Der Tag im Nachrichtenticker: Chaos, Kampfjets und ein Hoffnungsträger
Die Demonstranten in Ägypten setzten ihre Proteste fort: Sie lassen sich auch von Militärjets und Ausgangssperre nicht einschüchtern. Große Hoffnungen setzen die Menschen in Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Liveticker nach.
+++ Obama will "geordneten Übergang"+++
[21.11 Uhr] US-Präsident hat in Telefonaten mit ausländischen Staats- und Regierungschefs Unterstützung für einen "geordneten Übergang" in Ägypten angekündigt, der den Bestrebungen der Ägypter gerecht wird. Das teilt das Weiße Haus mit. Obama sprach demnach mit dem saudischen König Abdullah, dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem britische Premierminister David Cameron.
+++ Richter beteiligen sich an Protesten+++
[21.03 Uhr] Ein BBC-Reporter berichtet, dass sich Dutzende Richter unter den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo befinden. Einer von ihnen wirft der Polizei Korruption und Zerstörung von belastendem Material vor.
+++ Polizei wieder auf die Straßen beordert+++
[20.33 Uhr] Angesichts von Plünderungen hat die ägyptische Polizei am Sonntagabend laut Berichten des Staatsfernsehens wieder Präsenz in den Straßen gezeigt. Der scheidende Innenminister Habib el Adli habe die Polizeikräfte im ganzen Land angewiesen, wieder für Ruhe zu sorgen. Staatschef Husni Mubarak forderte den designierten Regierungschef Ahmed Schafik auf, die Ordnung im Lande wieder herzustellen. Das habe oberste Priorität, habe Mubarak bei einem anderthalbstündigen Treffen aufgetragen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Mena. Außerdem habe Mubarak im Beisein seines neuen Stellvertreters Omar Suleiman "mehr politische Reformen" gefordert.
+++ Ausgangssperre wird offenbar ausgeweitet+++
[20.21 Uhr] Das ägyptische Regime plant offenbar, ab Montag die Ausgangssperre bereits um 15 Uhr Ortszeit auszurufen und bis 8 Uhr am folgenden Morgen bestehen zu lassen. Das meldet Reuters unter Berufung auf das staatliche Fernsehen des Landes. Damit würde die Ausgangssperre eine Stunde früher beginnen als bislang.
+++ ElBaradei appelliert an die USA+++
[20.03 Uhr] Mohamed ElBaradei hat die USA aufgefordert, ihre Unterstützung für Präsident Husni Mubarak aufzugeben. Die "lebenserhaltenden Maßnahmen für den Diktator" müssten beendet werden, sagte der Friedensnobelpreisträger im US-Fernsehen. Er drängte die US-Regierung, angesichts der Massenproteste Stellung zu beziehen: "Es wäre besser für Präsident Obama, wenn er nicht als der Letzte dastünde, der Präsident Mubarak sagt: 'Es ist Zeit für dich zu gehen'." Die Regierung in Washington könne nicht vom ägyptischen Volk verlangen zu glauben, dass ausgerechnet ein seit 30 Jahren regierender Diktator die Demokratie einführe. "Das ist eine Farce", sagte ElBaradei dem Sender CBS.
Zuvor war er offenbar mit einem Führungsanspruch vor die Demonstranten getreten. "Ich habe den Auftrag von den politischen Kräften erhalten, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden", so ElBaradei nach Berichten von Journalisten.
+++ Merkel drängt Mubarak bei Telefonat zu Reformen+++
[19.12 Uhr] Angesichts der anhaltenden Unruhen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel an Präsident Husni Mubarak appelliert, die angekündigten Reformen umzusetzen und auf Gewalt zu verzichten. Sie habe Mubarak bei einem Telefonat am Nachmittag vor allem gemahnt, einen Dialog mit der Bevölkerung zu führen und "auf deren berechtigte Forderungen einzugehen", teilt die Bundesregierung mit.
+++ Proteste in den großen Städten+++
[19.01 Uhr] Berichten des TV-Senders al-Dschasira zufolge setzen sich nicht nur in Kairo Demonstranten über die Ausgangssperre hinweg. Auch in Alexandria und Suez lassen sich demnach Tausende Menschen nicht von der Präsenz des Militärs einschüchtern und bleiben auf der Straße.
+++ Westerwelle warnt vor Stärkung islamistischer Kräfte+++
[18.47 Uhr] Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat angesichts der Gewalt gegen Demonstranten in Ägypten vor einem wachsenden Einfluss von extremistischen und islamistischen Kräften in dem Land gewarnt. Mit Gewalt auf die "Sehnsucht nach Freiheit" der Menschen zu reagieren, sei gefährlich, sagte Westerwelle in der ARD. "Und das könnte dann auch vor allen Dingen den Extremisten und den Islamisten in die Hände spielen."
+++ Polizei soll angeblich auf die Straßen zurückkehren+++
[18.31 Uhr] Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass die ägyptische Polizei nach Angaben aus Sicherheitskreisen ab Montag wieder ihren normalen Dienst aufnehmen soll. Die Beamten würden den Verkehr leiten, Verbrechen nachgehen und ähnliche Aufgaben erfüllen, hieß es. Ausdrücklich solle die Polizei jedoch nicht gegen Demonstranten eingesetzt werden. Die Regierung hatte angesichts der Massenproteste gegen Präsident Husni Mubarak die Polizisten von ihrem regulären Dienst abgezogen.
- 1. Teil: Chaos, Kampfjets und ein Hoffnungsträger
- 2. Teil: ElBaradei spricht zu den Demonstranten
- 3. Teil: Die Demonstranten lassen sich nicht einschüchtern
- 4. Teil: Panzer, Kampfjets, Hubschrauber - die Lage verschärft sich
- 5. Teil: Schwere Schäden im Ägyptischen Museum
- 6. Teil: Immer mehr Ausländer wollen Ägypten verlassen
- 7. Teil: Der Protest erwacht
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- Sonntag, 30.01.2011 – 10:12 Uhr
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Fläche: 1.002.000 km²
Bevölkerung: 81,121 Mio.
Hauptstadt: Kairo
Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Hischam Kandil
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