Inhaftierter Deniz Yücel "Werde als Geisel gehalten"

Seit mehr als zehn Monaten sitzt Deniz Yücel ohne Anklage in türkischer Haft. Nun meldet er sich mit einem Schreiben aus dem Gefängnis - und reagiert mit Ironie auf Aussagen des türkischen Außenministers.

Deniz Yücel
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Der in der Türkei inhaftierte "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel hat sich selber als "Geisel" bezeichnet. In einem schriftlichen Statement aus dem Gefängnis in Silivri reagierte er zudem mit ironischen Anmerkungen auf die Aussagen des türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Der hatte kürzlich gesagt, er sei "nicht sehr glücklich darüber, dass es noch immer keine Anklage gibt".

Dass Cavusoglu unglücklich sei, habe ihn sehr "bekümmert", teilte Yücel in einem Schreiben mit, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. "Schließlich möchte ich nicht, dass er meinetwegen unglücklich ist. Aber ich kann ihn trösten: Wenn ich mich daran gewöhnt habe, seit fast einem Jahr ohne Anklage als Geisel gehalten zu werden, dann schafft er das auch."

Yücel sitzt seit Februar im Gefängnis. Bis heute liegt gegen ihn keine Anklage vor. Ihm wird "Unterstützung von Terroristen" und "Volksverhetzung" vorgeworfen. Der Haftbefehl nennt als Belege ausschließlich seine Artikel. Ohne Anklageschrift ist auch nicht absehbar, wann es zum Prozess kommen könnte.

Zur Aussage Cavusoglus, die Vorwürfe gegen ihn seien "sehr ernst", meinte Yücel, es sei beruhigend, dass "wenigstens die türkische Regierung den genauen Durchblick" habe. "Schließlich unterliegen die Ermittlungsakten weiterhin der Geheimhaltung, sodass meine Anwälte und ich immer noch nicht wissen, woran wir sind."

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"Jungs, eure Uniform passt mir nicht."

Yücel äußerte sich außerdem zu einem neuen Notstandsdekret, wonach männliche Putsch- oder Terrorverdächtige künftig in braunen beziehungsweise grauen Overalls vor Gericht erscheinen müssen. Der Korrespondent machte deutlich, dass er solche Einheitskleidung nicht tragen werde. "Jungs, eure Uniform passt mir nicht. Niemals."

Cavusoglu wird am Samstag zu einem Besuch bei Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in dessen Heimatort Goslar erwartet. Vor dem Besuch hatte der türkische Minister deutlich gemacht, dass Ankara die Krise mit Deutschland überwinden möchte. Aus Sicht der Bundesregierung ist eine Normalisierung der Beziehungen allerdings ausgeschlossen, solange Yücel ohne Anklage in Untersuchungshaft sitzt. Der Fall Yücel ist der größte Streitpunkt in den bilateralen Beziehungen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Yücel im März vorgeworfen, ein "deutscher Agent" und "Terrorist" zu sein. Diese Vorwürfe finden sich nicht in den Stellungnahmen aus Ankara.

mho/dpa

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