Hohe Abhängigkeit von den USA: Nato fehlen militärische Kapazitäten

Düstere Analyse: In der Nato gibt es nach SPIEGEL-Informationen zahlreiche Ausrüstungsmängel. Unter anderem fehlen dem Bündnis Präzisionsmunition und Tankflugzeuge. Überraschend sind diese Erkenntnisse nur bedingt - schließlich hat die Nato die Untersuchung selbst verfasst.

US-Soldat mit Gewehr (Archivbild): Die Nato fordert mehr Ausrüstung Zur Großansicht
AFP

US-Soldat mit Gewehr (Archivbild): Die Nato fordert mehr Ausrüstung

Die Nato ist auf absehbare Zeit nur bedingt für einen Einsatz gerüstet, weil ihr zentrale militärische Kapazitäten fehlen. In einer vertraulichen Analyse zählt Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen 15 militärische Problemzonen auf. Bei der Ausstattung ihrer Armeen hätten die europäischen Verbündeten die gemeinsam vereinbarten Ziele verfehlt. In der Nato-Tabelle, die sich am Ampelsystem orientiert, sind die untersuchten Projekte überwiegend orange oder rot eingefärbt ("mittlere und große Probleme"). Gelbe Punkte ("mäßige Schwierigkeiten") sind seltener, grüne ("keine Schwierigkeiten") gibt es überhaupt nicht.

Besorgniserregend seien die Ergebnisse der Analyse auch, weil einige Mängel bereits im Nato-Einsatz in Libyen vor zwei Jahren zutage getreten waren. Es gebe, so Rasmussen, einen "ungenügenden Vorrat an Präzisionsmunition" wie selbststeuernde Raketen. Bis 2019 werde sich die Lage nicht bessern. Defizite bestünden auch bei der Luftbetankung von Kampfjets. Die Nato benötige mindestens 235 Tankflugzeuge, ohne die USA verfüge das Bündnis aber nur über 81. Den Rest müssten die Amerikaner stellen, was dem Nato-Ziel widerspreche, dass eine Nation nicht mehr als die Hälfte der Lasten tragen solle.

Als "unhaltbar" bezeichnete Rasmussen das Ungleichgewicht der Lasten zwischen den USA und den anderen Verbündeten. Probleme bestünden auch beim medizinischen Personal, bei der elektronischen Kriegsführung mit Störsendern sowie der Ausrüstung von Spezialkräften. Rasmussens Fazit: "Die meisten Alliierten müssen mehr tun." Beim Abendessen der Nato-Verteidigungsminister am vergangenen Dienstag sagte US-Ressortchef Chuck Hagel, das US-Militär sei nicht mehr bereit, die Defizite der Europäer auszugleichen.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. wenn sich die Nato
hauptsachemalwassagen 09.06.2013
auf Ihr originäres Ziel beschränkt, ist genügend Material vorhanden, wenn man aber jedoch durch die Welt zieht und Krieg in Gegenden spielt die mit den Natozielen nichts zu tun haben wird es eng.
2.
raumbefeuchter 09.06.2013
NATO und Rasmussen fördern nur. Er sollte ma eine Tour durch Europa unternehmen um zu erkennen wie arm das Kontinent geworden ist. In Zeiten von Suppenküchen sind Luxusgütter für grosse Kinder nicht zu haben.
3.
karuso 09.06.2013
Wer schlecht ausgerüstet ist, denkt in Zukunft über Sinn und Unsinn der Kriege nach.
4.
thanks-top-info 09.06.2013
nun, wo wir den Euro Hawk nicht beisteuern werden, fehlt es vielleicht auch an solchen Vögeln
5. Das ist gut
carolian 09.06.2013
So kann die Nato weniger ihren Irrsin ausüben. Eine Verteidigungssituation zwischen Staaten erkennen, nur weil ein paar Spinner ein Attentat machten. Am besten, man nimmt denen alle Munition weg und lässt sie nur noch die Kaspar spielen.
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