SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE Wir fordern Freiheit für Deniz Yücel und alle in der Türkei inhaftierten Journalisten

Seit zwei Wochen wird der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel in Istanbul von den Behörden festgehalten. Nun wurde Untersuchungshaft angeordnet. Die Vorwürfe gegen ihn sind absurd - und ein Zeichen für den Zerfall der Demokratie in der Türkei.


DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE protestieren gegen die Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei. Wir fordern seine sofortige Freilassung, ebenso die Freilassung von über 150 türkischen Journalistinnen und Journalisten, die sich in Haft oder Gewahrsam befinden.

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Seit nun 14 Tagen befindet sich Yücel, der Korrespondent der "Welt", in Polizeigewahrsam. Ein Haftrichter hat am Montagabend Untersuchungshaft angeordnet, diese kann in der Türkei bis zu fünf Jahre dauern. Die Staatsanwaltschaft wirft Yücel "Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung" vor.

Die Vorwürfe gegen ihn sind absurd. Tatsächlich hat Deniz Yücel nur seine Arbeit getan: Er hat recherchiert und kritisch berichtet - allerdings nicht im Sinne des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der sein Land zunehmend autoritär regiert und die Freiheit der Presse immer stärker einschränkt.

SPIEGEL ONLINE und DER SPIEGEL schließen sich der Solidaritätsbekundung von 305 Journalisten und Kulturschaffenden an, die heute in mehreren deutschen Tageszeitungen erscheint. In einer Anzeige fordern sie die Freilassung Yücels und aller anderen in der Türkei inhaftierten Journalisten unter Verweis auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. In ihr heißt es: "Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

In mehreren deutschen Städten finden heute Protestveranstaltungen für die Freilassung Deniz Yücels statt. In Berlin soll es um 18 Uhr eine Kundgebung vor der türkischen Botschaft geben. Auf Twitter tauschen sich Unterstützer und Freunde Yücels unter dem Hashtag #freedeniz aus. SPIEGEL ONLINE und DER SPIEGEL werden weiterhin über den Fall Deniz Yücel und über den Verfall der Freiheit in der Türkei berichten.

Die Redaktionen von SPIEGEL ONLINE und DER SPIEGEL

insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
AlbertGeorg 28.02.2017
1. Was können wir Leser tun?
Ich bin Ihrer Meinung, bin aber etwas hilflos was ICH tun kann.
Nellodee 28.02.2017
2. Was wir Leser tun können
Na, z. B. zu der Demo gehen, die im Text erwähnt wird. Oder an die türkische Regierung schreiben (was bei Amnesty immer als gutes Mittel eingesetzt wird.) Oder in Online-Foren an der Diskussion teilnehmen. Und natürlich: Die Zeitungen unterstützen, die guten Journalismus machen (indem man sie kauft)!
eryx 28.02.2017
3.
Sonderlich viel kann man als Leser nicht tun. Natürlich kann man zu Protestveranstaltungen gehen oder Briefe schreiben - nur wird sich ein Erdogan davon nicht sonderlich beeindrucken lassen. Auf mittelfristige Sicht kann man sich natürlich beispielsweise den Türkeiurlaub sparen. Wenn es ans Geld geht, werden auch Despoten unruhig. Ihre Anhänger finden es eben nicht so toll, wenn es an den eigenen Geldbeutel geht.
spon_2316845 28.02.2017
4. Sind wir doch ehrlich
Sind wir doch ehrlich. Wie lange bräuchte die Kanzlerin, wenn sie diesen Journalisten wirklich frei haben möchte? Deutschland hat Druckmittel gegenüber der Türkei. Aber will Frau Merkel das? Wenn Frau Merkel sagt, sie sei bitter enttäuscht, dann darf man sich ernsthaft Sorgen um den Inhaftierten machen. Mit Hilfe von Seiten der Deutschen Regierung sollte er nicht hoffen. Von einem neuen Kanzler Schulz, der lange so gerne die Türkei in der EU gehabt hätte auch nicht. Und in einem Jahr jagen Spiegel und Spiegel-Online längst eine andere Sau durch Dorf und Herr Yücel sitzt dann noch immer in "Untersuchungshaft".
olli47 28.02.2017
5. AlbertGeorg...
...hat recht. Was können wir tun? An den türkischen Botschafter schreiben? Eine Petition der "Welt" unterschreiben? An die türkischen Mitbürger im Land appellieren, dass sie Erdogans Verfassungsänderungen NICHT zustimmen?
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