Schelte für Irak-Krieg: Tutu fordert Prozess gegen Bush und Blair

Der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu fordert einen Strafprozess gegen George W. Bush und Tony Blair. In einer Zeitung wirft er den ehemaligen Machthabern vor, sie hätten den Irak-Krieg mit einer Lüge begründet. Blair spricht von einer "Fehlmeldung".

Tony Blair und George W. Bush (Archivbild): "Die Welt destabilisiert und polarisiert" Zur Großansicht
AP

Tony Blair und George W. Bush (Archivbild): "Die Welt destabilisiert und polarisiert"

London - Klare Worte: Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu will George W. Bush und Tony Blair vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sehen - wegen ihrer Rollen im Irak-Krieg.

Der frühere US-Präsident Bush und Großbritanniens ehemaliger Premierminister Blair hätten den Angriff beider Länder auf den Irak mit Massenvernichtungswaffen begründet, schrieb der Friedensnobelpreisträger in der britischen Wochenzeitung "The Observer". Das sei "eine Lüge" gewesen. Deshalb sollten die früheren Machthaber in Den Haag vor Gericht kommen.

"Die Welt destabilisiert"

Mit dem Interview begründete Tutu, warum er zuletzt nicht an einer Konferenz in Johannesburg teilgenommen hatte, bei der auch Blair anwesend war. Dieser habe ebenso wie Bush lediglich den damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein "loswerden" wollen. Mit dem Einmarsch in den Irak hätten sie jedoch "die Welt in einem bis dahin in keinem Konflikt der Geschichte gekannten Ausmaß destabilisiert und polarisiert", sagte Tutu. Die Massenvernichtungswaffen, mit denen die Invasion gerechtfertigt wurde, wurden nie gefunden.

Blair verteidigte sich in einer Stellungnahme im "Observer": Es sei falsch, immer wieder die "Fehlmeldung" zu verbreiten, mit Blick auf Geheimdiensterkenntnisse zu Massenvernichtungswaffen sei gelogen worden. "Jede einzelne unabhängige Analyse hat herausgefunden, dass das komplett falsch ist", erklärte Blair. Der Irak sei nun ein blühenderes Land als unter Saddam Hussein. Hussein habe Hunderttausende seiner Bürger ermordet; zu behaupten, das sei unerheblich für die moralische Rechtfertigung seines Sturzes, sei "bizarr" .

juh/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Narhallamarsch und noch 'ne bluehende Landschaft
seine-et-marnais 02.09.2012
Zitat von sysopAPDer Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu fordert einen Strafprozess gegen George W. Bush und Tony Blair. In einer Zeitung wirft er den ehemaligen Machthabern vor, sie hätten den Irak-Krieg mit einer Lüge begründet. Blair spricht von einer "Fehlmeldung". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853448,00.html
Haelt der denn alle fuer doof. Zitat:"Blair verteidigte sich in einer Stellungnahme im "Observer": Es sei falsch, immer wieder die "Fehlmeldung" zu verbreiten, mit Blick auf Geheimdiensterkenntnisse zu Massenvernichtungswaffen sei gelogen worden. "Jede einzelne unabhängige Analyse hat herausgefunden, dass das komplett falsch ist", erklärte Blair. Der Irak sei nun ein blühenderes Land als unter Saddam Hussein. Hussein habe Hunderttausende seiner Bürger ermordet; zu behaupten, das sei unerheblich für die moralische Rechtfertigung seines Sturzes, sei "bizarr" ."
2. Da...
demokratischersozialist 02.09.2012
hat der Friedensnobelpreistraeger vollkommen Recht! Bush und Blair gehoeren vor das Haager Kriegsverbrechergericht und muessen wegen eines voelkerrechtswidrigen Angrifsskrieges gegen einen souveraenen Staat und Mitglied der UNO, verurteilt werden!!
3.
bayrischcreme 02.09.2012
Also das mit dem blühenden Land ist schicht Hohn. Die allermeisten Christen sind geflohen. (meist nach Syrien wo sie wohl auhc nicht mehr lange bleiben können) Im Norden herrschen kurdische Rebellen. Ansonsten gibt es überall Milizen und Terroristen. Dem normalen Bürger ging es unter Saddam vermutlich sehr viel besser.
4. Vielleicht hat Blair ja recht..
der_wolf 02.09.2012
was spricht dagegen die Richter am IStGH darüber urteilen zu lassen?
5. Find ich prima …
Dr.pol.Emik 02.09.2012
… da aber die Macht mit diesen Elenden ist (Bush und Blair), wird wohl nach wie vor nichts nach solchen Forderungen aufstehen. Als Kriegsverbrecher werden bekanntermaßen und vorzugsweise die Unterlegenen abgeurteilt. Siegreiche Kriegsverbrecher werden als Helden gefeiert, bis auch diese „Helden-Nationen“ mal fallen. Vorher wird sich das Bild wohl nicht wandeln und das gebeugte Recht auch nicht wieder auferstehen. Aber frohen Mutes sehen wir auch auf die nächsten Kriege für den Frieden … von Libyen jetzt nach Syrien und dann nach Iran. Immerhin, der aktuelle Friedensnobelpreisträger hat ja auch den Frieden zu verteidigen und seine Entschlossenheit hat er bereits unter Beweis gestellt: Obama verteidigt Friedensnobelpreis mit eigenem Krieg (http://qpress.de/2011/03/20/obama-verteidigt-friedensnobelpreis-mit-eigenem-krieg/) … und so wird es wohl auch weitergehen. Die präsidialen Todesanordnungen und Tötungsbefehle runden dann das friedliche Bild der Super-Macht ab. Schließlich kann man heute aus der Ferne, per Knopfdruck recht komfortabel töten und so den ersehnten Frieden (nach eigenen Vorstellungen) allerorten erhalten.
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