#FreeDeniz-Proteste "Erdogan weghupen"

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel wird in der Türkei weggesperrt, weil er seine Arbeit gemacht hat. Die Entrüstung ist groß, doch was kann man tun? In den sozialen Netzen formiert sich Protest.

Deniz Yücel in Istanbul
DPA/ privat/ Deniz Yücel

Deniz Yücel in Istanbul


Wenn Sie in einer deutschen Großstadt leben und heute Nachmittag gegen 16.30 Uhr das Fenster aufmachen, werden Sie vermutlich hupende Autos und Trillerpfeifen hören, vielleicht auch Vuvuzelas und was sonst Krach macht.

Und Sie werden eine Forderung hören: Free Deniz! Befreit Deniz Yücel ist damit gemeint. In zehn Städten soll am Dienstag mit Autokorsos und Kundgebungen gegen die Inhaftierung des "Welt"-Korrespondenten in der Türkei protestiert werden.

Yücel ist vor zwei Wochen in der Türkei in Polizeigewahrsam genommen worden, am Montagabend ordnete ein Haftrichter Untersuchungshaft für ihn an. Kollegen, Freunde, Politiker, Leser in Deutschland sind entsetzt über den Vorgang, Kanzlerin Merkel hat die Entscheidung "unverhältnismäßig hart" genannt, das Außenamt dringt seit der Festnahme Yücels auf dessen Entlassung. Genützt hat es nichts.

Was also tun?

Poster zu Korso4Deniz Hamburg, Facebook-Screenshot

Poster zu Korso4Deniz Hamburg, Facebook-Screenshot

In der "Süddeutschen Zeitung" und der "Welt" erschienen am Dienstag ganzseitige Zeitungsanzeigen auf Türkisch und Deutsch, die die Freilassung Yücels fordern. Hunderte Journalisten und Medienmacher unterstützen die Aktion, darunter auch DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE.

In den sozialen Netzwerken werden Aufrufe geteilt, an die türkische Botschaft zu schreiben:

Der "Zeit"-Redakteur Yassin Musharbash fordert Schriftsteller dazu auf, eine Seite in ihrem Notizblock für Deniz zu opfern.

Bei Change.org hat der Autor Shahak Shapira eine Petition gestartet, um Yücel zu unterstützen. Fast 2000 Unterschriften hat er bislang dafür gesammelt.

Viele Journalisten und Politiker beziehen zudem Stellung - nicht nur zu dem Fall Deniz Yücel, der stellvertretend steht für die mehr als 49 inhaftierten Journalisten in der Türkei, die mehr als 170 geschlossenen türkischen Medien seit dem Putschversuch im Juli vergangenen Jahres und die massive Unterdrückung der Pressefreiheit unter Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Hintergründe zu dem Fall Deniz Yücel hat die "Welt" hier zusammengefasst und ein Haftprotokoll dazu erstellt. SPIEGEL ONLINE-Autorin Margarete Stokowski hat ihre Freundschaft zu Yücel und die Hilflosigkeit angesichts der Ereignisse in ihrer Kolumne beschrieben. Und die Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" informiert über die Situation der Pressefreiheit in der Türkei.

vks/kry

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
paulvernica 28.02.2017
1. wirksamer wäre
Abzug der deutschen Truppen aus Incerlik. Ausweisung des türkischen Botschafters. Redeverbot für Erdogan in Deutschland. Abschaffung des Doppelpasses, Reisewarnung für die Türkei, Schluss mit den Beitrittsverhandlung EU mit der Türkei. Aufforderung Erdogan treuer Türken Deutschland zu verlassen. Also man sollte die ganze Lage in der Türkei beurteilen und das jetzt nicht an einer Person festmachen. Diktaturen begegnet man nicht mit Autokorsos und auch nicht mit Plattitüden die Merkel zu dem Thema von sich gibt.
dus_cph 28.02.2017
2. keine Einreise
für den türkischen Diktator zu Wahlkampfzwecken
Atheist_Crusader 28.02.2017
3.
Siiicher. Jemand der einen Krieg gegen das eigene Volk führt, der islamistische Milizen unterstützt, Teile seiner Nachbarländer besetzt und das Land in eine islamistische Diktatur verwandeln will (mit Rückendeckung von gut 50% der Bevölkerung) wird sich sicher von ein bisschen Gehupe und ein paar Postings in sozialen Netzwerken beeindrucken lassen. Wer glaubt dass das funktioniert, hätte auch mit einem Hungerstreik gegen Hitler protestiert. Da wäre es sinnvoller die Bundesregierung zu nerven. Die hat nämlich tatsächlich Möglichkeiten in der Hand um etwas zu bewegen.
Klaus.Freitag 28.02.2017
4. Vielseitiger Protest,
aber es wird leider nichts nützen. Auch die höhere politische Ebene wird sich nicht in das türkische Justizsystem und die innere Anfelegenheit der Türkei einmischen können. Und-seit Böhmermann wird Erdogan bei der Urteilsfindung nicht weniger auf Frau Merkel hören lassen. Es ist so schade um dieses faszinierende und vielschichtige Land.
Backs 28.02.2017
5. Kindisch
"weghupen". Viele Türken scheinen anderen Menschen gerne mit lautstarken Belästigungen auf die Nerven zu gehen. Ohne dass es das Geringste in dem Entwicklungsland Türkei ändert, sondern nur eine Belästigung Unbeteiligter ist. M.E. ist dies ein Missbrauch des Demonstrationsrechtes, das für die Belange der eigenen Republik im eigenen Lande beschränken werden sollte. Es ist eine Unverschämtheit, das Gastrecht zu verletzen und damit den Versuch zu unternehmen, den Gastgeber zu instrumentalisieren, also für eigene gegenwärtige Zwecke zu missbrauchen.
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