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Demonstrationen: Top-Militär im Jemen revoltiert gegen Präsidenten

Von Yassin Musharbash

Wird Jemens Präsident nun vom Militär aus dem Amt geputscht? In der Hauptstadt Sanaa überschlagen sich die Ereignisse, der hochrangige Armeeoffizier Ali Muhsin ist mit seinen Soldaten zur Opposition übergelaufen. Er werde das jemenitische Volk beschützen, sagte er in einer Ansprache.

Protest im Jemen (am Sonntag): Einheiten des Überläufers schon im Zentrum der Stadt? Zur Großansicht
REUTERS

Protest im Jemen (am Sonntag): Einheiten des Überläufers schon im Zentrum der Stadt?

Berlin/Sanaa - Das Regime des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih zerfällt zusehends. Nach einem blutigen Wochenende, an dem Dutzende Oppositionelle von den Sicherheitskräften erschossen wurden, hat sich am Montag der hochrangiger Armeeoffizier Ali Muhsin per Videoansprache auf die Seite der Revolte geschlagen. Seine Einheiten und Soldaten schloss er mit ein.

Er werde mit seinen Leuten für Sicherheit und Ordnung sorgen, kündigte er an. Muhsin ist Chef der nördlichen Militärzone des Landes. Er sagte, er habe Einheiten ausgeschickt, um die Demonstranten zu schützen. Der arabische Satellitensender al-Dschasira strahlte die Ansprache aus. Unbestätigten Augenzeugenberichten zufolge sollen sich Einheiten, die unter Muhsins Kommando stehen, bereits dem zentralen Platz in der Hauptstadt Sanaa genähert haben.

Es wäre ein Akt offener Revolte und der Beginn eines möglichen Militärputsches gegen den Präsidenten Ali Abdullah Salih. Unbestätigten Berichten zufolge haben weitere Offiziere ihre Unterstützung für die Opposition kundgetan.

Kabinett gefeuert

Am Sonntag hatte Salih, der seit 1978 regiert, bereits die Unterstützung eines Teils seines Stammes und einflussreicher religiöser Führer verloren. Zudem sind in den vergangenen Tagen mehrere Minister und Diplomaten aus Protest gegen die blutige Niederschlagung der Demonstrationen zurückgetreten. Der Präsident feuerte sein Kabinett und erklärte einen Tag der Staatstrauer für die "Märtyrer der Demokratie", aber die Opposition glaubt, es gehe ihm allein darum, seine eigene Macht zu retten.

Ali Muhsin ist ein Mitglied desselben Stammes wie Präsident Salih. Er war lange Jahre sein enger Gefolgsmann. Für viele Oppositionelle dürfte er daher allerdings kaum eine glaubwürdige Führungsfigur sein. Trotzdem ist sein Schritt potentiell bedeutsam. Der Jemen-Experte Gregory Johnson weist in einem aktuellen Blog-Eintrag darauf hin, dass Muhsin innerhalb der Armee viel Loyalität genießt.

Angespornt durch die Revolutionen in Tunesien und Ägypten protestieren verschiedene Gruppen von Regimegegnern im Jemen seit Monaten beharrlich gegen Salihs jahrzehntelange Quasi-Diktatur. Salih ist ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Das bitterarme Land im Süden der Arabischen Halbinsel gilt seit Jahren als "failing state", der vom Zerfall bedroht ist. Im Süden des Landes begehren Separatisten gegen die Zentralregierung auf, im Norden herrscht ein faktischer Bürgerkrieg des Regimes gegen schiitische Stämme, im ganzen Land operiert zudem das Terrornetzwerk al-Qaida.

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