"Welt"-Journalist Bundesregierung hofft auf rasche Lösung im Fall Yücel

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befindet sich immer noch in Polizeigewahrsam in der Türkei. Das Auswärtige Amt setzt sich nach eigenen Angaben für ihn ein - ohne ausdrücklich seine Freilassung zu fordern.

Deniz Yücel
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Deniz Yücel


Die Bundesregierung hofft auf eine rasche Lösung im Fall des in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel. "Die Bundeskanzlerin, der Außenminister und das gesamte Auswärtige Amt stehen hinter dem Bemühen, zu verhindern, dass Herr Yücel dauerhaft seine Freiheit verliert", sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer.

Er vermied es allerdings erneut, ausdrücklich die sofortige Freilassung Yücels zu fordern. "Die Entscheidungen liegen jetzt bei der türkischen Justiz." Die Bundesregierung setze sich aber dafür ein, dass der Polizeigewahrsam für den Journalisten "nicht mehr länger fortdauert" und Yücel auch anschließend "nicht in Untersuchungshaft kommt".

Der Türkei-Korrespondent der "Welt" war am Dienstag in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Behörden werfen dem 43-Jährigen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vor. Dabei soll es um Berichte über gehackte E-Mails gehen, die vom Mail-Konto des Energieministers Berat Albayrak stammen sollen. Albayrak ist der Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Yücel besitzt die türkische und deutsche Staatsangehörigkeit. Schäfer sagte, der Bundesregierung lägen offiziell keine eigenen Informationen darüber vor, was Yücel vorgeworfen werde.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) versprach Yücel die Hilfe der Bundesregierung. "Die Inhaftierung von Deniz Yücel verfolgen wir mit besonderer Aufmerksamkeit", sagte Maas der "tageszeitung". "Herr Yücel kann sich darauf verlassen, dass deutsche Stellen alles tun werden, um ihn konkret zu unterstützen."

Jede Unterdrückung von kritischer Berichterstattung sei mit unserem Verständnis von Pressefreiheit nicht vereinbar, sagte Maas. "Pressefreiheit ist eine Grundlage für jede demokratische Kultur. Wenn sich die Türkei nicht an die europäischen Grundwerte hält, wird eine Annäherung an die EU immer schwieriger bis unmöglich."

asa/AFP

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versöhnung 20.02.2017
1. Die Bundesregierung
sollte nun endlich mal aus der gebückten Haltung kommen und Kante zeigen. Gerade dieser Fall zeigt doch, welche Machtspielchen dieser Erdogan treibt. Und wer den Binali Yildirim in Offenbach gehört hat, wie er offen Deutschland gedroht hat und trotzdem ungeschoren wieder in die Türkei reisen kann, sollte sich das als Warnung hinlegen. Allerdings denke ich, die Kanzlerin ist den Kotau gewohnt und macht ihn wieder und wieder, bis wir sie los sind und damit die unsäglichen Verpflichtungen.
jjcamera 20.02.2017
2. zwei Pässe
Das eigentliche Problem daran ist: Yücel hat zwei Pässe.
Alkyone 20.02.2017
3. Thema
Zitat von versöhnungsollte nun endlich mal aus der gebückten Haltung kommen und Kante zeigen. Gerade dieser Fall zeigt doch, welche Machtspielchen dieser Erdogan treibt. Und wer den Binali Yildirim in Offenbach gehört hat, wie er offen Deutschland gedroht hat und trotzdem ungeschoren wieder in die Türkei reisen kann, sollte sich das als Warnung hinlegen. Allerdings denke ich, die Kanzlerin ist den Kotau gewohnt und macht ihn wieder und wieder, bis wir sie los sind und damit die unsäglichen Verpflichtungen.
Doppelte Staatsbürgerschaft bedeutet in diesem Fall, daß in der Türkei nur die türkische Staatsbürgerschaft Geltung hat. Ein türkischer Staatsbürger hat mit Hacker gemeinsame Sache gemacht und vertrauliche Informationen ausspioniert, so die türkische Sicht. Ist doch klar, daß hier eine Befragung durchgeführt wird. Dieses Risiko ist der Journalist Deniz Yücel bewußt eingegangen.
Mike1108 20.02.2017
4. Nicht hoffen sondern agieren
Die Bundesregierung muss nicht hoffen, sie kann für ihre Ziele aktiv werden.....
nic 20.02.2017
5. Bundesregierung hofft auf rasche Lösung im Fall Yücel
Man muss wohl Erdogan etwas Zeit lassen die Lösung für den Fall zu finden. Warum jetzt die Bundesregierung von Erdogan auch noch eine rasche Lösung fordert und vorallem, wie soll die den Aussehen?
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