Iran beim Gipfel der Blockfreien Einsam unter 120 Gästen

Nur der geächtete Diktator Mugabe sprang den Gastgebern bei: Beim Gipfel der Blockfreien wollte sich Iran als anerkannte Regionalmacht profilieren - und ist gründlich gescheitert. Ausgerechnet Ägyptens Präsident sorgte für einen Eklat, und nach dem IAEA-Bericht zum Atomprogramm ist Teheran so isoliert wie nie.

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Irans Präsident Ahmadinedschad: Mursi stahl ihm die Show
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Irans Präsident Ahmadinedschad: Mursi stahl ihm die Show


Teheran - Es sollten zwei Tage ganz nach dem Geschmack des iranischen Regimes werden. Vertreter aus 120 Ländern, unter ihnen 30 Staats- und Regierungschefs versammelten sich am Donnerstag und Freitag zum Gipfeltreffen der blockfreien Staaten in Teheran. Sogar Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon machte seine Aufwartung. Für die islamische Republik, die sich wegen des Streits um sein Atomprogramm international weitgehend isoliert hat, eine seltene Gelegenheit, sich so zu präsentieren, wie sich das Land selbst gerne sieht: als aufstrebende, weithin anerkannte Regionalmacht. Als Speerspitze im Kampf der Entwicklungs- und Schwellenländer im Kampf gegen die Dominanz des Westens.

Doch dieses Vorhaben ist gründlich misslungen: Auf der Konferenz lief nur wenig nach dem Plan der Iraner, um das Regime wird es einsamer.

Schon vor Beginn der Tagung brüskierte Ban die Gastgeber, als er in ungewohnt scharfer Form die Menschenrechtslage im Land bemängelte und die rhetorischen Angriffe gegen Israel als "beleidigend und aufrührerisch" kritisierte. Der Uno-Generalsekretär forderte zudem die Freilassung von "Oppositionsführern, Menschenrechtlern, Journalisten und sozialen Aktivisten".

Chamenei schimpft über "zionistische Wölfe"

An Ajatollah Ali Chamenei ging Bans Botschaft offenbar dennoch vorbei: Das Wort "Menschenrechte" kam Irans Staatsoberhaupt in seiner Eröffnungsrede nur einmal über die Lippen. Menschenrechte seien nichts anderes als ein Instrument des Westens, um eigene Interessen durchzusetzen, dozierte er. Dafür hetzte er in seiner halbstündigen Ansprache gleich elfmal gegen die "Zionisten" und ihre Helfer, allen voran Amerika. Chamenei schimpfte über "zionistische Wölfe", die Verbrechen an den Palästinensern begingen - mit dem Ziel die palästinensische Nation "in ihrem Magen zu verdauen".

Chamenei griff also in den selben Rhetorikkasten, aus dem sich die Eliten der islamischen Republik seit drei Jahrzehnten bedienen. Ideologie statt Ideen.

Initiativen zur Lösung der weltweiten Finanzkrise oder zur Bekämpfung des Klimawandels erwähnte der Ajatollah mit keiner Silbe. Dabei werden gerade diese Probleme die Entwicklung in den versammelten blockfreien Staaten in den kommenden Jahren entscheidend beeinflussen, jedenfalls mehr als die israelische Politik.

Die Umwälzungen in der Arabischen Welt erklärte Chamenei zu einem "islamischen Erwachen", das große Möglichkeiten biete, weil es "die Komplizen des zionistischen Regimes" gestürzt hätte.

Doch ausgerechnet einer der Profiteure jenes "islamischen Erwachens" sorgte für einen veritablen Eklat. Ägyptens Präsident Mohammed Mursi bezeichnete in seiner Ansprache die Führung in Syrien als Unterdrückerregime, das jede Legitimität verloren habe. Die Unterstützung der Revolution in Syrien sei "eine moralische Pflicht sowie eine politische und strategische Notwendigkeit".

Mugabe springt den Iranern bei

Für die iranischen Gastgeber, die wichtigsten Verbündeten des Assad-Regimes, war dieser Auftritt ein Affront. Die syrische Delegation, angeführt vom stellvertretenden Außenminister Faisal al-Mikdad, verließ unter Protest den Saal. Mikdad erklärte anschließend, er könne nicht zulassen, dass sich Mursi in innersyrische Angelegenheiten einmischt.

Irans Führung reagierte zerknirscht. Mursi, Ägyptens erster frei gewählter Präsident stahl Chamenei und Ahmadinedschad die Show und hob den Bürgerkrieg in Syrien - den Irans Staatsoberhaupt in seiner Rede ebenfalls außen vor gelassen hatte - ganz oben auf die Agenda und griff damit nicht nur das Assad-Regime, sondern auch dessen iranischen Verbündete frontal an. Teherans Vorhaben, auf dem Gipfel mit breiter Mehrheit einen eigenen Syrien-Plan zu beschließen, der Assad zu "weiteren Reformen" ermutigen sollte, war damit bereits im Ansatz gescheitert.

Doch es kam noch dicker für die Gastgeber: Just als Ahmadinedschad die Konferenzteilnehmer zum feierlichen Abendessen begrüßt hatte, veröffentlichte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ihren jüngsten Bericht zur Irans Nuklearprogramm. Quintessenz: Teheran hat den Ausbau seiner Atomanlagen massiv beschleunigt und Spuren von Experimenten für die Entwicklung von Atomwaffen verwischt. Die wenige Stunden zuvor von Chamenei geäußerte Beteuerung, Iran werde niemals Nuklearwaffen herstellen, verlor damit umgehend an Glaubwürdigkeit.

Damit war auch das iranische Vorhaben gescheitert, sich auf dem Gipfel Rückendeckung für die entschlossene Haltung im Atomstreit zu sichern. Weder Brasilien noch Indien - die beiden wirtschaftlich bedeutendsten Staaten, die in Teheran vertreten waren - wollten den Iranern nach Veröffentlichung des Berichts zur Seite springen.

Immerhin auf einen war Verlass: Simbabwes international geächteter Diktator Robert Mugabe versicherte dem iranischen Regime seine Solidarität. Eine Regierung mit solchen Freunden braucht keine Feinde mehr.

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Seite 1
widerspruchsgeist 31.08.2012
1. Zum letzten
Satz des Artikels wäre nur noch die alte deutsche Redens-art hinzuzufügen: "Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist".
diwoccs 31.08.2012
2. mich wundert
Zitat von sysopAFPNur der geächtete Diktator Mugabe sprang den Gastgebern bei: Beim Gipfel der Blockfreien wollte sich Iran als anerkannte Regionalmacht profilieren - und ist gründlich gescheitert. Ausgerechnet Ägyptens Präsident sorgte für einen Eklat, und der IAEA-Bericht zum Atomprogramm zeigt: Teheran ist so isoliert wie nie. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853236,00.html
wo war A.s Intimfreund Hugo Chavez ? Oder haben diesen die bald 50 Tote beim Brand der grössten Raffinierie in Venezuela sprachlos gemacht ? Vielleicht ist er auch schon beim Einpacken seiner persönlichen Habe --- es fehlen noch 37 Tage bis Venezuela in die Freiheit zurückkehrt. Saludos aus Caracas
viperhyper 31.08.2012
3. optional
Was hier schlecht geredet wird, kann man auch locker als Siegeszug hinreden. 1. Die UNO nehmen eh nicht viele für voll 2. Mursi mag die Islamische Revolution und natürlich mag er die Rebellen in Sysrien, denn Assad bringt den Islam ja nicht weiter. 3. Mugabe ist einfach mal wayne was der sagt 4. Die Party hat im Iran stattgefunden und die Gäste haben sich sicher und wohl gefühlt und vielen Respektieren den a-Bomb wunsch, solange Israel selber welche hat.
Schroekel 31.08.2012
4. Warum sollten die...
Zitat von sysopAFPNur der geächtete Diktator Mugabe sprang den Gastgebern bei: Beim Gipfel der Blockfreien wollte sich Iran als anerkannte Regionalmacht profilieren - und ist gründlich gescheitert. Ausgerechnet Ägyptens Präsident sorgte für einen Eklat, und der IAEA-Bericht zum Atomprogramm zeigt: Teheran ist so isoliert wie nie. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853236,00.html
...anderen Iran auch zur Seite springen, wenn die Mullahs und Ahmadientsosatt sich selbst ins Knie schießen. Nicht mal Chavez ist so dumm. Das Mullahregime befördert sich gerade mit großen Schritten ins Abseits. Assad ist da nur ein weitrerer Sargnagel.
unangepasst 31.08.2012
5. Die Teilnehmer hätten aufs Essen
verzichten...und sich verabschieden sollen. Das wäre eine Aussage gewesen! Aber wo das Rückgrat fehlt.....
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