Demonstrationen in Italien: Opposition fordert Berlusconis Rücktritt

Die Botschaft der italienischen Oppositionellen ist deutlich: "Silvio, hau ab!", forderten einige von Zehntausenden Demonstranten, die in Rom auf die Straße gingen. SPD-Chef Sigmar Gabriel war als Gastredner geladen - hielt sich während der Kundgebung mit Kritik jedoch zurück.

Demonstration in Rom: Anhänger der oppositionellen PD wollen Berlusconis Rücktritt. Zur Großansicht
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Demonstration in Rom: Anhänger der oppositionellen PD wollen Berlusconis Rücktritt.

Rom - Silvio Berlusconis Gegner erhöhen den Druck: Zehntausende Anhänger der Opposition haben in Rom demonstriert, sie forderten in zum Teil drastischen Worten den Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten.

"Silvio, hau ab!" und "Schande, Schande, Silvio tritt zurück" riefen die Menschen auf dem Piazza San Giovanni. Auf einem Spruchband waren Fotos von Ministern der Mitte-rechts-Regierung zu sehen, darunter der Spruch "Je schneller wir sie entsorgen, desto besser".

Die Demonstration unter dem Motto "Wiederaufbau - im Namen des italienischen Volkes" war von der Mitte-Links-Partei Partito Democratico (PD) organisiert worden. Pierluigi Bersani, Chef der PD, kündigte einen Kurswechsel an: Seine Partei werde mit anderen Oppositionsgruppen zusammenarbeiten und die Führung einer neuen Regierung anstreben. "Wir versprechen, Italien wieder dorthin zu bringen, wo es hingehört", sagte er in einer Ansprache auf der Piazza San Giovanni in Rom.

Den aus ganz Italien angereisten Demonstranten schlossen sich sozialdemokratische Politiker aus Frankreich und Deutschland an. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte angesichts der italienischen Regierungskrise um Berlusconi einen Neuanfang in Rom. "Italien ist mehr wert als die Regierung, die es repräsentiert", sagte er vor Journalisten. "Hier gibt es fleißige Menschen, die es nicht verdient haben, von einer Regierung vertreten zu werden, die international jeden Kredit verspielt hat."

Während seines Auftritts als Gastredner äußerte sich Gabriel jedoch nicht zu innenpolitischen Angelegenheiten. Stattdessen beklagte er die weltweite "Herrschaft der Finanzmärkte": Der Neoliberalismus habe Europa und die Welt an den Rand der Katastrophe geführt. Jetzt müsse man sich "aus der Gefangenschaft der Kapitalmärkte befreien".

Berlusconi muss sich angesichts der anhaltenden Schuldenkrise harrscher Kritik stellen. Italien hat nach Griechenland den höchsten Schuldenstand der Euro-Zone gemessen an der Wirtschaftsleistung. Zuletzt hatte Berlusconi eine Vertrauensabstimmung angekündigt, in der über von der Europäischen Union geforderte Stabilitätsgesetze für die italienische Wirtschaft entschieden werden soll. Beim G-20-Gipfel stimmte der italienische Premier zudem einer Überwachung seiner Reformbemühungen durch den Internationalen Währungsfonds zu - ein schwerer Schlag für das Land, das zu den sieben größten Volkswirtschaften der Welt gehört.

Den italienischen Premier belasten außerdem Streitigkeiten innerhalb der Regierungskoalition : Sechs Mitglieder seiner Partei drängten ihn in dieser Woche zum Rücktritt, um die Bildung einer breiteren Koalition mit einer der Oppositionsparteien aus der politischen Mitte zu ermöglichen.

usp/dapd/AFP/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Falscher Feind
objektivist 06.11.2011
Das Problem in Italien ist in Wirklichkeit nicht Berlusconi, sondern es sind die Parteien, die aus wahltaktischen Gründen dessen Sparpläne ablehnen. Darüber wird nicht gesprochen, weil es natürlich einfacher und medienwirksamer ist, über dessen Eskabaden zu berichten. So lächerlich Berlusconi sich auch gemacht haben mag, sein Sturz löst nicht die Schuldenprobleme Italiens. Notwendig wäre ein Sparprogramm, das von allen Parteien gemeinsam beschlossen wird. Danach könnte man immer noch nach einem würdigereren Ministerpräsidenten suchen.
2. Wiedersprüche
10500bc_Atlantis 06.11.2011
Zitat von sysop.....ein schwerer Schlag für das Land, das zu den sieben größten Volkswirtschaften der Welt gehört.
In diesem Bericht : In einem anderem Berichtvon Von Hans-Jürgen Schlamp ---Zitat--- .....Betrachtet man nur die Rangordnung der 31 größten Volkswirtschaften, befindet sich Italien auf dem vorletzten Platz. Danach kommt nur noch Griechenland ---Zitatende--- Was denn nun? Im Übrigen find ich es schade, das sich niemals SPON Schreiber zu ihren eigenen Artikeln hier im Forum äussern. Grüße
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