Türkei-Korrespondent Deniz Yücel auf dem Weg zum Flughafen

Der deutschtürkische Journalist Deniz Yücel ist aus der Haft in der Türkei entlassen worden. Yücel sei auf dem Weg zum Flughafen, sagte Außenminister Gabriel. "Deals" mit Ankara habe es nicht gegeben.


Der deutschtürkische Journalist Deniz Yücel hat nach mehr als einem Jahr Haft das Gefängnis in der Türkei verlassen. Das teilte die "Welt", für die Yücel als Korrespondent tätig ist, mit. Yücels Anwalt Veysel Ok twitterte ein Bild des Journalisten, auf dem er seine Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel umarmt.

Mittlerweile sei Yücel auf dem Weg zum Flughafen in Istanbul, sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Nachmittag. Er stehe kurz vor der Ausreise aus der Türkei. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder habe geholfen, "Türen aufzumachen in Istanbul". Schröder sei zweimal dort gewesen.

Die Freilassung Yücels sei nicht auf Gegengeschäfte zwischen Deutschland und der Türkei zurückzuführen, sagte Gabriel: "Ich kann Ihnen versichern, es gibt keine Verabredungen, Gegenleistungen oder, wie manche das nennen, Deals in dem Zusammenhang". Politische Einflussnahme habe es allenfalls bei der "Verfahrensbeschleunigung" gegeben.

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Türkei: Yücel auf freiem Fuß

Das Auswärtige Amt hatte zuvor Angaben, wonach die Freilassung unmittelbar bevorsteht, bestätigt. Ein Sprecher in Berlin dankte der türkischen Justiz und sagte, Gabriel habe sich in den letzten Tagen "intensiv bemüht, zu einer Lösung beizutragen".

Hintergrund der Freilassung ist offenbar, dass die Staatsanwaltschaft nun eine Anklage gegen Yücel erhoben hat. In der Anklage fordert die Behörde laut Nachrichtenagentur Anadolu 18 Jahre Haft. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und Yücel dann aus der Untersuchungshaft entlassen.

Nach Informationen der "Welt"-Redaktion gibt es offenbar keine Ausreisesperre für Yücel. "Wir haben keinen Hinweis, dass er im Land bleiben muss", sagte "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt im Livestream der Zeitung. Er gehe deshalb davon aus, dass man ihn bald in Freiheit begrüßen werde können. Auch die Bundesregierung geht davon aus, dass Yücel ausreisen darf. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Außenminister Gabriel auf die Fragen, ob Yücel ausreisen dürfe, das sei derzeit sein Informationsstand.

Im Video: Deutschtürken über Deniz Yücel

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Zuvor teilte Gabriel mit, er freue sich sehr über die Entscheidung der türkischen Justiz: "Und noch mehr freue ich mich für Deniz Yücel und seine Familie. Das ist ein guter Tag für uns alle."

Er habe in den vergangenen Tagen "viele Gespräche mit der türkischen Regierung zur Beschleunigung des Verfahrens geführt", sagte Gabriel. "Dazu gehörten auch zwei Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan." Die Regierung in Ankara habe immer Wert darauf gelegt, dass sie keinen politischen Einfluss auf die Gerichtsentscheidung nehmen werde. Die Unabhängigkeit der Gerichtsentscheidung sei zentrales Anliegen in allen Gesprächen gewesen, so Gabriel. Umso mehr freue ihn die Entscheidung.

Ein Jahr in Haft ohne Anklage

Der Fall war zuletzt der größte Streitpunkt im Verhältnis zur Türkei. Yücel saß ein Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis. Anschließend wurde gegen ihn wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft verhängt. Zuletzt war aber Bewegung in den Fall gekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim, sie habe Yildirim darauf hingewiesen, "dass dieser Fall eine besondere Dringlichkeit für uns hat".

Vor seinem Deutschlandbesuch hatte Yildirim der ARD gesagt, er hoffe auf eine baldige Freilassung Yücels. Im Oktober hatte ein türkisches Gericht die Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner verfügt und keine Ausreisesperre verhängt. Er konnte nach Deutschland zurückkehren, obwohl der Prozess gegen ihn weiterläuft. Steudtners Freilassung - und auch die der Übersetzerin Mesale Tolu - hat zu einer leichten Entspannung des deutschtürkischen Verhältnisses geführt.

cte/cht/kev/dpa



insgesamt 94 Beiträge
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cirus27 16.02.2018
1. na also! mensch siggi, da hat deine tochter aber wieder viel
zu erzählen, oder? wie viele panzer hat das den gekostet? oder war es diesmal ein ziegenaufzuchtprojekt? jedenfalls haste erstma wieder die kati barley angezählt, und der rest findet sich schön - vor allem die geforderten 18 jahre haft noch schnell wegverhandeln... brauch die türkei nicht auch u-boote?
rstevens 16.02.2018
2. Wofür denn 18 Jahre?
Schade, es wäre spannend zu erfahren, welche Vergehen eine Forderung nach 18 Jahren Haft rechtfertigen würden.
hanfbauer2 16.02.2018
3. Vermutlich wird dieser Kommentar wieder zensiert...
...aber ich versuchs trotzdem. Der Deal sieht vermutlich vor: Leopard-Nachrüstung gegen Freilassung - owohl Yücel selber diese Art von Geschäften stets abgelehnt hat. Dem amtierenden Aussenminister geht es ziemlich sicher nur um das eigene Ministeramt und nicht darum ob die Kurden anschließend von Erdogan mit grösserer Effizienz abgeschlachtet werden.
tomy1983 16.02.2018
4. Europa ist Satire pur.
"Er habe in den vergangenen Tagen "viele Gespräche mit der türkischen Regierung zur Beschleunigung des Verfahrens geführt", sagte Gabriel. "Dazu gehörten auch zwei Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan." Die Regierung in Ankara habe immer Wert darauf gelegt, dass sie keinen politischen Einfluss auf die Gerichtsentscheidung nehmen werde." Demnach hat Gabriel nur Kaffee getrunken und Spesen verballert?
Idinger 16.02.2018
5. Na endlich
Der türkische Beitrag zum Verbleib des derzeitigen Aussenministers im Amt kommt ja gerade noch rechtzeitig vor den vielen GROKO-Personalentscheidungen der SPD. Jetzt steht ja wohl auch einer weiteren Umrüstung des Leo nichts mehr im Wege. Es ist immer gut, einen Freund in der deutschen Regierung zu haben, der unbeirrt an die Unabhängigkeit der Justiz in der Türkei glaubt.
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