor der US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo und dem Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi ist es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. In Bengasi kam ein amerikanischer Diplomat ums Leben, als Demonstranten Schüsse abgaben und Feuer legten.
Ein weiterer US-Bürger wurde verletzt, wie ein Mitarbeiter des Innenministeriums erklärte. Die Ausschreitungen hätten etwa drei Stunden gedauert, danach habe sich die Lage beruhigt. Die meisten Mitarbeiter hatten das Gebäude bereits verlassen, weil es zuvor Warnungen vor den Protesten gegeben hatte.
"Die libyschen Sicherheitskräfte gerieten unter heftiges Feuer und waren auf die Intensität des Angriffs nicht vorbereitet", sagte ein Sprecher von Libyens Oberstem Sicherheitskomitee. Augenzeugen beobachteten Plünderer auf dem verlassenen Gelände des US-Konsulats, die Tische, Stühle und Waschmaschinen forttrugen. Gewehrschützen feuerten auf die Gebäude, andere warfen selbst gebastelte Sprengsätze auf das Gelände.
In Kairo stürmten Demonstranten auf das Botschaftsgelände, rissen die US-Flagge herunter und hissten eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift. Die Menge wuchs im Verlauf des Abends immer mehr an, bis schließlich Tausende vor der Botschaft versammelt waren. Das ägyptische Außenministerium versicherte in einer Stellungnahme, es werde die diplomatischen Vertretungen sichern.
Die Proteste entzündeten sich an einem Film über den Propheten Mohammed, den ein Amerikaner in Kalifornien produzierte. In dem Film, von dem Ausschnitte im Internet bei YouTube zu sehen sind, wird der Prophet beim Sex gezeigt und seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort angezweifelt. Das Video wird von einem ägyptischen Christen in den USA beworben. Ein Sprecher von YouTube erklärte, die Website werde das Video nicht entfernen. Sam Bacile, der Amerikaner, der nach eigenen Angaben das Drehbuch für den zweistündigen Film schrieb, ihn produzierte und auch Regie führte, sagte, er habe mit solch einer Reaktion nicht gerechnet. "Es tut mir leid für die Botschaft", erklärte er . "Ich bin wütend." Er sei Jude und kenne die Region. Der vollständige Film sei noch nicht gezeigt worden. Angebote für einen Vertrieb habe er bisher abgelehnt.
In Washington sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, "um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen". Die Botschaft hatte zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen", verurteilt.
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney kritisierte die US-Regierung für ihre erste Reaktion auf die Angriffe. Er sei schockiert über die Attacken auf die diplomatischen Vertretungen und den Tod eines Konsulatsmitarbeiters. Es sei "beschämend", dass die Regierung Obamas zunächst nicht die Angriffe verurteilt, sondern Verständnis für die Täter gezeigt habe, hieß es in einer Erklärung Romneys.
Etwa zeitgleich mit Romney verurteilte US-Außenministerin Clinton die Angriffe. Einige hätten offenbar versucht, die Gewalt als Reaktion auf aufrührerisches Material im Internet zu rechtfertigen, erklärte sie. Für Gewalt dieser Art gebe es jedoch keine Rechtfertigung.
hen/dpa/dapd/Reuters
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