Berlusconi auf Demonstration "Ich bin hier, ich bleibe hier, ich gebe nicht auf"

Silvio Berlusconi ist rechtskräftig als Steuerbetrüger verurteilt - und kämpft weiter um sein politisches Überleben. In Rom protestieren nun Anhänger vor seiner Residenz. Der "Cavaliere" zeigte sich gerührt und sprach: "Ich schaue euch in die Augen und sage: Ich bin unschuldig!"

Berlusconi auf der Kundgebung vor seiner Residenz: "Ich gebe nicht auf"
AFP

Berlusconi auf der Kundgebung vor seiner Residenz: "Ich gebe nicht auf"


Rom - Es wurde nicht die große Massendemonstration, auf die Silvio Berlusconi wohl gehofft hatte. Aber immerhin kamen mehr als tausend Unterstützer am Sonntagabend vor seiner Residenz im Palazzo Grazioli in Rom zusammen. Die Anhänger feierten ihren Parteichef, der am Donnerstagabend wegen Steuerbetrugs verurteilt wurde, als "Märtyrer der Freiheit" und verlangten: "Schluss mit der politischen Justiz".

Als Berlusconi sich zeigte, wurde er von der Menge mit Jubel empfangen. Anders als bei seinen meisten Rede lächelte er kaum und sagte: "Ich habe gelitten wie noch nie." Ihre Nähe und Unterstützung entschädigten ihn für den Schmerz und das große Leid der vergangenen Tage, rief der "Cavaliere" seinen Anhängern zu. "Ich muss euch sagen, und ich schaue euch genauso in die Augen wie den Richtern: Ich bin unschuldig!"

Berlusconi gab sich kämpferisch: "Ich bin hier, ich bleibe hier, ich gebe nicht nicht auf." Seine Anhänger riefen immer wieder "Silvio, Silvio!", viele von ihnen waren bereits mit Fahnen der Forza Italia ausgestattet, Berlusconi will seine Partei aus den Neunzigern neu gründen.

Er bezeichnete sich erneut als unschuldig und damit als Opfer der Justiz, wie bereits in seiner Fernsehansprache nach dem Urteil sprach er über die "Attacken der Richterschaft". Dem Volk gehört die Souveränität, nicht der Richterschaft.

Er sagte aber auch, dass die Regierung weiter arbeiten müsste. Nach der Verurteilung Berlusconis hatten er und seine Parteifreunde das Fortbestehen der Koalition mit den Sozialdemokraten durch scharfe Forderungen und Erpressungsversuche in Frage gestellt. Ein Senator und Koordinator der Partei, Sandro Bondi, hatte am Samstag gar das Risiko "einer Form des Bürgerkriegs" in den Raum gestellt, wenn man keine Lösung finde, damit Berlusconi aktiv bleiben könne. Andere Parteivertreter stellten ihren Rücktritt aus der Regierung in Aussicht.

Die Fraktionschefs der Berlusconi-Partei Volk der Freiheit (PdL) wollen Staatspräsident Giorgio Napolitano um Amnestie für Berlusconi bitten. Er wurde am Donnerstag erstmals nach Dutzenden Prozessen rechtskräftig zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt wurde, wovon er aller Voraussicht nach allerdings nur ein Jahr in Hausarrest verbringen muss.

fab

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ernesto c 04.08.2013
1. Einen Buergerkrieg
hatten die Anhaenger von Berlusconi an die Wand gemalt. Aber aus einer angekundigten Massendemonstration pro B. wurde eine Kleinstkundgebung mit 1000 Anhaengern - wahrscheinlich mindestens die Haelfte davon bezahlt. Die Italiener sind politisch klueger als allgemein angenommen: welcher Italiener will schon einen rechtskraeftig verurteilten Milliardaer bei seiner politischen Rehabilitierung unterstuetzen ? Der angekuendigte Buergerkrieg wird ausbleiben, nicht ausbleiben wird aber der Anfang des Endes des 'Cavaliere', bitte die Anfuehrungszeichen nicht vergessen.
neanderspezi 04.08.2013
2. Berlusconi ist nicht nur Justizverweigerer, sondern Reinkarnation von Unschuld
Ich bin, wie ich bin, wie ich war, wie ich sein werde und in erster Linie unschuldig. Dem Volk gehört die Souveränität, ich bin der Souveränitätswahrer und wenn die Justiz nach mir greift, so greift sie nicht nur mich an, sondern auch die Souveränität des Volkes. Der Mann ist sein Geld wert. Allein schon der Einsatz seiner Intriganten für Rechtsbeugung und Erpressung durch Infragestellung der Koalition mit den Sozialdemokraten damit die Regierung aus den Fugen gerät, zeigt, dass für Silvio eigene Gesetze in Anwendung gebracht werden müssen, die ihm letztendlich immer Unschuld zu garantieren haben. Volk der Freiheit (PdL) mit ihrem Ziehvater Berlusconi fordert Amnestie für ihr Idol, dem sie die schmucke Rolle eines "Märtyrers für die Freiheit" angedichtet haben. Italien muss irgendwie anders ticken als das übrige Europa.
kakadu 04.08.2013
3. ärger
mitlerweile empfinde ich nur noch ärger, wenn ich noch etwas über diesen B lesen muss. jetzt stellt er sich als opfer dar. so etwas lächerliches. erinnert an terroristen, die sich über fehlende demokratie und prozesse beschwären, wenn sie erwischt wurden. die justiz mit füßen treten bis zum schluß. von anfang bis zum ende beweisen diese menschen, warum sie vor gericht stehen: sie können sich nichts unterordnen und besitzen kein verantwortungsgefühl
Tolotos 04.08.2013
4. Berlusconi legt die Verwundbarkeit rein parlamentarischer Demokratien offen!
Zitat von sysopAFPSilvio Berlusconi ist rechtskräftig als Steuerbetrüger verurteilt - und kämpft weiter um sein politisches Überleben. In Rom protestieren nun Anhänger vor seiner Residenz. Der "Cavaliere" zeigte sich gerührt und sprach: "Ich schaue Euch in die Augen und sage, ich bin unschuldig!" http://www.spiegel.de/politik/ausland/demonstration-fuer-berlusconi-in-rom-a-914753.html
Zumindest ist Berlusconi der unzweifelhafte Nachweis gelungen, dass Demokratie keinerlei Anlass zu der Vermutung gibt, dass man einer Regierung Vertrauen entgegenbringen sollte. Dies sollte man im Übrigen auch bei Themen wie der NSA-Affäre beachten. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass sich ein krimineller Politiker an Recht gebunden fühlt, wenn er überzeugt ist, es straflos brechen zu können?
mustafa20 04.08.2013
5.
Zitat von sysopAFPSilvio Berlusconi ist rechtskräftig als Steuerbetrüger verurteilt - und kämpft weiter um sein politisches Überleben. In Rom protestieren nun Anhänger vor seiner Residenz. Der "Cavaliere" zeigte sich gerührt und sprach: "Ich schaue Euch in die Augen und sage, ich bin unschuldig!" http://www.spiegel.de/politik/ausland/demonstration-fuer-berlusconi-in-rom-a-914753.html
Die SPON Artikel sind sehr einseitig und daher nicht informativ. Warum gibt es keine Information über die stark politische Ausrichtung in diesen Prozessanstrengungen - nur weil es gegen Berlusconi geht, muss trotzdem umfassend informiert werden - und alle Beteiligten kritisch betrachtet werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.